Technik frisst Privatsphäre

Ein Gastbeitrag von Georg Jähnig, sein reguläres Blog findet man unter http://georgjaehnig.wordpress.com/.

Fangen wir mit etwas Science-Fiction an.

Stellen wir uns ein Gerät vor, das wie eine Brille aussieht und auch
so getragen wird, aber eine klitzekleine, kaum sichtbare Kamera
eingebaut hat und zudem ein Mikrofon. Das Gerät zeichnet alle Personen
in Bild und Ton auf, mit denen ich spreche oder auch nur vorbeilaufe
oder neben denen ich in der Bahn sitze. Dank Biometrie und
Stimmenanalyse kann es Personen wiedererkennen, denen ich schon mal
begegnet bin. Es zeigt mir dann auf der Innenseite der Brillengläser
den Zeitpunkt und Ort der letzten Begegnung mit einer Person an, die
GPS-Koordinaten wurden ja gespeichert. Die aufgezeichneten Gespräche
werden zudem mittels Sprachtechnologie semantisch erfasst, in einer
Wissensdatenbank abgelegt, inhaltlich durchsuchbar. Nennen wir das
Gerät ab jetzt einfach „Zweithirn“.

Mein Zweithirn hat aber nicht nur Zugang auf die von mir gesammelten
Daten. Mittels Funkverbindung lädt es ständig alles in die „Cloud“
hoch – und dort kann es auf alle Daten der anderen Zweithirn-Benutzer
zugreifen. Mit steigender Zweithirn-Nutzerzahl steigt also dessen
Mehrwert enorm: Zu der Person, mit der ich gerade rede, kann ich mir
anzeigen lassen, mit wem sie wann, was und wo zuvor gesprochen hat.
Das Angebot meines Geschäftspartners kann ich so besser vergleichen,
mein Partyflirt wird mir wenig vormachen können. Und mein Gespräch
wird die Datenbasis der Person weiter vergrößern. Durch die vielen
Zweithirn-Nutzer, an denen mein Gegenüber heute schon vorbeigelaufen
ist, entstand sogar ein richtiges Bewegungsprofil.

Der zusammenhangslose Gesprächsfetzen, den ich in der Bahn von den
zwei Leuten gegenüber mitkriege, wird durch die Informationen aus der
Cloud nun klar verständlich für mich. Das extrem gute Mikrofon kann
selbst Gespräche von ganz hinten aufzeichnen und auswerten. Die
allerneueste Version des Zweithirns hat sogar einen sehr sensiblen
Geruchssensor, mit dem es Menschen wiedererkennen kann.

Ohne Zweifel: Das Zweithirn mit angeschlossener Cloud wäre eine
massive Gefahr für die Privatsphäre der erfassten Personen. Um sie zu
schützen, müsste man mit allen Mitteln eine Zweithirn-Erfassung durch
andere verhindern bzw. minimieren.

Juristisch scheint es auch gut auszusehen: Ungewolltes Abhören und
Aufnehmen anderer Leute ist strafbar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Verletzung_der_Vertraulichkeit_des_Wortes
möglicherweise sieht es bei Bildaufnahmen ähnlich aus; wenn nicht,
könnte es dahingehend geändert werden. Aber ist nicht heute schon das
Hochladen meines E-Mail-Adressbuchs auf Facebook ohne Einverständnis
der Adress-Inhaber illegal? Wenn ja, scheint es wenige Facebook-Nutzer
zu scheren. Es scheint ja auch schwer überprüfbar, und schwer
überprüfbar könnte auch Zweithirn-Nutzung für andere sein: Hier hab
ich es noch als für alle sichtbare Brille beschrieben, vielleicht
lässt sich ein Designer ja was besseres einfallen. Wenn Hörgeräte
heute schon so klein sind, dass sie in den Gehörgang passen, warum
nicht irgendwann auch Abhörgeräte mit Funkverbindung? (Und wenn man
mal so nachdenkt: Wie könnte man rechtlich das Abhören abgrenzen vom
Telefonieren in der Öffentlichkeit? Das Mikro kann ja nicht
entscheiden, ob es jetzt mich aufnimmt oder die Leute drumherum.)

Um wirklich also sicher zu gehen, müsste man sich technisch gegen
Zweithirn-Erfassung schützen: Wie könnte das gehen? In der
Öffentlichkeit nicht sprechen, nur noch mit Burka raus gehen? Massiv
für das Recht auf ein verhülltes Gesicht kämpfen wie heute schon für
Informationelle Selbstbestimmung? Am besten wohl ganz zu Hause
bleiben?

Keines der genannten Zweithirn-Features scheint mir prinzipiell
unrealisierbar. Vergleichen wir doch mal die Möglichkeiten, Daten zu
erfassen, aufzuzeichnen und zu kopieren von heute und von vor 20
Jahren. Und deswegen wird das Teil kommen. „Weil es geht.“ Vielleicht
erst in 100 Jahren, oder in 50 oder schon in 10 – es wird genug
Post-Privacy-Spackos geben, die es haben wollen werden und dessen
Entwicklung finanzieren werden. Und wenn es dann irgendwann für 50
Euro auf dem Supermarkt-Grabbeltisch liegt und alle Freunde auch eins
haben, werden auch die Letzten zugreifen. Ihr habt doch alle ein
Handy, stimmts?

Wenn wir also das Zweithirn nicht verhindern können, sollten wir
stattdessen die Frage stellen, wie wir damit umgehen. Und darum geht’s
bei der Post-Privacy-Debatte.

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60 Antworten zu Technik frisst Privatsphäre

  1. LFalkenburg schreibt:

    Aha und weil es geht, muss man es machen und weil es kaum kontrollierbar ist, sollte man es auch erst gar nicht versuchen zu verhindern -.- Bewirb Dich mal als Repräsentant bei der Atomlobby, ich glaube Du kannst da echt Karriere machen!

    Ausser, dass es für Dich ein, Dich in Extase versetzendes Spielzeug ist, wo ist der Nutzen für die Gesellschaft? Welche bisher bestehenden gesellschaftlichen Probleme könnte das Zweithirn lösen? Ach so, ich vergass, dies ist bestimmt ein ergebnisoffener Beitrag, richtig?

