Informationelle Selbstbestimmung schafft Gedankenverbrechen

(Auswalzung eines Gedankengangs, den ich wesentlich knapper auch schon anderswo darstelle und diskutiere.)

These: Die Idee der „Informationellen Selbstbestimmung“ ist unvereinbar mit Rede- wie Gedankenfreiheit, insbesondere im digitalen Zeitalter.

Informationelle Selbstbestimmung kontra Redefreiheit

Das Folgende taugt sicher nicht als hohe Rechtstheorie (ich bin kein Rechtsgelehrter), und ich freue mich über jede juristische Ausdifferenzierung der Begrifflichkeiten in den Kommentaren. Ich glaube aber, dass meine Interpretation wesentliche Denklinien des Begriffs der „informationellen Selbstbestimmung“, wie er im öffentlichen Streit benutzt und auch als Rechtfertigung für dieses und jenes herangezogen wird, trifft; es geht mir also weniger um eine konkrete Auseinandersetzung mit der Rechtssprechung, als um die Ideen und geflügelten Worte, die wir uns im Datenschutz-Diskurs gerne gegenseitig an die Köppe schmeißen. Wird an meiner Interpretation eine Dissonanz zur „eigentlichen“ Rechts-Theorie deutlich, sehe ich das insofern als Erfolg, als wir dann nach Austausch der Widersprüche vielleicht eine genauere Vorstellung haben, wovon wir eigentlich sprechen bzw. wo die definitorischen Stolpersteine liegen.

„Informationelle Selbstbestimmung“ erkennt einer Person die Kontrolle zu über sie betreffende Informationen/Daten, also etwa (Beispiele aus der Wikipedia) „Klaus Meier hat blaue Augen“ oder „Erika Mustermann besitzt einen VW Golf“. Klaus Meier und Erika Mustermann sollen ein Wörtchen mitzureden haben, wo und wie diese Annahmen über sie durch die Welt zirkulieren, ob nun als schriftliche Notiz auf einer Kartei-Karte in einem staubigen Archiv oder als Einsen und Nullen abbildende Impulse, die durch globale Daten-Leitungen jagen.

Die Konfliktlinie mit der freien Rede ist offensichtlich: Personen-bezogene Sätze wie die obigen Beispiele haben sicherlich einen Anspruch, frei geäußert und verbreitet zu werden, wo Redefreiheit gilt, und ein Einspruchsrecht von Erika Mustermann und Klaus Meier hiergegen wäre eine Einschränkung der Redefreiheit.

Nun kann man versuchen, sich aus diesem Dilemma herauszureden, indem man setzt: „Informationelle Selbstbestimmung“ zielt vorrangig ab auf automatisiert verarbeitbare, maschinenlesbare Daten, nicht auf lose durch den Äther flatternde Schallwellen. Freie Rede deckt aber auch zum Beispiel Äußerungen schriftlicher Form ab, und sicher auch in den neuen digitalen Medien. Digitale Texte wiederum, selbst wenn sie in natürlichen Sprachen verfasst sind, und vor allem wenn sie aus so einfachen Sätzen wie den obigen bestehen, lassen sich durch heutige Text-Auswertungs-Algorithmen genauso fruchtbar abgrasen und zu Daten in diesem engeren Sinne verwandeln, wie das bei den Datenbank-Einträgen der Fall war, die die Datenschützer in den 70ern und 80ern im Kopf gehabt haben mögen. Und die technischen Möglichkeiten hierzu wachsen weiter und weiter.

Insofern muss „Informationelle Selbstbestimmung“ der freien Rede mindestens in digitaler Form einen Riegel vorschieben, wenn sie ihren Anspruch — selbst nach engerer Definition — durchsetzen möchte. Aber gut, wir sind ja in Deutschland, da gilt freie Rede sowieso eher als Verhandlungs-Masse gegenüber anderen „Grundrechten“. Insofern stellt eine Beschneidung freier Rede zugunsten „informationeller Selbstbestimmung“ hier vermutlich keinen Skandal dar.

Informationelle Selbstbestimmung kontra Gedankenfreiheit

Was aber aber auch hier erstmal als sakrosankt angenommen werden darf: die „Gedankenfreiheit“. (Ist das Lied „Die Gedanken sind frei“ nicht urdeutsches Liedgut?) Dass die Deutschen die Gedankenfreiheit so vergleichsweise hoch setzen, mag mit ihrer vermeintlichen Ungefährlichkeit zu tun haben: Das Tolle an dem, was nur Gedanke ist, ist ja gerade seine Verborgenheit, Privatheit. Gedankenfreiheit kommt am Besten, wenn sie sich leicht einriegeln lässt hinter den Blickschutz der Schädeldecke.

Dort gerät sie auch nicht in Konflikt mit der „Informationellen Selbstbestimmung“, jedenfalls nicht praktisch. Theoretisch sind natürlich auch die Gedanken über mich in den Köpfen Dritter etwas, das nach einer großzügig ausgelegten „informationellen Selbstbestimmung“ erst meiner Autorisierung bedarf: Hier werden munter Personen-bezogene Daten protokolliert, gesammelt, korreliert, gespeichert, ausgewertet. Aber so lange niemand die Telepathie erfindet, wie sollte dieser Anspruch je aufs Tablett kommen?

Schaut man sich die menschliche Intelligenz genauer an, hält diese Idee von ihrer Beschränkung auf die Zuckungen im abgeschlossenen Gehirn freilich nicht stand. Tatsächlich funktioniert menschliches Denken nicht nur individuell, sondern vor allem sozial: Intelligent sind nicht einfach wir allein, sondern intelligent sind wir als Ganzes, als Kultur. Sprache lenkt unser Denken, und Sprache ist ein Kommunikations-Mittel, formt sich erst durch den Austausch mit Anderen. Das menschliche Denken ist nie nur das unter der Schädeldecke, sondern das zwischen den Organen Einzelner und Vieler, zwischen unseren Händen und Augen und Synapsen im Verbund mit äußeren Medien wie der Schrift, den Bibliotheken, dem Abakus, dem Dialog, unseren Tagebüchern und Notizzetteln, Erinnerungshilfen und Gehirn-Dopings.

Nehmen wir den Begriff der Gedankenfreiheit ernst, darf er sich also nicht nur auf die Knorpel im Schädel beschränken, sondern muss das Ausgreifen von Denkprozessen über das Gehirn des Einzelnen hinaus mit einschließen, bis hinaus in äußere Medien und soziale Körper. Die digitale Revolution macht dies besonders deutlich, als sie in besonders deutlichem Maße das biologische Denken auf Kohlenstoff-Basis mit einem maschinellen Denken auf Silizium-Basis verschaltet und augmentiert. Immer stärker lagern wir unser Gedächtnis und unser Denken aus in Maschine, in Software, nach Google, auf unsere Festplatte, in die Kollektiv-Intelligenzen von Twitter & Co. Was schon immer so war, aber nach den alten kulturellen Bildern leichter übersehen werden konnte, wird immer offensichtlicher: Unser Denken ist sozial und technisiert, nicht isoliert und bloß „natürlich“.

