Privatsphäre – warum die Netzcommunity naiv ist.

Als ich vor einigen Tagen das erste Mal seit einiger Zeit wieder mIRC geöffnet und ein Netzwerk betreten habe merkte ich, wie altmodisch sich das eigentlich angefühlt hat. Es gab keine modische Benutzeroberfläche, nichts wurde erklärt und mein erster Versuch das Netzwerk zu betreten wurde mit einer Fehlermeldung beantwortet, die sich mir ganz und gar nicht erschlossen hat.

Schnell wechselte ich das Tab, öffnete Facebook, atmete tief aus und war froh in einer einfachen, benutzerfreundlichen Welt gelandet zu sein. Der Unterschied zwischen einem Chatprotokoll, das nun schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat und einer Website, die keine 10 Jahre alt ist(in der aktuellen Version sogar noch deutlich weniger) war bestechend.

Doch gibt es zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Systemen doch einige bedeutende Gemeinsamkeiten. Eine große Übereinstimmung ist die Möglichkeit Daten von sich bekannt zu geben und sich in der Internetöffentlichkeit quasi „nackt“ zu machen. Dies geschieht bei Facebook sicherlich einfacher als im IRC, die Möglichkeit hierzu gibt es jedoch in beiden Systemen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass es in beiden Netzwerken nicht automatisch zu einer Ansammlung von Daten kommt. Auch Facebook weiß nur so viel, wie man gewillt ist bekannt zu geben. Der große Unterschied ist jedoch die kommerzielle Ausrichtung von Facebook. In dieser Hinsicht war das Internet des letzten Jahrtausends ein weitestgehend naiver, friedlicher Ort. Es wurde zwar vom großen Geld geträumt, jedoch wurde wirklicher Umsatz noch immer im analogen Bereich gemacht.

Dies hat sich erst in den letzten Jahren bedeutend verändert. Insbesondere Google und Facebook machen Umsätze, von denen die Unternehmen der Internetblase von 2000 nur träumen konnten. Interessant wird dieser Aspekt insbesondere, wenn man bedenkt, womit diese Unternehmen Geld machen. Sowohl Google, als auch Facebook verdienen fast ausschließlich Geld durch den Verkauf von Werbung. Ein Konzept, das eigentlich vor wenigen Jahren, zu Zeiten der Popupbanner, noch totgeschrieben wurde. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass ein Unternehmen(fast) nur mit Internetwerbung einen Jahresumsatz von fast 30 Milliarden US-Dollar machen könnte.

Mit der Neuergründung eines eigentlich schon für tot erklärten Marktes wachsen natürlich die Begehrlichkeiten der betreffenden Unternehmen enorm. So hat Twitter vor kurzem bekannt gegeben, dass es die akkumulierten Daten der User gegen ein (sicherlich nicht geringes) Entgelt zur Verfügung stellen wird. Und wie es nicht anders zu erwarten war ging ein Aufschrei durch die Netzcommunity. Twitter wurde (eigentlich bereits vorher) zu einem der „bösen Unternehmen“ erklärt, das nur existiere um unsere Daten zu sammeln. Und das ist natürlich nicht einmal falsch. Twitter will unsere Daten. Ebenso wie Facebook, Google und viele andere Unternehmen im Bereich der social media.

Am Ende ist es jedoch erstaunlich naiv von der Netzcommunity sich über ein derartiges Verhalten zu beschweren. Immerhin sind wir es doch, die die Unternehmen tagtäglich mit Daten versorgen. Wir twittern unsere Einkaufslisten, liken Verkaufsartikel und googlen die neuste Mode. Meistens geben wir dabei unsere reale Namen an oder verknüpfen sie zumindest so gut mit anderen Systemen, dass es einem Unternehmen erstaunlich leicht fallen würde unsere wahre Identität heraus zu finden. Parallel dazu benutzen wir Prepaidkarten, Foursquare und EC-Karten.

Auf der anderen Seite stehen die Datenschützer. Für sie scheinen die „normalen Bürger“ etwa das zu sein, was für die Befürworter einer Internetzensur die Kinder sind. Arme schützenswerte Geschöpfe, um derentwillen  man die große (nicht betroffene) Mehrheit einschränken darf. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass auch die großen Datensammler nur die Informationen nutzen, die wir ihnen zur Verfügung stellen.