    • Georg schreibt:

      1) Wie würdest Du denn Deine Zweithirn-Erfassung durch andere verhindern wollen?

      2) Die möglichen, individuellen Vorteile habe ich ja skizziert. Und ja, ich glaube es wird genug Spackos geben, die für die so ein Gerät ein „in Extase versetzendes Spielzeug“ wäre. Sie hätte ja einen enormen Informationsvorsprung gegenüber Nicht-Zweithirn-Nutzern.

      • LFalkenburg schreibt:

        zu 1) Durch entsprechende Gesetze und Kontrollen. Geht bei Drogen ja auch weitestgehend oder Waffen oder Menschenhandel oder…

        zu 2) Ja, einige wenige hätten vielleicht einen Vorteil aber ist das gesellschaftlich relevant? Einige wenige könnten aber auch einen wahnsinnigen Nachteil haben, nämlich die, deren 2.Hirnaccounts gehackt wurden – darauf freue ich mich ja schon am meisten.

        • Chräcker schreibt:

          Durch Gesetze und Kontrollen ist so etwas kaum erfassbar, denke ich. Dann müste man Fotoapparate verbieten. Oder deren Kommunikation (und zwar von millionen) zur Cloud laufend filtern, auswerten etc. Was das für Leute, die wirklich nur Tante Frieda fotografieren, bedeuten mag…

          Ich selber würde wohl eher bei den Spackos einsortiert werden, würde aber diese Abgleichtechnik sicher nicht nutzen. Es würde mir zu viel wertvolles gelerntes wegnehmen, wie Menschen-einschätzen – Irrtümer zulassen und zugeben, sich überraschen lassen, Menschen ausserhalb meiner eigenen Positivliste ran lassen und selbige Liste zu revidieren und und und…

        • manU schreibt:

          1.) „Drugs have won the war!“ http://www.nytimes.com/2009/06/14/opinion/14kristof.html

          2.) a) Wenn sich der Vorteil als wesentlicher *VORTEIL* herausstellt folgt die kritische Masse… und der Rest ebenso… b) Vielleicht wollen diejenigen sogar, dass ihren Gedanken Beachtung geschenkt wird… Vielleicht liegt es im Interesse derer, die „Hirn_Accounts“ führen, dass Andere darauf uneingeschränkten Zugang haben… Die Beobachtung sollte sowieso immer auch rekursiv beobachtbar und transparnet bleiben… das reguliert sowohl das Ausmass wie auch die Zwecke der Beobachtung…

        • Fred Krug schreibt:

          @Spielzeug und Exstase: Alle Smartphone-Nutzer belegen wunderbar, wie sehr das keine Fiktion ist.

          Gefühl „Jeder“ will doch so ein Gerät haben. Ein Blick in die verschiedenen sozialen Netzwerke mit ihren Multimedia-Elementen sowie auf verschiedene Video-Plattformen zeigt, wie sehr „das flüchtige Wort“ oder der „flüchtige Blickeindruck“ im öffentlichen Raum wie auch im vermeintlich Privaten seinen Weg auf die großen Datenbanken und Clouds der IuK-Technologien gefunden hat.

          In der ursprünglich aufgeworfenen Fiktion um diese Superbrille und ihre Konnektivität zu einer cloud-basierten Zweithirn-Architektur steckt somit ein ganz erhebliche Spiegelung unseres Alltags.

          Durch Tablet-PCs mit 3G/4G/WiFi-Technologien und „immer günstigeren“ Funkdatenkommunikationsangeboten wird dieser Trend beschleunigt und der Prozess aufrecht erhalten.

          Und darin liegt die Kritik. Ahnungslose und aufgrund ihrer Unwissenheit auch rücksichtslose Endnutzer und Verbraucher produzieren eine Summe von Datenhalden, deren kritisches Potential nicht absehbar ist. Deshalb ist meines Erachtens nach die Forderung „Weil es geht, gucken wir mal, wie wir mit dem vermeintlich Unvermeidbaren umgehen“ richtig, die implizierte Richtung der Aufgabe von Datenschutz und vor allem Persönlichkeitsschutz aber eine Falsche. Spinnen wir daher mal diese Fiktion weiter:

          Ich stelle mir vor, ich lebe in einer Gesellschaft, in der alle/die meisten/viele/ zumindest einige bekanntermaßen mit diesen Brillen unterwegs sind. Ich stelle mir vor, wie andere also meine Worte, meine Gerüche und meine äußere Erscheinung aufzeichnen und irgendwo speichern.
          Dann weiß ich auch, dass diese Informationen verarbeitet und auch von denjenigen, die ich nicht kenne sowie nie kennen werde, verwendet werden. Daraus folgt, dass mein Persönlichkeitsbild nicht mehr hauptsächlich von mir, sondern maßgeblich von anderen bestimmt werden.

          Dementsprechend werde ich mich schützen. Ich werde deshalb mein Verhalten stets vollends kontrollieren. Ich werde mein Äußeres nicht variieren, um nicht „auswertbar“ zu werden. Ich werde mich nicht äußern. Ich werde stets die gleichen Aromen verströmen.

          Und ich werde private und berufliche Räume schaffen, die den Zugang solcher Technologien verbieten, Funkverbindungen auf allen denkbaren Frequenzen verhindern und durch White-Noise-Generatoren Aufzeichnungen stören.

          Denn ich will selbstbestimmt leben und leben können. Ich will mich nicht der informationellen Fremdbestimmung hingeben, nur „weil es geht“.

      • Stefan schreibt:

        Fast alle Gesetze (Verbote) die existieren basieren darauf, dass die Leute sich von sich aus daran halten. Die meisten sind trotzdem sinnvoll, obwohl sie sich nicht (lückenlos) kontrollieren lassen. Z.B. die StVO, oder dass es verboten ist zu Töten – was man mit fast jedem Messer machen könnte, welches man aber auch zum Brotschneiden benutzen kann und daher trotzdem besitzen darf.

        Insbesondere ist sinvoll, dass keine Geschäftsmodelle unternommen werden können, die darauf basieren so ein Gesetz zu brechen, weil die Automatismen der Wirtschaft/Kapitalismus sowas sehr schnell ausarten lassen können.