So gerät das Denken aber genau in die Bereiche, die die „informationelle Selbstbestimmung“ auch ganz praktisch der Informations-Kontrolle durch einzelne Subjekte unterwerfen möchte. Als das Denken noch isolierbar war in abgeschlossene Schädel, schien da kein Konflikt aufzutreten: Ihr könnt über mich denken, was ihr wollt — da es nur in eurem Schädel passiert, kann ich mir einreden, es fände nicht statt. Da das Denken aber nun unübersehbar über die Schädel hinauswächst und sich global vernetzt und aus dem Verborgenen ins Sichtbare tritt, wird es dem Konzept der „informationellen Selbstbestimmung“ zur Bedrohung. Es wird zu eben der freien Rede, die schon im letzten Abschnitt als unvereinbar mit „informationeller Selbstbestimmung“ erkannt wurde. Wo „informationelle Selbstbestimmung“ Recht ist, da wird das freie Denken über Personen rasch zum Gedankenverbrechen — weil das Denken im 21. Jahrhundert in ansteigendem Maße über die Medien läuft, die der Datenschutz kontrollieren möchte.

Will sich „informationelle Selbstbestimmung“ hiergegen durchsetzen, muss sie das Denken zurück in die Schädel verbannen und auf die Kohlenstofflichkeit zurückkürzen, mit der es bei den Höhlenmenschen einst anfing. In einer Zeit, da wir uns immer mehr daran gewöhnen, über das globale Computer-Netz zu denken, käme dies einer Massen-Beschneidung unserer Synapsen gleich. „Informationelle Selbstbestimmung“ wäre die Lobotomie des modernen Cyborg-Gehirns.

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43 Antworten zu Informationelle Selbstbestimmung schafft Gedankenverbrechen

  1. Ursula von den Laien schreibt:

    OMG.

    • Dirk Burchard schreibt:

      Och, Uschi – woher kommt bloß diese Lust, Dir zu widersprechen?

      Plomlompoms pointierte Überspitzung zahlreicher Verdrehungen über Informationelle Selbstbestimmung ist doch irgendwie witzig, und diese reißerische Überschrift hat er bestimmt mit dem Schlagzeil-O-Maten von BILDblog.de zusammengebastelt. Allenfalls etwas lang und umständlich ist das Werk geraten.

      Das ist aber auch ungefährlich, weil jeder beim Lesen sofort weiß, daß eigene Wahrnehmungen und eigene Gedanken dazu, selbst wenn wenn er sie digital in einer Tagebuchdatei sichert oder in der Cloud speichert, seine eigenen personenbezogenen Daten sind und keine Datenerhebungen über Dritte.

      Daß er mit deren Verbreitung per eM@il, Blog, Freier Rede oder sonstwie die Selbstdarstellungen anderer offen oder hinterrücks attackieren kann, ist etwas anderes und hängt vom Kontext ab. Wenn ich sage, Angela Merkel sei selten kreativ, ist das etwas anderes als wenn Wikileaks gleichlautende interne Erhebungen der US-Diplomatie zitiert, denn im ersten Fall ist es meine persönliche Meinung und im zweiten Fall ein gezielt zusammengestelltes Persönlichkeitsprofil einer staatlichen Stelle, die ihre Datenbanken selbst gegen Mißbrauch zu schützen hat. Wenn’s überhaupt ginge, hätte Angela Merkel jetzt nämlich Probleme, ihre laut relevanter Stelle anerkanntermaßen gar nicht vorhandene Kreativität gegen Ausfall zu versichern.

  2. Urbster schreibt:

    Kurze Antwort: Nein
    Lange Antwort: Nein, es gibt kein Recht auf Informationelle Selbstbestimmung auf Gedanken, auch wenn diese in die Cloud ausgelagert werden. Allein deshalb schon nicht, weil bei Gedanken der Betroffene, und auch nicht die Justiz, keine Möglichkeit hat darüber zu erfahren dass es sie überhaupt gibt. Dies ist auch für ein in die Cloud oder sonst wo ausgelagertes Gehirn gültig, solange diese dort von niemanden als Dir eingesehen werden können. Sobald jemand anderes als du selbst deine Gedanken erfährt würde ich wieder von Meinung sprechen, welche dann wieder Schranken unterliegt.

    • Ursula von den Laien schreibt:

      Und deshalb benötigen wir wiederum informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz.

    • plomlompom schreibt:

      @ Urbster:

      Demnach kann ich also eine beliebig große Datenbank über alles, was ich an Wissen über meine Mitmenschen erlange, anlegen und dort alle möglichen Algorithmen der Auswertung und Korrelation drüber gehen lassen und daraus für mich meine Schlüsse ziehen, ohne dass ich gegen das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung verstoße? Das hat mir mein Informatik-Lehrer damals aber anders beigebracht 😉

      Und faktisch gibt es ja keine Cloud-Anwendung, es sei denn sie wird von mir allein betrieben (und dann brauch ich keine Cloud), bei der ich sicher sein kann, dass die darin gelagerten und verarbeiteten Daten nicht vom Betreiber mitgelesen werden können. Vertraue ich in Cloud-Anwendungen meine Daten nicht per definitionem einem Dritten an, es sei denn vielleicht, ich lagere sie nur verschlüsselt?

      Und dann hören nach deiner Definition Gedanken also auf, Gedanken zu sein, sobald sie jemand Anderem bekannt werden?

      • Urbster schreibt:

        ja, solange du die Ergebnisse für dich behälst kann dir niemand was anhaben.
        Und ja, sobald du jemanden deine Gedanken verrätst ist eine Meinung, und unterliegt Einschränkungen. Ganz einfaches Beispiel: Du darfst in deinen Gedanken alles und jeden als Arschloch bezeichnen, aber sobald du dies jemand anderen sagst ist das üble Nachrede.

  3. mspro schreibt:

    Ohne allzuviel Koketterie: das Bloggen und Twittern funktioniert bei mir tatsächlich so, wie du es beschreibst.

    Ich bin dazu übergegangen auch unfertige Gedanken in meinen Blogs zu sammeln, schreiben als Denkprozess, ich schmeiße Links zu Twitter, um sie zu speichern und in den Strukturen der von mir geschriebenen Texte, verwende ich Links zu alten Texten und gedanklichen Konzepten nicht nur als Dienst am Leser, sondern auch Synapsenähnliche Verschränkung. Ich denke mit meinem Blog und als ich CTRL-Verlust gerelauncht hatte, war es wirklich so, als ob ich wieder auf Teile meines Gedächtnisses zugreifen kann, die mir zuvor genommen waren. Ich finde die Denkanalogie außerhalb des Gehirns also alles andere als weit hergeholt, sondern mehr noch: direkt erfahrbar.