Es ist selbstverständlich klar und logisch, dass es Situationen gibt, in denen der erste Reflex zu einer Einschränkung geht. Dies ist jedoch ein ausdrücklicher Irrweg, wie gerade beim Beispiel der Internetseite „isharegossip“ wieder zutage gefördert wurde. Während es seit Jahren mehr oder weniger große Projekte gegen Mobbing gibt, bei denen die Täter fast immer ohne größere Disziplinierungsmaßnahmen davon kommen, wird im Falle einer Internetseite, die nur als Verteilungsplattform, agiert gleich die große Keule der Indizierung heraus geholt.

Dabei ändert eine Indizierung der Seite absolut nichts. Ich persönlich kann behaupten nur durch die Berichterstattung über diese Website überhaupt auf sie aufmerksam geworden zu sein. Wie in den meisten Situationen bringt ein Verbot eher das Gegenteil des Gewünschten. „Die Ärzte“ können euch viele Lieder darüber singen.

Es stellt sich also die Frage, warum Unternehmen, denen wir Daten freiwillig zur Verfügung stellen, am Ende immer kritisch wegkommen. Es ist doch selbstverständlich, dass Kapitalunternehmen ihre Substanz zu Geld machen müssen. Und die Substanz von Google, Facebook und Twitter sind nun mal Daten. Dass es in diesem Punkt immer zu einem großen Aufschrei kommt ist, wie bereits oben gesagt, nur naiv und in keinster Weise realistisch.

Aus diesen Grund sind die Daten, die auf Facebook und ähnlichen social media Seiten veröffentlicht werden am Ende in keinster Weise schutzwürdig. Wer nicht möchte, dass diese Daten zu Geld gemacht werden sollte sie gar nicht erst produzieren. Wer jedoch am Ende schreit und Angst um seine Privatsphäre hat, hat das Internet in der heutigen Form nicht verstanden.

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20 Antworten zu Privatsphäre – warum die Netzcommunity naiv ist.

  1. Til schreibt:

    Klar wollen Unternehmen Daten, aber aus „normal Bürger“ Sicht macht es einen großen Unterschied welchen Grad an Privatheit vorgespielt wird.

    Ich kenne jedenfalls niemanden, der sich aufregt, das Twitter-Nachrichten öffentlich sind. Sollte jetzt Google anfangen meine bei Ihnen gespeicherten E-Mails einfach so zu veröffentlichen, dann hätte ich schon ein was dagegen.

    Deswegen ist mir auch nicht klar worüber hier eigentlich geredet wird. Wenn ihr wirklich der Meinung seid, alles was man Unternehmen anvertraut darf egal wie verwendet und veröffentlichet werden, dann könnt ihr mit eurer Argumentation jeglichen Verbraucherschutz als Bevormundung aushebeln.

    • jrehborn schreibt:

      Selbstverständlich geht es hierbei nur um öffentlich (oder halb-öffentlich) zugängliche Daten.
      E-Mails betrifft das natürlich nicht.

      Grüße
      Johannes

      • Til schreibt:

        Ok, halb-öffentliche Daten sind natürlich ein Graubereich.

        Ich formuliere es mal so: Ich erwarte von Facebook, dass wenn ich etwas mit Einstellung „Nur meine Freunde“ poste, dass sie es z.B. nicht an Firmen ohne meine Zustimmung weitergeben. „Nur Freunde“ ist ein ziemlich klarer Auschluss von Dritten (mal ausgenommen den Fall, dass einer meine „Freunde“ etwas weiterpostet).

        Wer alles bei Twitter öffentlich postet und sich dann beschwert, dem ist nicht mehr zu helfen, aber davon nehme ich ehrlich gesagt sehr wenige Menschen wahr.

  2. DerKritiker schreibt:

    „Wir twittern unsere Einkaufslisten, liken Verkaufsartikel und googlen die neuste Mode.“

    Bitte nicht von Deinem Social Media-Verhalten auf die Mehrheit schließen. Die Zahl derer, die ihre Einkäufe twittern und Artikel liken, hält sich zum Glück in Grenzen. Danke.

    • jrehborn schreibt:

      Ich kann ja nur das bewerten, was in meiner Timeline passiert.
      Daten die nicht gesammelt werden können selbstverständlich nicht weiter verbreitet werden.