        „die Frage stellen, wie wir damit umgehen“ … interessanter fände ich mal konkrete Vorschläge von euch, wie wir damit umgehen könnten/sollten. Mein Beitrag dazu wäre entsprechende Gesetze beizubehalten, die so einer ausuferndende Benutzung der Zweithirne verbietet.

        Es ist in gewisser Weise eine Wertefrage, wie akzeptiert diese Gesetze sind, und wird wohl letztendlich durch die Mehrheit der Bevölkerung entschieden werden müssen. Bei den Leuten, die ihre Adressbücher zu Facebook hochladen, vermute ich mangelndes technisches Verständnis bzw. mangelnde Weitsichtigkeit über die Folgen ihres Handelns. Ich denke die meisten würden das nicht machen, wenn man ihnen kurz erklärt, was die dadurch verursachen.

        • Georg schreibt:

          Du bringst es gut auf den Punkt: Der einzige Weg, eine breite Zweithirnnutzung zu verhindern, wäre, ein Unrechtsbewußtsein dafür in der breiten Bevölkerung zu schaffen: Die Leute müssten selbst glauben, das es schlecht ist, so etwas zu benutzen.

          Und ich vermute, das wird nicht gelingen. Denn eigentlich ist doch das Zweithirn nur ein Wahrnehmungs- und Speicherungs- und Kommunikationshilfsmittel. Brille, Notizbuch und Telefon in einem. Wenn ich etwas schlecht sehe, ist es doch nicht falsch, eine Brille zu nutzen. Wenn ich mir Dinge nicht merken kann, schreibe ich sie auf. Wenn ich etwas spannend finde, teile ich es anderen mit. Das alles gibt es schon heute – mit dem Zweithirn würde es nur optimiert und viel besser skalieren. Aber im Grunde hat doch unser „Ersthirn“ schon alle genannten Features. Wo also sollte man eine Linie festlegen, ab der es plötzlich moralisch falsch wird?

          OK, und zur Frage, wie man damit umgehen könnte: Ich teile die Ansicht, die derzeit vorhandenen Datenschutzgesetze beizubehalten. Sie sind ja derzeit auch notwendig. Gleichzeitig sollten aber die Möglichkeiten für den Einzelnen, offener leben zu können, stetig vergrößert werden – das heißt, etwaige negative Folgen bei der Aufgabe von Privatsphäre sollten so gering wie möglich sein. Also Stärkung des Individuums durch politische Maßnahmen, die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit verringern – ich führe da gern als Beispiel das Bedingungslose Grundeinkommen an.

          • Stefan schreibt:

            Die Skalierung ist ein wesentlicher Aspekt, warum ggf. neue Gesetze oder eine neue Betrachtungsweise des Themas durch die Gesellschaft erforderlich werden. Ein Auto ist im Prinzip auch nichts anderes als ne Pferdekutsche, skaliert aber viel besser, was zu neuen Möglichkeiten und Problemen führt und neue Gesetze bedingt. Beim Auto ist offensichtlich, dass dabei schnell passieren kann, dass Leute getötet oder verletzt werden und deshalb existiert eine gewisse Einsicht, sich an die StVO zu halten. Bei neuen Technologien ist es die unsere Aufgabe / Aufgabe der Gesellschaft ihre Möglichkeiten und Gefahren zu erkennen und ein entsprechendes Bewusstsein darüber zu erzeugen. Ich denke es kann gelingen.

            Ich find auch, dass das BGE eingeführt werden sollte, sehe aber nicht, dass das die von dir gewünschte „Toleranzbildung“ in der Gesellschaft hervorrufen würde. Sowas allgemeines zu versuchen politisch durchzusetzen wird schwierig sein. Außerdem is bei manchen Sachen auch keine Toleranz gegenüber dem Status-Quo angebracht, sondern es wär sinnvoller unabhängig von ihm zu diskutieren und begründen, was sozusagen die Wertevorstellungen sind und diese dann zu promoten.

          • Georg schreibt:

            @Stefan: Genauso ist aber das Auto auch ein gutes Beispiel dafür, welche enormen Nachteile die Gesellschaft bereit ist auf sich zunehmen, wenn die Vorteile nur groß genug sind: Das Auto hat eine Menge Lebensraum weggenommen, die Luft verschmutzt, jährlich zu Tausenden Toten geführt – und all das wrd in Kauf genommen, weil es eben auch eine Menge Mobilität verschafft. Klar gibt es die StVo, aber es schränkt die Nutzung des Autos bestenfalls nur ein. Analog zum Zweithirn: Möglicherweise werden sich Regelungen durchsetzen lassen, die es einschränken, aber es wird schwer sein, es weitgehend zu verbieten, wenn nur genügend Leute von dessen Vorteilen überzeugt sind.

            Und zu BGE: es wäre nicht ein Mittel, um Toleranz zu erzeugen, sondern vielmehr wäre es eine reale Grundlage für den Einzelnen, von der vorhandenen oder fehlenden Toleranz anderer unabhängig zu sein. Heute muss ich noch drauf achten, ob mein aktueller oder künftiger Chef meine Lebensweisen billigt, weil von ihm mein lebensnotwendiges Einkommen abhängt. Ich bin also öfter dazu geneigt, Dinge geheimzuhalten. Wäre ich nicht mehr von ihm abhängig, hätte ich auch mehr Freiheiten, private Dinge offenzulegen.

          • Stefan schreibt:

            @Georg: Der Hauptzweck des Autos ist jedoch nicht zu Töten/Verpesten etc., sondern Personen-/Güterbevörderung. Im Straßenverkehr versucht man alles, um diese negativen Auswirkungen zu verhindern.
            Der Hauptzweck des Zweithirns scheint mir jedoch gleichzeitig sein größter Nachteil zu sein – die Bespitzelung von Menschen. Natürlich muss man genau dagegen vorgehen und kann nicht einfach vorsorglich z. B. sämtliche Brillen verbieten.