    Ähnliche Gedanken habe ich übrigens mal (noch vor der Bloglöschung) in Bezug auf KI aufgeschrieben: http://www.ctrl-verlust.net/das-ubermenschliche-im-denken-david-gelernters/

  4. Bernd schreibt:

    Ich glaube du verkennst hier aber einen Aspekte:

    die Freie Rede hat Grenzen (zumindest so wie sie in unserem Rechtskreis definiert ist). Dazu gehören auch Falschdarstellungen (Lüge/Verleumdung/Üble Nachrede/Rufschädigung/Verleitung zu Straftat/uvam.)

    Wenn man sich das aber genau anschaut, so kommt man zu dem Schluss, dass „das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung“ in diesen Fällen garnicht notwendig ist. Denn das zugrundeliegende Persönlichkeitsrecht oder obige Fälle aus dem Straf- und Zivilrecht decken schon sehr viele Fälle automatisch ab. Dazu gibts dann noch Regelungen wie Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen oder Kunsturhebergesetz.

    Viele (ungewollte) Veröffentlichungen lassen sich also mehr oder weniger problemlos auch ohne „Datenschutz“ abwehren.

    Allerdings gibt es ja noch eine Zweite Dimension, das Thema Auskunft über Gespeicherte Daten. Dieses könnte man mit Gefahrenabwehr herleiten – wenn jemand falsche/schädliche Daten gespeichert hat ist die Gefahr auch groß dass er diese verbreitet oder nutzt, deswegen hat der betroffene ein Recht darüber zu erfahren. Will den Gedanken aber garnicht weiter ausspinnen – nur drauf hinweisen dass das Recht auf Informationalle Selbstbestimmung nicht umsonst über 25Jahre nicht vernünftig codifiziert wurde und nur als (hilfs)kosntrukt beschworen wird.

    Gruss
    Bernd

    PS: kann mir einer auf die Sprünge helfen, verraten (textuell) von intimen (anvertrauten) details, worunter fällt das Strafrechtlich? Persönlichkeitsrecht?

    . Wenn man dies nicht mit Gefahrenabwehr begründen mag

    b)
    und Verletzung

    • plomlompom schreibt:

      @ Bernd:

      Klar, Redefreiheit wird hierzulande auch schon durch andere Rechte stark eingeschränkt. Aber bloß, dass viele Klassen Personen-bezogener Äußerungen schon durch andere Rechte beschränkt werden, heißt nicht, dass der Informationellen Selbstbestimmung kaum noch etwas zu bearbeiten bleibt.

      Der Privacy-Rechts-Diskurs z.B. bei Warren/Brandeis begründet sich ja gerade aus dem Problem, dass es viele Klassen Personen-bezogener Äußerungen gibt, die als Eindringen in die Privatsphäre gewertet werden, obgleich sie nicht unter z.B. Lüge oder Verleumdung fallen. Daraus wird dann eine Notwendigkeit hergeleitet, ein allgemeines informationelles Persönlichkeits-Recht zu schaffen, das dem Einzelnen ganz allgemein eine Kontrolle über Informationen zuerkennt, die seine Person betreffen, nicht nur die falschen oder bösartigen. Mir scheint, „Informationelle Selbstbestimmung“ geht hier den gleichen Weg. (Ich lasse mich aber gerne von einem Juristen korrigieren.)

      Die mangelnde Kodifizierung und Anrufbarkeit des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung scheint mir ein interessanter wunder Punkt. Für eine so fragile Position wird es aber mit erstaunlichem Elan angerufen in vielen hiesigen Datenschutz-Diskursen.

    • ChaosEagle schreibt:

      @Bernd:

      Interessante Frage, meines Erachtens ist das bloße „Ausplaudern“ von anvertrauten intimen Details an sich überhaupt nicht strafbar. Gehen wir mal durch:

      Beleidigung (§ 185 StGB) – greift bei Tatsachenbehauptungen nur, wenn diese gegenüber dem Beleidigten geäußert werden, nicht bei (bloßer) Äußerung gegenüber Dritten, zudem müsste die Äußerung Missachtung oder Nichtachtung zum Ausdruck bringen

      Üble Nachrede (§ 186 StGB) – fällt weg, da die behauptete Tatsache nicht erweislich wahr sein darf

      Verleumdung (§ 187 StGB) – wie 186, auch nur unwahre Tatsachen erfasst

      Dann gäbe es noch die Taten im 15. Abschnitt des StGB, Verletzung des persönlichen Lebens- und Geheimbereichs, die erfassen aber entweder nur bestimmte Tätergruppen (§ 203 / 204 StGB) oder bestimmte Modalitäten der Verletzung (unberechtigte Ton/Bildaufnahme bei § 201/201a StGB, Briefgeheimnis bei § 202 StGB).

      Persönlichkeitsrecht alleine kann übrigens (natürlich!) keine Strafbarkeit begründen, vielmehr ist das allgemeine Persönlichkeitsrecht nach Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG ein Grundrecht, das (auch) den Gesetzgeber bindet und dass dieser durch Erlass entsprechender Strafnormen schützen muss, aber natürlich auch nicht uneingeschränkt sondern unter Beachtung anderer Grundrechte wie z.B. der Meinungsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG). Und mit Gefahrenabwehr kann man (zum Glück) auch keine Strafbarkeit begründen, es gilt § 1 StGB iVm Art. 103 Abs. 2 GG – bestraft werden kann nur, was vom Gesetz unter Strafe gestellt wird.

      Ach ja – alles nur nach meiner derzeitigen Beurteilung, kein Anspruch auf Richtigkeit und erst recht keine Rechtsberatung 😉

  5. Johannes Ponader schreibt:

    Ich denke gerade darüber nach, die Begriffe „Daten“ und „Information“ definitorisch zu trennen. „Daten“ wären dann gespeicherte Informationen. „Informationen“ wiederum zugänglich gemachte Daten. Informationen entstehen, indem ich Daten abrufe, verknüpfe, übermittle. Daten entstehen, indem ich Informationen konserviere.

    Die „informationelle Selbstbestimmung“ würde dann zum Beispiel bedeuten, dass ich entscheiden darf, wer die über mich gespeicherten Daten auslesen darf. Ich kann zum Beispiel festlegen, dass meine Facebook-Daten von jedermann eingesehen werden dürfen, nicht aber von einem Bot.

    In dieser Betrachtung sind eine (partielle) informationelle Selbstbestimmung und Redefreiheit kein zwingender Widerspruch. Denn Redefreiheit der Menschen und Informationsfreiheit im Sozialen Netz muss nicht die automatisierte Verarbeitung meiner Daten einschließen. Oder anders gesagt: Rede- und Gedankenfreiheit muss nicht für Computer gelten.

    • plomlompom schreibt:

      @ Johannes Ponader:

      Wie willst du *irgendeinen* Informations-Austausch im globalen Computer-Netz ohne automatisierte Verarbeitung von Daten abwickeln? Läuft nicht jeder Rede-Akt hier über die Übermittlung von Text durch diverse Wege, die von Algorithmen gelenkt und bearbeitet werden, damit die Texte von A nach B gelangen und im gewünschten Format angezeigt werden?

