Marshall McLuhan, Vordenker der Spackeria

Wer sich mit dem Post-Privacy-Gedanken beschäftigt, kommt an der These nicht vorbei, dass die um sich greifende Vernetzung ein Ende für die Privatsphäre im Internet bedeutet. Ein Blick auf die Entwicklung sozialer Netzwerke und anderer Dienste im sogenannten Web 2.0 zeigt, dass die These so abwegig nicht sein kann. Vielmehr stellt sie sich als Konsequenz, denn als Möglichkeit dar. Eine Sache, der man sich in der Debatte stellen muss, ob man sie nun begrüßt oder eher nicht.

Während das Web 2.0 noch eine recht junge Entwicklung ist, ist der Post-Privacy-Gedanke schon älter. Älter als man vermuten mag. Über die 1950-70er Jahre erstreckt sich das Schaffen von Marshall McLuhan, einem kanadischen Kommunikationstheoretiker. Er prägte die Begriffe »global village« und »the medium is the message«, die heute noch geläufig sind (wenn auch in teilweise anderer Wortbedeutung) und vielen Leuten immernoch visionär vorkommen mögen. McLuhan hat darüber hinaus einige verblüffende Theorien aufgestellt und ich kann jedem nur empfehlen sich näher mit ihm zu beschäftigen. Ein guten Einstieg bietet die Seite http://www.marshallmcluhanspeaks.com, dort findet man mundgerechte Ausschnitte aus seinen Reden. Hat tip an @scanlines, dass er mich angefixt hat 🙂

Ich möchte speziell auf ein Video eingehen, dass ich herausragend finde. Darin zeigt McLuhan die unausweichlichen Konsequenzen der Vernetzung auf, mit denen wir uns hier und heute herumschlagen. Sei es Wikileaks, Urheberrechtsdebatte oder eben auch Post-Privacy. Aber schaut selbst, ist auch nur 02:07 lang:

End of secrecy (1974)

Man kann es leider nicht direkt einbinden. Ich habe mal transkribiert, weil die Tonqualität nicht sehr berauschend ist:

Another strange effect of this electric environment is the total absence of secrecy. What Nixon refers to, is the confidentiality of his role and position, is no longer feasible. No form of secrecy is possible at electric speed. Whether in the patent world, in the fashion world or in the political world. The pattern sticks out a mile before anybody says anything about it. At electric speed everything becomes x-rayed. So, Watergate, is simply a nice parable of example of how secrecy was flipped into show business. The backroom boy suddenly found themselves on the stage. Political support or election purposes and so on, ceases to be a possibly confidential required? or secret, there is no way of having any form of secrecy in these matters. With the end of secrecy goes the end of monopolies of knowledge. There can no longer be a monopoly of knowledge in learning, education or in power. Now this – I’m not making value judges – this would seem to many people a very good thing and it may well be a very good thing. I’m simply specifying the pattern or the form that occurs when you have instant speed of electric information. You can not have a monopoly of knowledge such as most learned people had a few years ago. You can not have it under electric conditions. This applies to all professional life as well as to private life.

Nicht vergessen, das war 1974. Das Wort „Internet“ wurde grade das erste mal gebraucht und bestand aus ~100 Hosts. Schon verblüffend visionär, nicht wahr?

Weitere interessante Videos mit Bezug auf ‚privacy‘: Surveillance (1977),  Privacy in the electric age (1968)

Viel Spass beim Entdecken weiterer Goldstücke 😉

Noch ein Hinweis: Dieses Jahr wird 100 Jahre McLuhan gefeiert. Auf der offiziellen Seite http://marshallmcluhan.com und unter @mcluhan100 findet man Termine seines Gedenkens (*1911-†1980), viele davon finden in Deutschland statt.

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3 Antworten zu Marshall McLuhan, Vordenker der Spackeria

  1. mspro schreibt:

    Ich finde seine Vorhersagen auch immer verblüffend visionär, vor allem wenn man bedenkt, dass die „neuen Medien“ bei McLuhan immer noch die Fernsehgeräte waren. Das alles, auch das Global Village, waren Überlegungen nicht zum Internet, sondern zum Fernsehen. Und insofern waren sie erstaunlich falsche Vorhersagen, denn das Fernsehen hat diese Dinge nicht und würde sie auch in Zukunft nicht erfüllen. Dass McLuhan mit vielem trotzdem recht behalten hat, weil dann das Internet kam, kann man fast als Unfall betrachten. 😉

  2. cfritzsche schreibt:

    Interessant finde ich auch, dass er den Bezug zur Privatsphäre erst zum Schluß „nachschiebt“. Vorher redet er eigentlich nur über politische und öffentliche Geheimhaltung.
    Leider kann man daher nur seinen Satz „You can not have a monopoly of knowledge such as most learned people had a few years ago.“ auf das Privatleben beziehen, wenn man das Wissen um die eigene Person im weiteren Sinne als Wissensmonopol betrachtet.
    Für weitergehende Gedanken über den Effekt der „Elektrisierung“ auf die Privatsphäre wäre ich diesem Visionär sehr dankbar gewesen.

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