          • manU schreibt:

            @ Stefan… >> „Der Hauptzweck des Zweithirns scheint mir jedoch gleichzeitig sein größter Nachteil zu sein – die Bespitzelung von Menschen.“ << Das bezweifle ich, dass man das so kategorisch unterstellen darf… (& Georg) eben darum geht es meiner Ansicht nach in der Post-Privacy Debatte: Herauszufinden, was "Privatsphäre" eigentlich bedeutet… Und ob man hinter der Auflösung der "Privatsphäre" (die sich wohl auf lange Sicht kaum verhindern lässt) oder eine Zunahme der Transparenz (die durchaus positive Aspekte mit sich bringt) um eine Beeinträchtigung handelt.
            Ich hänge hier noch einmal das Ende meiner Ideen und Ausführungen zu diesem Thema ( http://profiles.google.com/forster.manuel/posts/8UStU7aZL8q ) dran, das ich hier noch nachträglich um enige Gedanken ergänzt habe.
            Ich meine es geht in erster Linie darum Fehlverhalten als solches zu erkennen und sich NICHT als „Opfer“ zu fühlen, wenn man von Bespitzelung oder ähnlichem Fehlverhalten betroffen ist // Schließlich macht der Spitzel einen Fehler – nicht ich! Für mich ist der Hauptzweck des „Zweithirn“ (ich benutze diesen Begriff hier im Bezug auf sämtliche Technologien, die man mit diesem Terminus zusammenfassen kann) das übersummative Lernen/ das vernetzte Lernen! NICHT die Spionage oder Bespitzeleung. Das ist Missbrauch und sollte auch dementsprechend behandelt werden:::

            Beobachtung darf nicht immer [pauschal] mit Kontrolle assoziiert werden!

            (Diese allgemein vorherrschende Assoziation ist für mich nur eine Folge von Korruption und Machtmissbrauch in unserem aktuellen System dürftiger sozialer Arrangements!)

            Folgendes sollte uns klar sein:::
            Wenn wir die kommunikativen Mittel, die uns durch technologischen Fortschritt erschlossen werden teilweise oder gar in vollem Umfang nutzen wollen, kommen wir nicht umher einzusehen, dass unsere „Privatsphäre“ im Begriff ist sich zugunsten erhöhter Transparenz aufzulösen. Wenn wir zudem verstehen, dass es in jedem Fall einige Leute oder Gruppen geben wird, die sich die technologischen Optionen in vollem Umfang zu nutze machen werden, dann folgt daraus, dass wir anderen einen unfairen Vorteil gestatten, wenn wir uns den fraglichen Medien und Kommunikationswegen starrsinnig entziehen oder auf ein Verbot der Nutzung dieser Optionen beharren…

            Im Falle eines Verbotes wird der Vorteil für diejenigen nur umso größer, die sich weigern sich an die Verbote zu halten oder aufgrund ihrer Position nicht daran halten müssen.

            Es geht schließlich und letztendlich nur um den Umgang mit der Transparenz…

            Es gibt eine Reihe von offensichtlich verkehrten Motiven der Beobachtung durch Dritte:

            Für Personen, die aus selbstsüchtigen Motiven, Triebstörungen oder psychischen Erkrankungen heraus ihre Position als unerkannte Beobachter ausnützen und missbrauchen, um Andere ohne eine konsensfähige Rechtfertigung auszuspähen oder auszuhorchen gibt es in unserem Sprachgebrauch bereits durchaus zutreffende Bezeichnungen: „Lauscher“, „Spanner“, „Gaffer“, „Spitzel“ und „Schaulustige“ [„Lästermäuler“ & „Klatschtanten“] sollten selbst einsehen, dass man sich durch ein derartiges Verhalten nur selbst stigmatisiert und seine eigene Würde und Achtung vor der Gesellschaft auf’s Spiel setzt!

            In der allgemein erhöhten Transparenz wird schließlich auch die Beobachtung der Beobachter einfacher möglich… FEHLVERHALTEN ist dann einfach nur PEINLICH.

            Leute, die Andere beobachten, um sich selbst an deren Verhalten zu messen, während sie das Objekt der Beobachtung herabsetzen leiden offenbar an einem ihrerseits gestörtem Selbstwertgefühl. Daher ist Lästerei, das Verbreiten von Gerüchten und Mobbing grundlegend schon auf eine tief greifende soziale und psychische Störung zurückzuführen (nämlich: die Unfähigkeit sich durch vorbildhaftes Verhalten sozial zu integrieren oder durch konstruktive Kritik auf andere einzuwirken, deren Verhalten man evtl. missbilligt!) und sollte auch dementsprechend betrachtet (und behandelt!) werden.

            Wir sollten in jedem Fall unsere Motive prüfen, wenn wir einen Dritten beobachten oder bewerten!

            Der Zweck der Beobachtung (und der Erkenntnisgewinn daraus) sollte viel eher ein soziales (kollektives/ übersummatives?) Lernen sein… (-> „Emergenz“!)

            Es gibt quasi nur zwei Situationen, Bedingungen oder Anlässe, in denen sich die Beobachtung eines Dritten rechtfertigt:

            (1) Den aufrichtigen und ehrlichen Willen, vom Objekt der Betrachtung zu lernen

            – ODER

            (2) Berechtigte, vermittelbare Bedenken, Zweifel oder Ängste bezüglich der Motive dessen, den man der Kontrolle oder der Überwachung aussetzen möchte…

            (Die Abwehr einer Gefahr für den Beobachter selbst, die Gesellschaft, oder das Objekt der Überwachung…)

            Falls man davon ausgeht, dass ein berechtigter Hinweis oder Verdacht besteht, dass gesellschaftliche Gruppen oder Einzelne Individuen (-> Gefahrenabwehr), der Beobachter selbst (-> Selbstschutz) oder der Beobachtete (->“Babysitting“) vor einem negativen Einfluss oder einer Gefahr geschützt werden müssen, dann ist das Motiv Furcht/ Angst oder im besten Fall ein Gefühl der Verantwortlichkeit..

            . Der Wunsch nach Schutz/ die Ängste oder Befürchtungen (der Beobachter) müssten aber in diesem Fall auch wieder allgemein nachvollziehbar beschrieben oder vermittelt werden können… Sonst liegt auch hier der Verdacht nahe, dass die Beobachtung (die „Überwachung“) aus unbegründeten Vorurteilen, eventuell sogar aus einem paranoiden Wahn heraus erfolgt.