      • De schreibt:

        „Ich kann ja nur das bewerten, was in meiner Timeline passiert.“

        tja, wie DerKritiker schon sagte, dann rede auch bitte nur von Dir.

        übrigens, für Staaten wie die USA sind persönliche Informationen, die Menschen via Twitter verbreiten völlig nutzlos –> „400 billion tweets and not one useful bit of data“: http://t.co/4LkbbDK
        also auch für Unternehmen hält es sich in Grenzen und diverse technische Möglichkeiten (wie AdBlock) gibt es um Werbung im Netz zu verhindern. auf lange Sicht werden Unternehmen wie Twitter sich etwas anderes überlegen müssen. mal davon abgesehen, dass eben wie oben schon erwähnt wurde nicht _wir_ sondern einige persönliche Daten wie Einkaufslisten etc. von sich preisgeben.

        ganz vergessen hast Du, dass Leute im Netz über andere reden und so persönliche Informationen weitertragen. ja, bis derjenige das merkt, wenn überhaupt, ist es wohl schon zu spät, doch muss eine Lösung her, da ansonsten die (zum Teil berechtigte) Angst der meisten bleibt.

        ach ja, diese Arroganz, Menschen (vor allem „Offliner“) als naiv und dumm zu bezeichnen, kannst Du wirklich stecken lassen, solltest Du ernsthaft an dem Thema interessiert sein…

        • jrehborn schreibt:

          Also wenn ich sehe wieviele Leute das alltäglich machen darf ich das durchaus verallgemeinern ;). Und nach allem was man sonst im Internet mitbekommt ist meine Timeline sicherlich nicht die große Ausnahme.

          Klar reden Leute über andere, gar keine Diskussion. Aber wie bitte willst du das verhindern? Und wie willst du verhindern, dass diese Daten gesammelt werden? Das funktioniert nur wenn wir Seiten wie Twitter oder Facebook komplett verbieten würden. Abgesehen davon hast du gerade doch selbst gesagt: Derartige Informationen sind nichts wert. Wo wir dabei sind: Im Endeffekt ist das Verbreiten von Informationen über das Internet nichts anderes als ein modernes(und deutlich effektivieres) Flugblatt. Auch die kann man zwar theoretisch verbieten, praktisch aber absolut nicht verhindern.

          Aber Twitterinformationen können durchaus für etwas genutzt werden. Ein interessanter Artikel dazu findet sich hier: http://derstandard.at/1287099667109/Boersenkurse-lassen-sich-mit-Twitter-Analyse-vorhersagen – eventuell könnte also der Zugang zu allen Daten, die Twitter sammelt, durchaus interessant werden.

          Und zu deinem letzten Punkt: Ich habe gesagt, dass die NETZCOMMUNITY naiv ist. Nicht, dass sie dumm ist sondern nur, dass sie meiner Meinung nach die aktuelle Situation zu idealistisch sieht. Das ist ein großer Unterschied. Den „Offliner“ an sich bezeichne ich nicht als dumm oder naiv, wo hast du das denn gelesen?

          Grüße
          Johannes

          • De schreibt:

            hier habe ich das gelesen:
            „Wer jedoch am Ende schreit und Angst um seine Privatsphäre hat, hat das Internet in der heutigen Form nicht verstanden. “

            klingt sehr nach „dumm“. und ja, Ihr „Spackos“ seid da sehr einfach und zutiefst „neo-liberal“, frei nach dem Motto: „Kannste eh nichts gegen machen, tja, da musste durch…“

            Ihr habt vielleicht „nichts zu verbergen“ und Dir ist es vielleicht egal, wenn Du entdeckst, dass andere über Dich öffentlich reden, Daten ohne Dein Wissen ins Netz stellen, doch hat keiner zu entscheiden wie der Einzelne denkt. einige, die das Internet selbstverständlich nutzen und vor allem diejenigen, die es wenig bis gar nicht tun, müssen sehr wohl geschützt werden.

            und nein, „wir“ sind nicht „die große (nicht betroffene) Mehrheit, die man einschränken darf“. die absolute Mehrzahl der Menschen (in diesem Land und weltweit) findet sich nicht aktiv im Netz. und nicht Datenschützer wollen Euch einschränken, sondern die Bürger- und Menschenrechte tun dies .