      Klingt mir nach einer etwas zu einfachen Trennung zwischen der Informations-Verarbeitungs-/Speicher-Welt der Computer und der der Menschen.

      Sind von meinem Gehirn abrufbare Erinnerungen nach deiner Definition Daten oder Informationen — was macht da den Unterschied? Was passiert, wenn ich mein Erinnerungs-Vermögen immer stärker (z.B. über Lifelogging-Equipment wie eine digitale Aufzeichnung meines Blickfeldes) in digitale Medien auslagere?

  6. Nick_Haflinger schreibt:

    Ich denke, dieser digital codierte Text, dieser hier, nicht der oben, denkt, dass der Begriff Denken in höchst unzulässiger Weise verwendet wird, gleich mehrfach die Russell’sche Typenlehre verletzend – um nicht gleich das Wort „Kategorienfehler“ zu verwenden – so werden i.e. Denkprozess und Denkgegenstand verwechselt, Denken „geschieht“ über Medien, folglich gibt es auch direkte Übertragung von „Information“ und nicht nur von Signalen, alles der Shannon-Weaver’schen epistemologischen Katastrophe namens „Informationstheorie“ folgend. Naja, wahrscheinlich ist die nächste Verwechslung die von Code und Sprache. Von Innen und Außen braucht man hier gar nicht mehr zu reden.

    Liebe Grüße und Anarchofun,
    Nick Haflingers Text,
    Nick Haflinger

    p.s.
    achja
    p.p.s.: „Fuck Digitalism!“

  7. Thomas Maier schreibt:

    Sehr interessanter Text!
    Ich bin gerade auch an was dran – werd ich heute noch veröffentlichen – das sich an dieses Thema wohl anschließen wird. Werde schauen es hier zu verlinken.

  8. Pingback: Totale Transparenz – Kritik und Chance der Information | The Sacred & The Profane

  9. Thomas Maier schreibt:

    Totale Transparenz – Kritik und Chance der Information http://thomasmaier.me/blog/2011/04/06/totale-transparenz-kritik-und-chance-der-information/ Ich seh’ das eigtl. mehr als Basisartikel..

  10. Jay schreibt:

    Wieder eine Idee so ins Extreme gezogen, dass sie sogar gefährlich wird…

    Informationelle Selbstbestimmung bedeutet, dass man selber entscheidet welche persönlichen Informationen in die Öffentlichkeit geraten. Wenn ich ein BMW fahre mache ich das zu 99% in der Öffentlichkeit, wenn Du also darüber im Internet schreibst, dann hat das nichts mit informationeller Selbstbestimmung zu tun.

    Aufpassen auch, wenn man ein Recht herausnimmt und es über alle anderen Rechte stellt. Es gibt vielleicht ein einziges uneingeschränktes Recht, das Recht auf Leben, und sogar das kennt Grenzen (z.B. Abtreibung) für verschiedene Personen. Wenns ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt muss man das immer gegen andere Rechte, wie z.B. das Recht auf Meinungsfreiheit aufwiegen.

    Versucht doch mal weniger auf Teufel komm raus die Provokation zu suchen, mit abstrusen Argumentationen zu punkten, sondern benutzt die solide Grundidee um ordendliche Politik zu machen. Ihr schiesst euch mit solchen Blogpost doch selbst ins Bein! (auf das esoterische Gedöns von Gedankenfreiheit geh ich mal gar nicht ein).

    • plomlompom schreibt:

      @ Jay:

      Nach deiner Definition von informationeller Selbstbestimmung verstößt das Protokollieren, Speichern und Auswerten von Daten also nicht dagegen, wenn die Daten aus der Öffentlichkeit wie zum Beispiel dem Straßenverkehr gewonnen werden? Dann ist also zum Beispiel das automatisierte Aufzeichnen vom Autokennzeichen mitsamt Fotos der Fahrer und Verfolgung ihrer Wege durch den öffentlichen Raum kein Verstoß?

      Natürlich muss man nicht für absolute Rede- oder Gedankenfreiheit einstehen. Die Frage, ob etwas eine Beschneidung dieser Freiheit sei, ist allerdings eine andere als die, ob diese Beschneidung legitim sei. Beschneidet man Gedankenfreiheit derart, dass nicht mehr alle Gedanken legal sind, sondern manche illegal, muss man allerdings auch mit dem Begriff des „Gedankenverbrechens“ leben.

      „Ordentliche Politik zu machen“ sehe ich übrigens derzeit nicht als mein Auftragsfeld.

  11. LeV schreibt:

    Ich schätze durchaus beides, informationelle Selbstbestimmung und freie Rede. Niemals hatte ich jedoch das Bedürfnis, die informationelle Selbstbestimmung zu einem Instrument der Gedankenkontrolle zu machen. Und das scheint mir auch nicht der Sinn und Mehrwert dieses Rechts zu sein. Selbst wenn man Twitter und Co. als eine Art kollektives Gedächtnis verstehen möchte, besteht für mich ein deutlicher Unterschied zwischen Gedachtem und tatsächlich gesprochenem oder geschriebenem Wort. Beides in einen Topf zu werfen, ist ignorant.

    Bei der informationellen Selbstbestimmung geht es m. E. auch weniger um meine Augenfarbe, als mehr um, sagen wir mal Dinge wie, mit wem ich geschlafen habe oder wann ich geboren bin. Als informationell selbstbestimmte Person kann ich entscheiden, wem ich diese Information anvertraue. Ich erzähle nicht jedem alles von mir, weil ich nicht jedem Menschen in gleichem Maße vertraue, warum auch? Wenn ich dir als Freund erzähle, ich habe mit X geschlafen und am nächsten Tag lese ich es auf Twitter und jeder weiß es, dann lerne ich daraus, dass man dir solche Informationen nicht anvertrauen kann, weil du nicht in der Lage bist, vertrauensvoll mit ihnen umzugehen. Als informationell selbstbestimmte Person entscheide ich, dich nächstes Mal nicht mehr von derartigen Informationen in Kenntnis zu setzen, weil ich mein Vertrauen in dich verloren habe.

    Wenn ich nun einer Institution eine Information anvertraue, z.B. mein Geburtsdatum, dann tue ich das nicht, damit diese dieses Datum in die Welt rausposaunen kann. Ich gebe diese Information zu einem ganz bestimmten Zweck und in dem Vertrauen weiter, dass sie nicht zweckentfremdet wird. Dahingehend gibt es sogar Verträge, die sog. Datenschutzbestimmungen. Wird die Information dann aber doch zweckentfremdet, bekomme ich z.B. von irgendwem plötzlich Geburtstagsgrüße, von dem ich aber gar nicht beglückwünscht werden möchte, dann verleiht mir das Recht auf informationelle Selbstbestimmung die Möglichkeit, diesen Vertrauensbruch zu ahnden. Und das ist gut so, denn meine Freunde kann ich mir aussuchen, die Institutionen, die mich unter der Annahme einer Zweckgebundenheit verpflichten, ihnen bestimmte Daten zu geben, meist nicht so recht.