            Der Beobachtete sollte sich eigentlich niemals ausgeliefert fühlen… er ist grundsätzlich nie das „Opfer“ des Beobachters! Vielmehr hat er ständig die Chance den Beobachter durch natürliches, geradliniges, ehrliches und aufrichtiges Verhalten in dessen Motiven zu hinterfragen und gewissermaßen sogar zu fördern und zu erziehen… Der Beobachter stellt sich psychologisch in jedem Fall erst einmal UNTER das Objekt der Beobachtung.

            Vor allem, wenn er heimlich beobachtet und im Dunkeln agiert! Das sollte uns bewusst werden. In erster Linie steht zunächst der Sinn und Zweck der Beobachtung (/der Kontrolle) in Frage! Der Beobachter ist derjenige, der seine sozialen Kompetenzen einbüßt, wenn der Zweck seiner Beobachtung sich im Zweifelsfall nicht vor der Öffentlichkeit vermitteln, vertreten oder rechtfertigen lässt.

            Wenn es sich um eine gezielte Überwachung handelt, dann rechtfertigt sich diese nur, falls das Objekt der Beobachtung tatsächlich deutlich destruktive Motive zeigt, andere Personen oder sich selbst in Gefahr bringt, wodurch eine Überwachung und Kontrolle schließlich tatsächlich gerechtfertigt werden.

            Im Rahmen einer transparenten Gesellschaft sollten Disziplin, Anstand, moralisches/ konstruktives Verhalten und eine positive Motivation jedoch eher völlig selbstverständlich aus dem Wunsch heraus entstehen, den sozialen Horizont, in den man sich (bewusst und entschlossen) integrieren möchte vorbildhaft aufzuwerten…

            Die „Belohnung“ oder Kompensation für jeden Beitrag zur Förderung und Aufwertung der sozialen Kreise ist vor den offenen Augen der jeweils erschlossenen/ interessierten Öffentlichkeit eine natürliche Aufbesserung der sozialen Reputation und damit auch ein entsprechender Zugewinn an Kompetenz und Vertrauen im eigenen Netzwerk… – Was sowohl mit einer gewissen sozialen „Besserstellung“ verbunden sein kann, als auch mit einer gewissen sozialen Verantwortung, die man in der erarbeiteten Position zu tragen hat… Diese untrennbare Verbindung von sozialer Besserstellung und sozialer Verantwortung in Folge der erhöhten Transparenz vor der Öffentlichkeit eines souverän gewählten sozialen Netzwerks ist der Schlüssel zu einer natürlichen sozialen Disziplin…

            In einem derartigen gesellschaftlichen Rahmensystem entstehen eigentlich völlig natürlich alle notwendigen Mechanismen der gesunden Selbstregulation, die eine Gesellschaft ohne den Druck der Kompetition auf Märkten oder einer autoritären/ institutionell organisierten Obrigkeit stabilisieren und balancieren können. _(._.)/

        • Fred Krug schreibt:

          Zitat : „Bei den Leuten, die ihre Adressbücher zu Facebook hochladen, vermute ich mangelndes technisches Verständnis bzw. mangelnde Weitsichtigkeit über die Folgen ihres Handelns. Ich denke die meisten würden das nicht machen, wenn man ihnen kurz erklärt, was die dadurch verursachen.“

          Das genau ist das Grundproblem. Die Leute glauben, wir brauchen moderne Kommunikationsmittel mit XXL-Megapixel-und-Multi-Apps-Features-und-Funk-Überall-an-allen-Orten. Aber sie verstehen nichts von den verwendeten Technologien und zeigen sich doppelt und dreifach erschüttert, wenn so etwas wie bei Google, Apple oder Sony (und wer weiß, bei welchen der vielen großen und noch zahlreicheren kleinen Anbieter) passiert.

          Weil die IuK-Technologien so hochkomplex und „alien“ sind, beschäftigen sich die Leute nicht damit. Sie überlassen es den Nerds und Freaks und vertrauen Marketing, Wirtschaftsunternehmen und der Unterhaltungsindustrie in ihren zahlreichen Erscheinungsformen, dass „schon alles gutgeht“, denn „mich trifft es eh nicht.“

          Der Verbraucher verhält sich anders, als es in ständig publizierten Nachrichten und Reportagen als Warnung kommuniziert wird; man weiß es besser, und verbrennt sich doch die Finger. Denn letztlich begreifen es die Verbraucher nicht. Erst die Betroffenen lernen, eben durch Schmerzen.

          Dieses fundamentale Nichtbegreifen aber als Antrieb dafür zu nehmen, sich von dem Datenschutz und insbesondere Persönlichkeitsschutz, also dem Schutzbegehren des und nach Privatem zu verabschieden, halte ich für höchst problematisch: Weil sich die Mehrheit dumm verhält und Wirtschaft sowie Marketing dies für ihre Zwecke zu missbrauchen verstehen, sollen wir Wirtschaft und Marketing folgen, um Daten-Mehrwert zu produzieren? Weil Verbraucherverhalten und Lenkung durch Markt „es können“ und „es tun“, sollen wir „es hinnehmen“ und „damit leben und umgehen lernen“?

          Irgendwie hat das ganze den Charme einer Religion: Man glaubt, es kann nichts passieren. Und dann ist sie da, die menschgemachte (Daten)Katastrophe.

          Die Lösung liegt tatsächlich in Politik und Recht. Nicht durch Gesetze, die mit Verboten regeln; denn trotz Datenschutzregelungen kommt es pausenlos zu Datenskandalen und -skandälchen. Sondern dadurch, dass die Politik den Rechtsrahmen in Bezug auf Förderung und Subventionierung gebrauchen, um von diesen problematischen Entwicklungen in den aktiven und aktuellen Daten-Nutzungen und Daten-Markt-Strategien zu lenken.