            Freiheit bedeutet, dass Du machen und sagen kannst was Du willst solange Du niemanden schadest. sehr wohl hören Deine Rechte, Dein Wille und Deine Freiheit da auf, wo die des nächsten beginnen.

            wir sprechen also nicht über´s Internet sondern immernoch über Menschen und vor allem das Zusammenleben dieser. Freiheit ist nicht, sie ist kein Naturgesetz solange der Einzelne nicht respektiert und die Würde aller geschützt wird. und um das zu erreichen kämpfen Menschen schon seit sehr langer Zeit und das wird scheinbar auch noch andauern…

            bevor ich mich hier wiederhole: ich hatte hier http://bit.ly/e9NpnV in Bezug auf einen anderen Artikel schon grob zusammengefasst, was ich von der Idee der Spackeria halte.

  3. Kettensägenmarie schreibt:

    Das Problem ist ja, dass solche menschenwichtigen Dienste wie Netzwerkinfratstruktur überhaupt in kommerzieller Hand sind. Bzw, das es keine solche Infrastrukturen gibt, die uns allen selbst gehören und auf unser eigenes Interesse hin ausgerichtet sind. Wie bsp ein öffentlicher Nahverkehr in seiner nicht gewinnorientierten Form. Ein Problem unserer Gesellschaft ist, dass Firmen diese Dinge in die Hand nehmen, da nur sie die finanziellen Möglichkeiten und die Reichweite haben. Kapitalismus abschaffen ist die einzige Lösung. Commens fördern.

    • jrehborn schreibt:

      Um Netzinfrastruktur geht es in dem Artikel doch gar nicht.
      Es geht um social media Unternehmen, wie Google, Twitter oder Facebook.

    • fasel schreibt:

      Bislang hat es mit der Netzfreiheit sehr gut funktioniert, durch das Zusammenspiel von Zivilgesellschaft und kommerziellen Unternehmen. Ich wäre sehr vorsichtig mit der Forderung nach Verstaatlichung dieser Infrastruktur. Ein Internet von einer BundesPost will hoffentlich niemand mehr. (Abschaffung des Kapitalismus zeichnet sich aktuell nicht ab und sprengt auch unseren scope 😉 ).

  4. Belle schreibt:

    Das kann ich so voll und ganz unterschreiben.

  5. Dienstarzt schreibt:

    Natürlich ist die Netzcommunity naiv. Man möchte grösstmögliche Freiheit, vergisst aber dabei zum einen, dass auch andere in den Genuss dieser Freiheit kommen möchten (z.B. Unternehmer), und dass Freiheit immer mit Verantwortung für das eigene Tun und seine Folgen einhergeht. Hinterher nach Mami rufen, wenn unüberlegte Geständnisse oder naiv verteilte Daten weitergetratscht werden, würde man in der „wirklichen Welt“ allenfalls einem Kind zugestehen. – Ja ich weiss, ganz so einfach ist es nicht, aber das wird ja hier in den Artikeln auch immer wieder angerissen.

    Interessant sind auch die aus meiner Sicht sehr naiven Rufe nach dem Staat. Was macht die Rufer so sicher, dass staatliche Interventionen weniger problematisch sind als die Begehrlichkeiten von Google und Facebook? Schliesslich besitzt der Staat mit seinen Institutionen (Gesetzgebung, Gerichte, Polizei, Geheimdienst), anders als Google und Facebook, zusätzliche, evtl. sehr unangenehme Instrumente.

    Und dann ist da noch der immer wiederkehrende Vorwurf des Neoliberalismus, der tönt wie wenn katholische Geistliche über den Beelzebub sprechen. Man fragt sich, ob es sich in Deutschland noch nicht herumgesprochen hat, dass Querdenken eben bedeutet, seine Gedanken hin und wieder aus dem Gatter der Weltanschauung zu entlassen.

  6. Al Magnifico schreibt:

    @DE „ganz vergessen hast Du, dass Leute im Netz über andere reden und so persönliche Informationen weitertragen. ja, bis derjenige das merkt, wenn überhaupt, ist es wohl schon zu spät, doch muss eine Lösung her, da ansonsten die (zum Teil berechtigte) Angst der meisten bleibt.“
    Daran ist ja so ziemlich alles falsch:
    1.) Die Leute reden nicht nur im Netz über andere, es handelt sich also um ein soziales Problem und kein technisches.
    2.) Wenn die Leute ÜBER jemanden reden, tragen Sie ja keine persönlichen Daten über jemanden breit, sondern IHRE Meinung über diese.
    3.) Wie stellst Du dir denn diese Lösung vor? Ein Knopf, der automatisch zu sämtlichen im Netz verfügbaren Referenzen auf eine Person für diese Person eine Löschfunktion zur Verfügung stellt? Wie vereinbarst du das mit der Meinungsfreiheit (von der technischen Umsetzbarkeit ganz zu schweigen)?