    Ich finde es extrem begrüßenswert, dass mir die deutsche Rechtsprechung eine Möglichkeit gibt, gegen den Mißbrauch mit meinen Daten rechtlich vorzugehen. Davon sind weder die Gedanken meiner Freunde, noch die Gedanken der Mitarbeiter benannter Institutionen betroffen. Es geht vielmehr darum, eine Möglichkeit zu haben, zu bestimmen, wem man welche Informationen zu welchem Zweck und unter welchen Prämissen zukommen läßt und wie mit dieser Information verfahren wird. Es geht um den Fluß und die Zugänglichkeit von Informationen und Informationen, die lediglich in deinen Gedanken sind, nicht aber geäußert werden, sind nicht zugänglich und daher auch nicht von der informationellen Selbstbestimmung betroffen.

    • plomlompom schreibt:

      @ LeV:

      Das ist eine plausible Verteidigungsrede für den Nutzen eines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung. Den möglichen Gefahren eines solchen Rechts begegnest du durch die saubere Grenzziehung zwischen Gedanken, die sicher verstaut sind in einem Schutzraum wie dem Gehirn oder einer restriktiv geregelten Datenbank, und unkontrolliert / unautorisiert als Äußerung durch die Außenwelt zirkulierenden Informationen.

      Mir scheint aber eine Entgrenzung dieser Bereiche plausibel: Menschliches Denken vollzieht sich eben nicht nur in abgeschotteten Isolationskammern, sondern gerade in sozialen Medien wie der Sprache, dem Dialog, der Twittersphäre. Und ich nehme einen ansteigenden Trend zur Auslagerung des Denkens in soziale Medien des digitalen Raums wahr, die durchaus auch vom Einzelnen als Augmentation seines eigenen Denkens empfunden werden kann. Ich verweise da einerseits auf den Kommentar von @mspro weiter oben, als auch auf mein Empfinden, Gedanken-Anfänge in Twitter hinein zu werfen, damit sie dort durch die Verschaltung in ein größeres sozialen Denken vervollständigt zu mir zurückkehren.

      Ich ziehe daraus nicht unbedingt den Drang, intime Details meiner Mitmenschen über diese soziale Medien auszuplaudern. Die Rücksichtnahme aufs soziale Wohl ist mir da wichtiger als die volle Ausschöpfung entgrenzten Denkens für alle möglichen Themen-Bereiche; unter sonstwie gleichbleibenden Bedingungen würde ich mich auch für diese Rücksichtnahme entscheiden, wenn das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wegfiele.

      Würde ich mich in der Verfolgung meiner Möglichkeiten des Denkens aber anders entscheiden, dann käme ich, so die These meines obigen Textes, in Konflikt mit der „Informationellen Selbstbestimmung“. Insofern scheint sie mir als Beschränkung der Gedankenfreiheit zu wirken. Diese Beschränkung kann man natürlich für durchaus gerechtfertigt halten, in Abwägung der möglichen Vor- und Nachteile.

      • Ursula von den Laien schreibt:

        Einen Unterschied macht die — absichtliche oder fahrlässige — Veröffentlichung deiner Gedanken* (über andere).

        Die Grenze zwischen privaten und öffentlichen Äußerungen (übrigens ein sehr treffendes Wort) ist selbstverständlich® fließend, im Falle von Tweets oder Weblogeinträgen aber definitiv überschritten.

        Die bloße Tatsache, daß eine einer Person zuzuordnende Information vom unmittelbaren Umfeld erlangt werden kann, rechtfertigt noch lange nicht deren allgemeine Zugänglichmachung. (In der Rechtsprechung werden dabei sowohl die „Qualität“ der Information als auch die gesellschaftliche Rolle der Person berücksichtigt.)

        Das „Digitale Zeitalter“ wirft meiner Meinung nach keine neuen Fragen (oder Antworten darauf) auf, sondern erhöht lediglich deren Relevanz für jeden einzelnen, sowohl als Betroffenem als auch als — in zunehmendem Maße — Akteur; Präzisierungen bzgl. der konkreten Anwendung und eine „Systematisierung“ (im Sinne der Beseitigung derzeitiger Widersprüche in der Gesetzgebung sowie deren Auslegung) scheinen mir dennoch erforderlich zu sein, also eher Bereinigung statt Umdenken.

        __________
        * whatever that means

  12. Xaleander schreibt:

    Ich denke außerdem, dass man zwischen einer „passiven“ und einer „aktiven“ (ich nenn das jetzt mal so) informationellen Selbstbestimmung unterscheiden muss.
    Die passive wäre mein Recht auf die Selbstbestimmung und die Möglichkeit andere zu verklagen wenn sie dagegen verstoßen, d.h. aber nicht, dass ich das tue oder dass meine Klage Erfolg hat. Diese Möglichkeit ist passiv. Wenn ich jedoch andere zensiere um mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu wahren, dann fällt das in die aktive Kategorie (wenn ich also jemanden tatsächlich verklage, also von der Möglichkeit gebrauch mache).
    Und diese Unterscheidung ist wichtig. Wir brauchen dieses passive Recht, Einspruch gegen den Missbrauch von persönlichen Daten zu erheben. Ob die aktive Ausübung dieses Rechtes immer sinnvoll ist, darüber mag man streiten und da muss man abwägen, wie meine Vorredner ja schon klar gemacht haben. Und ich denke, dass ein Gericht dann in den entsprechenden Fällen auch die Redefreiheit als wichtiger einstuft, wenn sie denn wichtiger ist.

  13. Martin schreibt:

    Irgendwie denke ich die ganze Zeit:
    Kein Recht ist absolut.
    Unterschiedliche Rechte müssen gegeneinander abgewogen werden.
    Wir haben alle keine Ahnung von Recht.
    Wir (und Du) benutzen hier viele Begriffe synonym, weil Du nichts definiert hast und dann bleibt von deinem Gedanken leider nichts übrig.

    • plomlompom schreibt:

      @ Martin:

      Ich bemühe mich, zu definieren. Nach ein bisschen Rumrecherchiere scheint mir — und da lasse ich mich gerne von einem Juristen korrigieren — „informationelle Selbstbestimmung“ einen Kontroll-Anspruch über mich betreffende Daten zu setzen, über deren Vorrätig-Haltung, Verbreitung und Verwertung. „Redefreiheit“ definiere ich als die Möglichkeit, in mündlicher oder schriftlich-digitaler Form jede beliebige Aussage zu treffen; Einschränkungen sind möglich, sollten aber durchaus auch Beschneidungen dieser Freiheit genannt werden dürfen. Und „Gedankenfreiheit“ definiere ich als meine Möglichkeit, Denkprozesse jeder Art und zu jedem Gegenstand auszuführen.

      • Martin schreibt:

        Das ist doch schon mal was. Wichtig wäre auch ob du Daten und Informationen eigentlich gleichsetzt? Und wie das Recht mit dieser Pseudo-Synonymen™ umgeht. Vielleicht liegt da ja das Problem: Sich einander ausschließende oder widersprechende Definitionen.
        Noch so ein Gedanke: Ist es nicht sogar häufig so, dass sich Rechte gegenseitig ausschließen? Waren dafür nicht eigentlich auch Richter da? Weil man immer abwägen muss?