    • c2h5oh1 schreibt:

      An dieser Stelle bleibt eigentlich nur, auf den letzten Absatz zu verweisen. Es geht hier nicht darum, dass so etwas kommen muss oder soll, sondern dass wir auf eben solche Möglichkeiten vorbereitet sind. Besser, als wir es auf Facebook etc. waren. Besser, als wir es auf Facebook etc. sind!
      Denn, da stimme ich dem Autor zu, so etwas wird bestimmt kommen. Und ich möchte dann nicht dastehen und dieser Technik schutzlos ausgeliefert sein.
      Und einfach zu sagen „das ist böse, das will ich nicht“ hat in der Vergangenheit noch nie wirklich etwas gebracht. Handys sind da ein wunderbares Beispiel.
      Wir dürfen einfach nicht mehr blauäugig in die (technische) Zukunft gehen und hoffen, dass alles gut wird. Wir müssen darauf vorbereitet sein.
      Durch Gesetze lässt sich schließlich auch nicht alles regeln: Waffen werden immer noch ver/gekauft und genutzt, Drogen werde weiterhin konsumiert und Menschen werden auch noch gehandelt.
      Wenn wir nicht darauf vorbereitet sind, dann werde solche Geräte einfach besser getarnt.
      Ob es uns gefällt oder nicht.

      An dieser Stelle möchte ich auch mal an den Film „Cube“ erinnern: „Es wurde gebaut, also muss es auch genutzt werden. Sonst wäre es ja sinnlos.“

  2. Nick_Haflinger schreibt:

    Yep. Die Goggle-Boys aus den Romanen von Tad Williams, oder die AI-Add-ons von Justina Robson. Cool. Wirklich. Und solche „Zweithirne“ sollen nicht konfigurierbar sein?
    Mein Mobile ist es jetzt schon. Es wird das realisiert, worüber wir uns verständigen. Ohnmachtserklärungen waren noch nie dazu geeignet.
    LG, Nick H.

  3. Chräcker schreibt:

    Die Atomerenrgie, um im Beispiel zu bleiben, wird ja nicht verboten, weil eine Verbotsebene in der Politik auf diese Idee von sich aus kam, sondern weil sich nun die Gesellschaft doch so lange mit dem Thema (Jahrzehnte) beschäftigt hat, das sie einfach zum nicht kleinen Teil dieses „Atomsystem“, diesen „Umgang“ nicht mehr will und die Grmien der Politik nun nicht mehr anders können.

    Nichts anderes schlägt im Prinzip der Autor hier vor: wir beschäftigen uns mit der Technik, und zwar nicht jetzt mit der Herrstellungs und Anfassbaren Technik die eh kommen wird, sondern mit der Technik des Umganges miteinander, um dann, auch über Jahrzehnte, heraus zu finden, was wir dann als Gesellschaft haben wollen, und was nicht. Ohne ein Verbotsgremien von oben ohne Erdung zur Gesellschaft.

    • LFalkenburg schreibt:

      Ok. Vergleichbar mit einen Thinktank oder Diogenes in der Tonne – dann ist es ja ok. Wahrscheinlich verstehen (wie ich) dann hier etliche vieles miss. Ich dachte bisher Spackeria hätte den Anspruch eine „Bewegung“ zu werden, die etwas ändern will – also kurz- bis mittelfristig. Dass die ein Debattierclub mit philosophischem Ansatz ist verstehe ich auch erst so nach und nach…

      • Chräcker schreibt:

        Bis vor kurzem kannte ich den Begriff Spackos für diese Bewegung kaum und bin auch heute weit entfernt, da Ahnung zu haben. (Wenn ich auch fürchte, dazu gezählt werden zu können…)

        Aber ich denke auch, das es ein Weg ist, unangenehme Entwicklungen (die ich auch teilweise so empfinde) nicht gleich verbieten zu wollen, wenn der Verdacht da sein könnte, das dies eh nicht geht. Dann könnte man eher versuchen, es so ein zu binden, daß das unangenehme etwas verpufft oder sich gar auflöst.

        Ich gebe aber zu auch nicht zu den Leuten zu gehören, die gleich alles machbare und Neue und „Netzige“ pawlisch beklatschen. Beides, pawlisch ablehnen wie beklatschen, erscheint mir nicht wirklich sinnvoll. Ausserdem ist beides auch langweilig, finde ich. 😉

  4. Kristian Köhntopp schreibt:

    Faszinierend. Du beschreibst ziemlich genau eine der D-Space Brillen, wie sie die Grundlage der Gesellschaft in „Daemon“/“Freedom™“ von Daniel Suarez bilden.

    Die „Cloud“ ist bei ihm ein verschlüsseltes Mesh- oder P2P-Netzwerk, also Skype-ähnlich. Und zusätzlich publizieren die Träger solcher Brillen in den Romanen auch noch aktiv Informationen über sich – etwa den Namen, ihren Status und andere Dinge, die dann als Callout über den Köpfen der Leute eingeblendet werden.

    Alles in allem ist die beschriebene Gesellschaft extrem postprivacy, insbesondere in Bezug auf die Inhaber von öffentlichen Ämtern oder die Ausübung staatlicher Gewalt – solche Personen müssen sich in Bezug auf die durch sie ausgeübte Gewalt einer Art verschärftem Lügendetektortest durch Hirnscan unterziehen.

    Seltsamerweise erscheint mir vieles dort weitaus erstrebenswerter und gerechter als in unserer Gesellschaft.

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  7. ZitronenTree schreibt:

    Als Gedankenzusatz wäre doch die Vorratsdatenspeicherung ganz von Nutzen. Hier könnte man sämtliche Informationen die via Zweithirn gessaved werden, noch dem staatlichen Anti-Terror Vereinigungen bereitstellen. Man wüsste genau wo sich ein pot. Straftäter aufhielt, bewegte und interagierte. Das wäre einen Schritt besser als Georg’s Orwells 1984 (Wo großteils der aktuelle Stand überwacht wurde), denn man hat mehr Zeit um alles Auszuwerten und diverse Kriterien anzupassen.

    • Georg schreibt:

      Genau, das ist ja auch der Grund, warum der Staat die Vorratsdatenspeicherung möchte: Er hätte viel mehr Informationen und damit viel mehr Macht – Einzelne hätten viel mehr Macht als alle anderen. Glücklicherweise sind wir aber der Souverän und wir haben (hoffentlich) durch politischen Druck und Wahlen die Mittel, den Staat daran zu hindern.