    Aber auch den Ausgangsartikel finde ich, gelinde gesagt, unreif. Wenn man sich anschickt, Sprachrohr für Post-Privacy und Datenschutzkritik zu sein (zu deren „Verfechtern“ ich mich übrigens durchaus auch zähle), sollte man nicht so einen undifferenzierten Kram schreiben.
    „Wer jedoch am Ende schreit und Angst um seine Privatsphäre hat, hat das Internet in der heutigen Form nicht verstanden.“
    Damit magst du recht haben, aber genau solche „Friß, Vogel oder stirb“-Pauschalaussagen sind es doch, die die Masse der Leute immer auf die Spackeria einkloppen lässt. Wenn man wirklich etwas im Bewusstsein der Leute verändern will, muss man doch differenzieren. Angst erwächst aus Unsicherheit, und die Angst nimmst du den Leuten nicht, indem du sie einfach dumm schimpfst. Angst kann man nehmen, indem man den Leuten die Unsicherheit nimmt, also konkret wird. Also ganz konkret sagt: OK, du kannst deine Daten da rein oder dort stellen, dies und jenes kann passieren, wenn du dein Privatsphäreeinstellung so oder so triffst, du musst dem und dem vertrauen. Was sind die konkreten Folgen, das diese oder jene Information an die Öffentlichkeit gerät, hat das nicht eventuell auch positive Folgen, überwiegen diese am Ende sogar die realen Risiken?
    Es geht letztendlich um die Abschätzung eines gefühltem oder realem Risikos. Und da ist keinem damit gedient, dann zu sagen: Kannste eh nischt machen, leb damit, das alle alles von dir wissen werden, wenn du es ins Netz schreibst. Das ist doch am Ende nur kontraproduktiv und treibt die Leute in eine Verweigerungshaltung und dem Wunsch nach Lösungen, die niemals ohne Kollateralschäden für die freie Kommunikation ausgehen werden. (Und es gibt auch jede Menge gesellschaftliche Akteure, für die diese Schäden durchaus wünschenswert erscheinen).

    • jrehborn schreibt:

      Hey,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Du hast natürlich recht, der Artikel ist polarisierend. Aber grundsätzlich geht es ja auch für die Spackeria darum zu polarisieren. Aktuell sind in der Debatte fast nur die großen Datenschützer präsent, die mit teilweise sehr merkwürdigen Begründungen extrem harte Eingriffe rechtfertigen. Du kannst dich doch sicherlich noch an die ganze Panikmache in der StreetView Diskussion erinnern ;).

      Mir war auch klar, dass ich Leute mit den Kommentar angreifen würde. Ich denke aber, dass es anders gar nicht möglich war die Diskussion einzuleiten. Und was du da oben beschreibst sind eher Maßnahmen der Medienerziehung, dafür ist die Spackeria nicht zuständig.

      Ich persönlich denke, dass es wichtig war diese Diskussion einzuleiten um ein Bewusstsein für die aktuelle Problematik zu bekommen. Kompromisse und sanfte Worte wären meiner Meinung nach der nächste Schritt, der aber erst gegangen werden kann, wenn beide Seiten ihre Maximalmeinungen kund getan haben. Und „Die Netzcommunity ist naiv“ war nun mal meine Maximalmeinung.

      Grüße
      Johannes

      • Al Magnifico schreibt:

        Wenn jeder seine Maximalmeinung äußert, ist das nicht der erste Schritt, sondern u.U. der letzte. Man redet aneinander vorbei, und genau das passiert hier bei eigentlich allen Kommentardiskussionen. Wenn man sich irgendwie einigen will, muss man nach den Gemeinsamkeiten suchen, und sich nicht gegenseitig Maximalforderungen an den Kopf knallen.
        Worin sich Datenschützer und Spackeria unterscheiden, ist doch eigentlich nur die völlig unterschiedliche Risikobewertung eines möglichen Missbrauchs des Datenschutzes auf der einen Seite oder des Fehlens desselben auf der anderen: hier als übertriebene Einschränkung der Kommunikation, da als existenzielle Bedrohung, wenn Daten in die falschen Hände gelangen. Also mal wieder Freiheit statt Angst. Aber was uns eint ist, doch der Wille zum Internet.