        • plomlompom schreibt:

          @ Martin:

          Die definitorische Grenze zwischen Daten und Informationen ist tatsächlich eine interessante Frage. Da würde mich auch interessieren, wie das die Juristen handhaben. Ich habe den Eindruck, das definiert sich tatsächlich jeder zusammen, wie es ihm beliebt, sodass viel Verwirrung / Unklarheit in den Debatten entsteht.

          Persönlich nehme ich zwei Informations-Definitionen wahr: Einerseits ganz grundlegend, man könnte sagen: kosmisch, ist Information alles, was einen Unterschied macht und Ordnung schafft (und dann irgendwann von der Entropie aufgefressen wird), also eine elektrische Ladung genauso wie, in höherer Abstraktion, eine Buchseitenzahl oder die Verschiedenheit der Annahmen eines religiösen Systems zu einem anderen. Andererseits scheint es einen Begriff von „Information“ zu geben, der evolutionär über einem „bloßen“ Datum angeordnet zu sein scheint (man könne aus Daten Informationen gewinnen), also mindestens eine Aussage sein muss, die die Form eines Schlusses aus Daten sein könnte, zum Beispiel: Hans hat sich um 12 Uhr in der Müller-Straße aufgehalten.

          Und der Begriff „Daten“ scheint in der Definition zu schwanken zwischen einerseits „Datenbank-Einträge“ bzw. „maschinenles- / -speicherbare / -gespeicherte Informationen“, letztlich runterbrechbar auf jede durch Schaltkreise jagbare Anordnung von Einsen und Nullen; und andererseits Informationen mit klarem Aussage-Charakter: „Personen-bezogene Daten“ wie die oben im Artikel genannten Beispiele aus der Wikipedia. In beiden Fällen scheint es möglich zu sein, den Begriff sowohl rein technisch zu deuten, als etwas, das gar keinen sprachlichen Aussage-Charakter haben muss; und umgekehrt als etwas mit sehr wohl sprachlichem Aussage-, Behauptungs-, vielleicht sogar Wahrheits-Charakter. Die Grenzziehung scheint eher zwischen diese beiden Deutungen als zwischen den Begriffen selbst zu verlaufen.

          Für den letzten Frage-Teil verweise ich auf meine Antwort eben an Benni weiter unten.

          • Ursula von den Laien schreibt:

            Im rechtlichen Kontext ist eine Unterscheidung zwischen „Daten“ und „Information[en]“ meiner Ansicht nach irrelevant; während „Information“ etwas abstraktes, also intensional ist, versteht man unter „Daten“ eher deren Extension, also deren Ausprägung auf einem konkreten Medium, einschließlich „flüchtigen“ wie etwa Datenleitungen.

            Tatsächlich wird Datenschutz im wesentlichen durch technische Vorkehrungen realisiert (bzw. sollte es 😉 ), indem die Datenträger gegen unerlaubten Zugriff (oder Leitungen/Datenströme gegen Abhören) geschützt werden. Eine Informationssperre dagegen ist zunächst etwas vollkommen abstraktes, nämlich die Anweisung oder eine Übereinkunft zur Unterlassung von Kommunikation, die nicht notwendigerweise irgendwelcher technischen Maßnahmen bedarf. (Datenschutz erfordert natürlich ebenfalls meistens die Verschwiegenheit eines Personenkreises, der „technisch“ bedingt Zugang zu schützenswerten Daten[trägern] hat und dadurch selbst zum Informationsträger wird oder zumindest werden kann.)

            Informationsfreiheit meint ebenfalls nicht unmittelbar den Anspruch auf irgendwelche konkreten Datenträger, sondern kann beispielsweise auch durch ein Recht auf Einsichtnahme (wie auch immer) erfüllt sein.

            0,02 €

    • ChaosEagle schreibt:

      Nur kurz, hab grad keinen GG-Kommentar zur Hand:

      Richtig, Grundrechte werden erstens oft nicht schrankenlos gewährt (vgl. z.B. Art. 5 Abs. 2 GG) und zweitens muss natürlich für den Fall einer Grundrechtskollision (also dem Aufeinandertreffen von Grundrechten zweier verschiedener Grundrechtsträger) eine Abwägung stattfinden. Insofern finde ich die Tendenz in dem Blogbeitrag, die Grundrechte jeweils in ihren extremsten Ausprägungen darzustellen, gelinde gesagt fragwürdig, weil das natürlich nicht funktionieren kann, sobald es mehr als eine Person gibt die sich auf Grundrechte berufen kann.

      • plomlompom schreibt:

        @ ChaosEagle:

        Gibt es denn überhaupt ein Grundrecht auf Gedankenfreiheit, das gegen irgendwas abgewogen werden könnte?

        • Ursula von den Laien schreibt:

          Wie oben scheinst du hier Gedanken mit deren Äußerung bzw. Veröffentlichung zu verwechseln oder zu vermischen.

          Wenn wir technisch soweit sind, wird wohl auch ein Grundrecht auf Gedankenfreiheit verankert (oder aus Artikel 1 hergeleitet) werden [müssen]. *SCNR*

          Was du in dein privates Tagebuch unter der Matratze schreibst, unterliegt keiner rechtlichen Beschränkung (kann im Zweifelsfall jedoch als Beweismittel herangezogen werden, wenn es beispielsweise die Planung eines Attentats beinhaltet).

  14. Senficon schreibt:

    Denken im Gehirn und Denken durch die Vernetzung mit Computern sind haben zwar Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede, weshalb es nicht sinnvoll ist, beide mit dem gleichen Begriff zu belegen.

    Das Gedankenverbrechen wird ja gerade deshalb als besonders verabscheuungswürdiges Konzept abgelehnt, weil niemand vollends Herr seiner Gedanken ist. Das Verbot, etwas zu denken, ist eines, an das man sich nicht halten kann, so sehr man es versucht. Einfachstes Beispiel: Versuche mal, nicht an einen Eisbär zu denken. Es werden also nicht Verhaltensweisen, sondern Zustände, Gesinnungen unter Strafe gestellt.

    Wenn man nun seine Gedanken in ein Blog oder in die Cloud auslagert, ist dieser Aspekt der fehlenden Kontrolle eben nicht gegeben. Das Denken über die Maschine ist immer noch eine freie Entscheidung, die mir zwar großen Nutzen bringt (etwa durch ein nahezu perfektes „Gedächtnis“ und hohe Rechenkapazitäten), aber im Gegensatz zu den Gedanken im Hirn eingestellt werden kann. Wenn ich das nicht kann, da ich die Kontrolle über meine Daten verloren habe, dann ist auch klar, dass es nicht mehr ich bin, der da über die Maschine denkt, ich bin also auch nicht mehr derjenige, der die informationelle Selbstbestimmung eines anderen hier einschränkt.