      Welche Mittel aber bleiben, wenn _jeder Einzelne_ die technischen Möglichkeiten hätte, seine eigene Vorratsdatenspeicherung von seiner ständigen Umgebung via Zweithirn zu machen? Müssten wir uns dann nicht selbst umfassend kontrollieren, um uns daran zu hindern?

      Und ein weiterer Unterschied dabei wäre: Jeder hätte die gleiche Macht bzw. Möglichkeit des Machtgewinns.

      • Stefan schreibt:

        Es wird eben nicht so sein, dass jeder die gleiche Macht haben wird. „Cloud“ ist ein schönes nebliges Buzzword, aber in der Realität sind die Informationen bei sehr wenigen Konzernen angehäuft, die die Macht darüber haben zu bestimmen, wer was zu sehen bekommt (und welche Informationen nur gegen Geld erhältlich sein werden). Technisch ließe sich sowas sicher auch gleichberechtigt realisieren (wie P2P-Netzwerke), aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche sinnvollen Ansätze immer wieder verdrängt werden von irgendwelchen zentralistischen Plattformen – z. B. E-Mail durch private Messages bei Facebook, weil dieser zentralistische Ansatz den Leuten eben offenbar doch einen gewissen Mehrnutzen bietet.

        • metaplanet schreibt:

          Der dezentrale Ansatz könnte genauso bequem und übersichtlich funktionieren, wie FACEBOOK & Co heute funktionieren… wahrscheinlich sogar um einiges komfortabler… Druckfunktionen/ editierbare Beiträge und Comments, etc… darüber hab‘ ich ja auch schon oft lamentiert und referiert… aber dazu müsste eine Software her, die die Funktionalität Perr2Peer zur Verfügung stellt. Machbar wäre das… mit absehbarem Aufwand… Ansätze gibt es ja auch schon eine Menge… darüber habe ich ja auch schon gesammelt, erörtert und philosophiert… 😉
          https://profiles.google.com/forster.manuel/posts/cPWuoeGa5od#forster.manuel/posts/cPWuoeGa5od

  8. manU schreibt:

    _(._.)/ Das ist ein kleiner Essay, der mir gerade im Rahmen einer Diskussion in *facebook* aus den Fingern gehüpft ist… ::: Das sind eigentlich die wesentlcihen Schlussfolgerungen, das ich aus meinen bisherigen Überlegungen in Sachen (Post)“Privacy“/ Spackos gezogen habe…

    Die Frage (die sich irgendwie aufdrängt) war/ ist:::
    Werden wir irgendwann zu „Borg-Drohnen“?… gesteuert von einer „Illuminati-Gang?“

    ~ * ich denke, „Privatsphäre“ kann und wird auf lange Sicht nicht über die Optionen technologischer Machbarkeit gestellt werden… 🙂 Als „Leonardo D’Avinci“ oder die „Gebrüder Wright“ gemerkt haben, dass Menschen – technisch betrachtet – durchaus *fliegen können*, war es absehbar, dass alle Menschen irgendwann *fliegen wollen*… auch wenn sich damals wohl Niemand vorstellen konnte, wie viele schwere, geräumige und bequeme Flugzeuge heute tagtäglich über den Himmel rauschen… Es wird immer Einige geben, die das Potential der Technologie ausloten wollen… Einige, die es können… Einige, die es implementieren werden und eine (kritische) Masse mit dem Wunsch „infizieren“ werden, sich diese Optionen zu erschliessen… KlarO kommt das „Zweithirn“..! keine Frage! in gewisser Hinsicht benutzen wir ja (alle?) jetzt schon ein „Zweithirn“… in der Cloud und im *social web* teilen und verteilen wir doch ständig schon unser Wissen, unsere Ansichten und Ideen… beurteilen Menschen, deren Aktionen und Aussagen und wir diskutieren darüber/ gleichen in der Diskussion unsere Wertesysteme ab/ kommentieren darauf… -> genau dieser Prozess erhält meiner Meinung nach die „Gesundheit“ des zweiten Hirns..! Im Austausch der Ansichten, Meinungen und Auffassungen relativieren wir unsere Ansichten, Meinungen und Auffassungen über die (gemeinsame/soziale/objektive?) „Wirklichkeit“! Diese Ansichten und Auffassungen sind es ja letztendlich, die Reaktionen zur Folge haben könnten, über die wir uns vielleicht Sorgen machen (könnten/ sollten)… Aber wir dürfen – bei aller Skepsis – nicht vergessen, dass die „Totale Überwachung“ immer nur so gefährlich für unsere bürgerlichen und persönlichen „Freiheiten“ ist, wie die Paradigmen (und Maximen) der Leute, denen wir die Kompetenzen zur Führung (und Kontrolle?) vergeben… und ausserdem ist auch das Auffassungsvermögen von „Big Brother“ *begrenzt* („Attention is finite!“)… Das Einzige, wovor ich mich [deshalb] fürchte, ist: dass Bewertungen stattfinden, die auf „gefährliches Halbwissen“ gründen (irreführende Spekulation), die im Rahmen von unreifen Auffassungen bezüglich Moral, Recht und Gerechtigkeit getroffen werden… ::: (Dieses Zitat hab‘ ich gerade in einer Doktorarbeit über Konstruktivismus gefunden:) PD Dr. phil. habil. Thomas Zoglauer:
    „Jedes Wahrgenommene setzt etwas Wahrnehmendes, jedes erkannte Objekt setzt ein erkennendes Subjekt
    voraus.“ Klingt eigentlich trivial… wie ich das auffasse(!) bedeutet das: Was wir (vor oder hinter der obskuren „Privatsphäre“) erkennen (und Wissen) können, hängt immer von unserer individuellen Auffassung/ Wahrnehmung, (bzw. der Wirklichkeit) ab, die wir *konstruieren*. Und diese Wirklichkeit steht mit den sozialen Paradigmen und den moralischen Normen im Zusammenhang, die in unserem (ebenfalls individuellen) Umfeld gelten und (auf uns/ von uns) projiziert werden. _ Was die ominösen „Verschwörer“ angeht::: Ich glaube, dass irgendwann auch jede „Illuminaten-Gang“ an die Grenzen Ihres Auffassungsvermögens stossen wird… Ausserdem sind die Grenzen der (kybernetischen) Steuerbarkeit eines Systems auch recht bald erreicht. Die Systemtheorie besagt – sinngemäss: Ein steuerndes System darf dem System, das gesteuert werden soll in Komplexität und Variabilität nicht unterlegen sein… „Every Good Regulator of a System Must be a Model of that System“ (Ashby) Der Wunsch nach Kontrolle/ Steuerung und Einflussnahme muss zunächst mal eine rationale Grundlage haben – (oft steht dahinter schon eine soziale oder psychische Störung/ ein [paranoider] Wahn oder eine Neurose). Man muss zudem wissen und erkennen (können), welche „Störung“ für ein soziales System (in welcher Relation) eine faktische Störung darstellt, durch welche Aktionen die eventuelle „Störung“ im System beseitigt werden kann und welche Effekte aus der Einflussnahme/ dem Versuch der Steuerung zu erwarten sind. Ohne eine rekursive Beobachtung (eine „Kybernetik zweiter Ordnung“) taugt der gesamte Steuerungsapparat sowieso nix;) Der *Beobachter* eines Systems muss (dazu) ebenso wie das System selbst beschrieben und erklärt werden (können). Die (rekursive) Beobachtung der Beobachtung eliminiert dann sozusagen den (gefährlichen) Begriff einer ‚objektiven‘ Realität… (-> Niklas Luhmann) http://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtung_zweiter_Ordnung >> Die politische, soziale, emotionale Neutralisierung des Beobachteten soll eine Gemeinschaft als Wechselwirkung zwischen den Beobachtern schaffen. < „RESISTANCE IS FUTILE!“ 😉 ***