        (Ich wollte jetzt hier eigentlich viel mehr schreiben, aber das sprengt den Rahmen eines Kommentars, ich schreibe vielleicht mal einen eigenen Artikel)

        • jrehborn schreibt:

          Ein eigener Artikel würde mich durchaus interessieren. Magst du mir den rüber schieben, wenn du fertig bist?

          Meiner Meinung nach sind Maximalmeinungen durchaus der erste Schritt. Erstmal muss man nämlich ausloten, welche Meinungen die jeweiligen Parteien haben. Konsens ist erst der zweite Schritt, wobei ich dir zustimme, dass der ziemlich weit entfernt ist, weil beide Lager nun mal ziemlich polarisierend wirken.

          Grüße
          Johannes

    • De schreibt:

      zu Punkt 1. schrieb ich schon „wir sprechen also nicht über´s Internet sondern immernoch über Menschen und vor allem das Zusammenleben dieser. […]“

      zu Punkt 2. und doch verbreiten Leute Daten (Fotos, Name, Beruf, Adresse, Einkommen usw.) nicht nur Meinungen („ich mag sie/ihn (nicht)“ oder „er/sie ist nett, unfreundliche, ein Lügner…“ usw.) über andere.

      zu Punkt 3. ja, ich muss eine Möglichkeit haben, Daten, die ich nicht preisgegeben habe und ich entscheide, dass sie mir schaden (zu persönlich sind oder sogar beleidigend bis verleumdend) zu löschen.

      das ist bereits auf Plattformen wie z.B. Twiiter möglich, siehe Fake-Accounts insbesondere von berühmten Personen.

  7. Johannes Döh schreibt:

    Ich versuche mal den Unterschied zwischen naiv und dumm im Bezug auf die Netzcommunity zu erläutern:
    Wer z.B. persönliche Daten in seinem Profil innerhalb eines sozialen Netzwerkes ablegt, besitzt bereits ein grundlegend falsches Verständnis vom Datenschutz allgemein. Trotz aller Einstellungen befinden sich diese Daten in einer fremden Datenbank eines kommerziellen Herstellers. Es wäre naiv, zu denken, dass diese Daten trotz diverser Datenschutzerklärungen seitens der Betreiber, dauerhaft privat bleiben. Datensparsamkeit und Datenvermeidung sind online die einzigen Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen. Wer dies nicht beherzigt, obwohl man davon in Kenntnis gesetzt wurde, ist schlicht und ergreifend dumm, zumindest im Bezug auf Datenschutz. Naiv wäre der/diejenige, die darüber aufgeklärt wurde und zukünftig entsprechende Datenschutzmaßnahmen beherzigt. Navität lässt sich behandeln, Dummheit nicht.
    Ein Beispiel aus der realen, aktuellen Onlinepraxis – der Facebook- Like Button:
    Dieses kleine Stück Fremdcode verbreitet sich rasant wie eine Epedemie durch Blogs und Homepages. Die Brisanz dieses kleinen Buttons ist offensichtlich den wenigsten bewusst. Bereits die reine Integration in Websites, ohne diesen überhaupt zu betätigen, bewirkt das Übertragen von Nutzerdaten an Facebook. Immerhin erhält Facebook die Nutzerstatistik des Homepage- Betreibers. Sind unter den Besuchern zufällig Facebook- Nutzer mit angemeldetem Account, erhält Facebook sogar ein personifiziertes Nutzer- und Bewegungsprofil, woraus sich vieles ableiten lässt…

    Was ist aber die Konsequenz daraus, wenn man Nutzer sowie Homepage- Betreiber darüber aufklärt? – zum großen Teil Ignoranz.
    Hätte man wirklich Interesse an Datenschutz, müsste man diesen Facebook- Like Button eigentlich konsequent boykottieren und am besten, Facebook gleich mit…

  8. Pluto schreibt:

    Ich will meine privatspäre behalten, solange, wie die firmen und Regierungen nicht auch opensource sind! http://goo.gl/obgsR

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