    Wenn wir nun also das Veröffentlichen von Daten über andere Personen im Prozess des „Denkens“ über die Cloud als „Gedankenverbrechen“ bezeichnen, dann klingt das so schlimm wie das, was damit gemeinhin gemeint ist, obwohl der Aspekt, der es so schlimm macht, gar nicht zutrifft. Also hinkt der Vergleich ganz gewaltig und informationelle Selbstbestimmung als „Gedankenverbrechen“ zu bezeichnen geht an der Sache komplett vorbei.

    • plomlompom schreibt:

      @ Senficon:

      Hmm, interessante Vertiefung des Gedankenverbrechens-Begriff. Wobei der Begriff natürlich aus mehreren Richtungen aufladbar ist: aus der alten Idee der Gedanken-Freiheit zum Beispiel genauso wie aus dem vergleichsweise jungen Orwell-Roman. (Aber die dortige Ingsoc-Ideologie hat eh ihre ganz eigenen Gedankensprünge, die erstmal nachvollzogen werden müssten, ehe man den Gedankenverbrechen-Begriff daraus übernimmt — bis hin zu den diversen Thesen, die Ingsocs Wirklichkeits-Begriff als Quantenphysik-Parodie deuten.)

      Wenn ich dich recht verstehe, fangen meine Gedanken schuldlos und ungefährlich in meinem Kopf an — schuldlos, weil ich sie nicht willentlich kontrollieren kann, und ungefährlich, weil sie dort ja keinem Dritten unmittelbar weh tun. Lagere ich sie dann in externe Gehirn-Masse und Denk-Apparate aus, ist das ein willentlicher Akt, wird also schuldfähig. Wobei sie durchaus noch ungefährlich sein können, soweit sie in der Cloud „versteckt“ bleiben, nicht durch einen unfreiwilligen Leak etwa oder durch meine willentliche Entscheidung zu einer öffentlich zirkulierenden Äußerung werden. Sind sie einmal in dieser letzten Form angekommen, werden sie gefährlich, aber schuldig habe ich mich bereits durch ihre Entlassung in diesen Zustand gemacht, weitere Schuld kann nicht mehr hinzukommen, weil sie jetzt als selbständige Meme durch die Öffentlichkeit fliegen. So korrekt?

      Dann muss man wohl erstmal unterscheiden zwischen der Legalität/Illegalität der Gedanken und der Bestrafbarkeit einer Person, der sie zugeordnet werden können. Ein durch die Denk-Knoten des Netzes fließender Gedanke (zum Beispiel ein böses Gerücht über mich) könnte durchaus illegal sein, ohne dass es eine Person gibt, die man unmittelbar für ihn als Autor verantwortlich machen und bestrafen kann. Vielleicht könnte man Menschen aber als *Ermöglicher* böser Gedanken strafbar machen — etwa Christopher „moot“ Poole dafür, dass er mit 4chan ein Netz-Gehirn gebaut hat, das die schlimmstmöglichen Ideen erzeugt, ohne dass moot diese Ideen selbst je gedacht haben müsste.

      Ich find aber dieses Zwiebel-Modell der Gedanken in unterschiedlicher Abstufung ihrer Bewegung zwischen dem Kopf des rechtsfähigen Subjekts und der Anarchie des öffentlichen Diskurses problematisch. Für mich entwickeln sich Gedanken eher in einem mehrdimensionalen Hin und Her zwischen verschiedenen Knoten — und wie du ja selbst sagst, gerade auch in meinem eigenen Kopf habe ich keine Autoren-Kontrolle über meine Gedanken, sondern sie stoßen mir eher zu, als dass ich sie zielgerichtet baue. In meiner Vorstellung ist die Landschaft der Gedanken so etwas wie eine große Natur-Landschaft, wo man vielleicht hier und da mit Staudämmen oder Explosionen Akzente und Begradigungen der Flüsse und Bergzüge vornehmen kann, aber für eine totale Kontrolle des Öko-Systems, der Wege und Transformationen von Wasser und Luft etwa, reichen die paar Trennwände und Türen nicht aus, die impliziert werden von sowas wie „ich kann mich ja entscheiden, inwieweit ich einen Gedanken in die Öffentlichkeit entlasse, oder den Fluss meiner Gedanken in einem externen Medium willentlich einstellen“.

  15. Thomas Maier schreibt:

    Informationelle Selbstbestimmung – also die freie Verfügbarkeit und Art, Weg und Menge der Aufnahme – sind ja heute nicht nur trivial sondern wie in meinem Blogeintrag dargestellt immer auch eine Verhältnisabwägung. Kurz gesagt. Die leckerste Pizza wird schrecklich, wenn man sie jeden Tag zu allen Mahlzeiten isst. Deshalb ist die informationelle Selbstbestimmung ja auch an Filter geknüpft und ich glaube dass der wohlklingende Begriff der „Filtersouveränität“ uns nur weiter in die Depression der Eigenverantwortlichkeit über schier immense Datenmengen führt. Zizek sagte mal, Bücherverbrennungen sind etwas unglaublich gutes, denn sie schaffen Platz für neue Bücher. Auch Filter dürfen nicht komplett in der Souveränität des Menschen liegen sondern gerade mit Automatismen und Algorithmen bestückt sein – ja – auch Fehler zulassen und die eine oder andere extrem wichtige Information fallen lassen und unwichtige mitziehen. Kurz gesagt: Statt dem politischen Debattenbeitrag mal ein Lolkatzenbild! Man kann sich eine Meinung zum Afghanistan-Krieg (sofern man nicht schon politisch kontaminiert ist) nur bilden, wenn die Hälfte der Wikileaks-Dokumente unwiederbringlich vernichtet werden und zwar willkürlich. Deshalb, man möge Informationen und Daten willkürlich vernichten, auf das wir neue anhäufen können.

    • plomlompom schreibt:

      @ Thomas Maier:

      Guter Punkt, die Souveränitäts-Kritik auch auf die Filter-Souveränität auszuweiten. Ich glaube, das Filtersouveränitäts-Mem lebt erstmal von seiner Nettigkeit, die Eigendynamik der Außenwelt aus den Ansprüchen der eigenen Kontrolle zu befreien: Ich schreibe Dritten nicht mehr vor, was sie äußern sollen. Stattdessen verlasse ich mich auf Filter. Da nun aber wieder von Souveränität zu sprechen, holt das ganze Boot vom autonomen bürgerlichen Subjekt letztlich wieder mit rein, das zumindest ich als insgesamt sehr kritisierenswert betrachte.

      Fehler-Behaftetheit und Eigendynamik der Filter außerhalb meiner unmittelbaren eigenen Kontrolle (ich kann mich für andere Filter entscheiden, aber ich kann nicht jeden Filter hundertprozentig selbst kontrollieren; dann müsste ich ja selber der Filter werden, und also doch wieder die Gesamtmenge der Informationen an meine Kognition ranlassen, nicht nur die Filter-Ergebnisse) scheinen mir da vielversprechende Lösungs-Ansätze, Hebel. Ebenfalls: den Gegensatz von Interessanz und Langweiligkeit. Filter, die mir immer nur das bringen, was ich erwarte, mich nie überraschen, langweilen mich vielleicht, vermitteln mir den Eindruck der Monotonie und Sackgasse?

