Kurz kommentiert (1): Datenschützer auf Mission!

Der Bericht „Es gibt keinen Grund zum Verzicht auf Privatsphäre“ über das Buch „Die wissen alles über Sie“, verdient es beleuchtet zu werden. Er zeigt viele symptomatische Probleme in der Datenschutzdebatte auf. Alle Zitate stammen aus dem Bericht.

Fast täglich würden wir unsere persönlichen Daten freiwillig oder unfreiwillig hergeben – und damit selbst den Datenschutz aushebeln, so Redline. Kundenkarten, Internetbestellungen und Rabattsysteme sorgten dafür, dass Unternehmen komplette Datenprofile über ihre Kunden erstellen könnten. Soziale Netzwerke verleiteten dazu, persönliche Angaben aller Art freiwillig ins Internet zu stellen.

Hier wird erstmal unterstellt, dass die freiwillige Herausgabe von persönlichen Daten den Datenschutz aushebelt. Wer sich erdreistet so etwas zu tun, ist nicht nur selbst schuld, sondern zieht auch alle anderen mit in sein Verderben! Besonders Soziale Netzwerke verleiten dazu. Auch hier völlig unbestritten, dass dies etwas schlechtes sein muss und mit den eigenen Daten auch keinesfalls bewusst umgegangen werden kann.

Der Autor Franz Kotteder möchte die Bürger nun aus ihrer Unmündigkeit befreien – er sei überzeugt, dass es keinen Grund gebe, auf Privatsphäre zu verzichten.

Der erste Teil von dem Satz ist so toll, den will ich eingerahmt haben. Der Datenschützer auf Mission zur Rettung des unmündigen Bürgers! Auf die Einstellung trifft man häufig in den Datenschutzdebatten. Gerne auch mit spezifischeren Gruppen, die es zu schützen gilt, wie „Aber die Kinder!“ oder „Deine Mudda!“. Letzteres aus einer Twitterkonversation zwischen dem von mir geschätzten* Ralf Bendrath und mir (Die Konversation lasse ich an der Stelle mal unkommentiert, obwohl da auch einiges rauszuholen wäre. Nur, bitte nicht ganz bierernst lesen).

Im zweiten Halbsatz wird dann nochmal angerissen, dass man auf seine Privatsphäre verzichte, wenn man Daten von sich preisgibt. Das ist heillos übertrieben. Die Privatsphäre ist nicht weg, wenn man Daten von sich preisgibt. Ein solches Schüren von Ängsten wird aber mitnichten nur zum anteasern von Büchern genutzt, sondern ist ein Standardmanöver der Datenschützer.

Im Rest des Beitrags werden dann noch fröhlich Zensus 2011,  Cracker, Rasterfahndung und 9/11 zusammengewürfelt. Das nehme ich als Anlass um eines der Grundprobleme in der Datenschutzdebatte zu monieren: Es wird nicht differenziert. Ob staatliche, private, kommerzielle Akteure; ob von innen, von außen, freiwillig, unfreiwillig, alles wird in einen Topf geworfen. Vermeintliche und unrealistische Gefahren werden aufgebauscht und reale Gefahren relativiert. Wir brauchen endlich eine differenzierte Debatte.

*das war mein Ernst, ich schätze ihn und seine Arbeit in der EU wirklich
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5 Antworten zu Kurz kommentiert (1): Datenschützer auf Mission!

  1. Andreas schreibt:

    Dann… fangt doch mal mit Debatte an? Ich sehe gerade keinerlei Argumente in obigem Beitrag.

  2. plomlompom schreibt:

    Och, so falsch finde ich die These nicht. Je mehr Daten über die Welt im Pool des Post-Privacy-Monsters liegen, desto mehr Hebel hat es, um via Datamining auch bisher unbeleuchtete Bereiche freizulegen. Wer also Daten reingibt, der arbeitet damit nicht nur der Verringerung der eigenen Privatsphäre, sondern der Privatsphäre aller zu.

    Den souveränen Umgang mit Daten im Sinne von „ich weiß genau, was ich preisgebe und mit welchen Deutungs-Folgen für mich“ halte ich für eine Illusion. Man muss daraus nicht den Moralismus ziehen, dass es verwerflich wäre, Daten von sich preiszugeben, oder Privatsphäre mit Mündigkeit gleichsetzen; aber dass es die Privatsphäre zersetzt, das halte ich für eine plausible These.

  3. Pingback: Tweets that mention Kurz kommentiert (1): Datenschützer auf Mission! | Die datenschutzkritische Spackeria -- Topsy.com

  4. plomlompom schreibt:

    (Und ja, ich find den Tonfall des Eintrags auch zuviel Empörung statt Argument.)

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