    • Ursula von den Laien schreibt:

      Thomas, du verwechselst hier Informationelle Selbstbestimmung (das Recht, Einfluß auf die Verbreitung der eigenen, persönlichen Daten zu nehmen) mit Informationsfreiheit (freedom of information), dem Recht, sich frei informieren zu können, was natürlich die Offenlegung bestimmter Daten bzw. Transparenz (i.d.R. des Staates, nicht von Personen) erfordert und den freien Zugang zu öffentlichen Informationen / Medien einschließt (also beispielweise auch „lokale“ Zensur ausschließt).

      Statt Bücher zu verbrennen (ob nun im übertragenden Sinne oder nicht), müssen wir Medienkompetenz vermitteln, vielleicht auch bessere Filtertechnologie — im weitesten Sinne — anbieten.

      Schon vor hunderten von Jahren gab es mehr Bücher oder Schriften als ein einzelner Mensch jemals in seinem Leben lesen — geschweige denn verstehen — kann. Danach folgte der anfangs noch überschaubare Rundfunk, mit wenig später mehr Sendern als Radio oder Fernseher „Programmplätze“ besaßen oder Fernsehzeitschriften [einigermaßen übersichtlich] abbilden konnten. Auf Basis des „Nischenproduktes“ Internet, zudem zunächst nur eine bestimmte Gruppe Zugang hatte, die aber z.B. aufgrund der Anzahl angebotener Newsgroups auch schon überfordert gewesen sein muß, entwickelte sich das schnell Suchmaschinen erfordernde WWW und schließlich das heutige „Web 2.0“, mit einer täglich wachsenden Anzahl an „Inhaltsproduzenten“.

      Aus deiner Sicht müßte die Erschöpfung des IPv4-Adreßpools (von virtual hosting mal abgesehen) ein Segen sein, wie womöglich auch eine künstliche Beschränkung der Bandbreite oder des monatlichen Transfervolumens von Privat“anschlüssen“.

      Der ganze Prozeß bringt jedoch nicht nur Diversifizierung (mit der von dir beschriebenen Gefahr der Kommunikations- oder Kompromißunfähigkeit), sondern ermöglicht auch weitere Demokratisierung. Willentliches Delegieren von Entscheidungen oder des Filterns eingeschlossen.

  16. Pingback: Der Siechtod demokratischer Prinzipien - Jan Dörrenhaus

  17. Benni schreibt:

    Die Grundrechte beschränken sich ja alle gegenseitig. Da gibt es immer eine Abwägung. Das an sich ist doch nix neues.

    • plomlompom schreibt:

      @ Benni:

      Gibt es denn überhaupt ein Grundrecht auf „Gedankenfreiheit“? Es ging mir gar nicht so sehr darum, auf Basis des Grundgesetzes zu argumentieren (das ja auch keine Heilige Schrift, sondern nur ein historisches Dokument ist), sondern eher auf Basis meiner Wahrnehmung, dass „Gedankenfreiheit“ gemeinhin als ein absoluter Anspruch verteidigt zu werden scheint, von „unserem“ Liedgut bis zur Ungeheuerlichkeit der Idee, dass Orwells „Ingsoc“-Regime *sogar* die Gedanken der Menschen seiner Legalitäts-Kontrolle zu unterwerfen beansprucht. Und dass zugleich die Absolutheit dieses Anspruchs vergleichsweise wohlfeil ist, solange wir eine Vorstellung von Gedanken als etwas haben, das nur unter unserer Schädeldecke passiert; und kompliziert/unhaltbar wird, sobald Gedanken mehr und mehr außerhalb dieser Schädeldecke ihre Eigendynamik zum Beispiel in sozialen Medien entwickeln.

  18. NetReaper schreibt:

    Oh, das kann man mit einem gaaaanz einfachen Fakt kontern:

    Die Freiheit der Rede ist nicht das höchste Gut im Staate.

    Wirklich nicht.
    Ehrlich.

    Und das ist auch gut so.

    • plomlompom schreibt:

      Ja, das steht ja auch im obigen Text selbst.

      Spannendere Frage: Ist die Freiheit der Rede identisch der Freiheit der Gedanken? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum?

  19. geopisa schreibt:

    Jop, bin etwas spät dran aber trotzdem mal kurz drübergestolpert. Also mein Senf: IMHO geht es den Verfechtern der Idee einer Informationellen Selbstbestimmung nicht darum die Rede- geschweige denn die Gedankenfreiheit einzudämmen. Vielmehr geht es ihnen doch darum, jenes hilflose Ausgeliefertsein der vernetzten Individuen gegenüber den datenaggregierenden und -durchstöbernden Bots und Algorithmen einzudämmen. Und zwar vorbeugend, um irgendwelchen Überwachungs- oder Scoring-Szenarien entgegenzuwirken. Es geht darum, jene unwissenden, oft bequemeren Zeitgenossen vor der absoluten Reduktion auf Datensätze und der daraus folgenden Monetarisierung. Dazu kommen noch all die Gefahren wie Identitätsdiebstahl und eh schon wissen… Klar, angesichts der fortschreitenden Technik kann sowas wie informationelle Selbstbestimmung schon mal als utopische Forderung belächelt werden. „Is doch eh alles schon zu spät. Mach ich halt weiter mit meinem Bekenntnistrip.“ Aber auch die Forderungen der Post-Privacy-Vertreter sind utopisch. Wie bitte kann man all das extreme kategorisieren, katalogisieren, herunterbrechen, monetarisieren etc. des Menschen einfach ignorieren und sich stattdessen mit der bedrohten Gedankenfreiheit beschäftigen? Was passiert etwa, wenn deine Brain-Extensions gar nicht mehr von dir kommen, sondern nur noch auf bestimmten und speziell dir empfohlenen und deinem (oder einem politisch gewünschten?) Gedankengut angepassten Feeds und Nachrichtenschnipseln basieren? Dann wurde das System der Brain-Extensions mangels ausreichender informationeller Selbstbestimmung (oder rigiderer Gesetzeslage) ausgehebelt, da du eh nur noch das auslagerst was dir basierend auf Algorithmen aufbereitet wird. Und wenn man nicht mal mehr das denken darf und kann (man merkt es ja nicht) was man möchte, dann is das für mich – frei nach Alvaro – eine grausliche Vorstellung.
    Also nochmal: Mit plomlompoms Gedächtnisauslagerungsvergleich (Mc Luhan lässt grüßen… oder wars doch Schirrmacher) sind wir schon arg bei juristischer Haarspalterei angekommen und es liegen wirklich welten zwischen den eigentlichen Forderungen hinter der informationellen Selbstbestimmungen und dem Szenario, welches von plomlompom ausgelegt wurde. Müsste man halt ein wenig anpassen den Satz…

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