    • manU schreibt:

      << Uns muss bewusst sein, dass auch diejenigen Subjekte, die eine (wie auch immer geartete) Form der "Überwachung" auf andere Gruppen und Individuen ausüben wollen, ihre eigenen Normen, Ansichten und Auffassungen (ihre Realität!) an eben den Normen, Ansichten und Auffassungen relativieren müssen/ werden, die in der Öffentlichkeit "gehandelt" und 'konsolidiert' werden. [Wir alle sind am Prozess dieser Werte-bildung (der Evaluation der Werte) beteiligt!] … wenn wir uns einbringen wollen (können?). Letztlich müssen wir in jeder soziologischen Betrachtung den Rahmen hinterfragen, in dem wir "Gesellschaft" definieren und stattfinden lassen: In einem nationalen (oder gar global gefasstem Rahmen) ist "Gesellschaft" offenbar jetzt schon nicht mehr ausreichend steuerbar… weder Politik noch Markt & Wirtschaft kann die aktuellen sozialen/ ökonomischen/ ökologischen Probleme bewältigen… Befriedigende, gerechte und nachhaltige Lösungen finden wir meiner Ansicht nur im (rekursiven) Austausch unserer Meinungen im Rahmen überschaubarer Teilnetze, in denen durch unmittelbare Nähe und souverän gewählte, natürliche, familiäre soziale Bindungen ein Klima der bedingungslosen Solidarität für alle verbundenen Mitglieder aufgebaut und erhalten werden kann. "Überwachung" spielt dort, wo Solidarität, Nähe und *Vertrauen* herrscht, keine grosse Rolle mehr. 🙂 Selbstregulierende, vernetze soziale Systeme, die Ihre Werte und Aktionen im lebendigen Austausch der Öffentlichkeit am Prinzip der "Autopoiesis" orientieren, sind meiner Ansicht nach, der Rahmen in dem "Gesellschaft" funktionieren kann… weg von statischen Institutionen und Autoritäten!.. kein "allsehendes Auge", oben auf der gemauerten "Pyramide der Macht", sondern offene Augen/ allseitige Transparenz und Kompetenzen für alle Diejenigen, die sich in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld anhand ihrer Interessen und Handlungen eine entsprechende Reputation vor ihrer Öffentlichkeit verdient und erarbeitet haben… Beobachtung darf nicht immer mit Kontrolle assoziiert werden… Der Zweck der Beoachtung (und der Erkenntnisgewinn daraus) sollte viel eher ein *soziales (emergentes?) Lernen* sein… Disziplin sollte aus dem Wunsch heraus entstehen, seinen sozialen Horizont vorbildhaft aufzuwerten… die "Belohnung" für jeden Beitrag zur Förderung und Aufwertung der sozialen Kreise ist vor den offenen Augen der jeweils erschlossenen/ interessierten Öffentlichkeit eine natürliche Aufbesserung der sozialen Reputation und damit auch ein entsprechender Zugewinn an Kompetenz und Vertrauen im eigenen Netzwerk…

      • manU schreibt:

        : Danke für’s Verlinken, fasel.!!
        // hoffe da hat jeder Zugriff ( fB account vorausgesetzt)
        wollte das gerade schon selber tun… nachdem ich doch einiges formatiert und ergänzt habe… werde das auch mal in meinen bisher auf Kosten meiner facebook-Aktivität ziemlich verwaisten Blog packen… 😉

    • manU schreibt:

      hier der Link zu meinen Ausführungen in Google BUZZ:::

      https://profiles.google.com/forster.manuel/posts/8UStU7aZL8q

      (Das ist dann auch ohne FB-Account lesbar!) 😉

    • LFalkenburg schreibt:

      Interessante Sichtweise, schau einfach Minority Report, dann weißt Du wer wie Deine Zweithirnaufnahmen tw. eben auch falsch auswertet. Der Rest wird traurige Geschichte werden. Ich denke nach den digitalen Kriegen werden wir alles besser verstehen werden und die Grenze des Machbaren besser gegen die Grenze des Sinnvollen abgleichen können.

      • manU schreibt:

        … nicht in der Transparenz/ nicht in der Kognition liegt die Gefahr…

        HALBWISSEN ist gefährlich!
        (Die Verzerrung der Tatsachen!)

        // das ist eigentlich auch das Thema in Minority Report, wenn ich mich richtig entsinne! 😉

        • Fred Krug schreibt:

          Zitat
          HALBWISSEN ist gefährlich!
          (Die Verzerrung der Tatsachen!)
          Zitat Ende.

          Oder die „Auswertung“ und insbesondere die „gewillkürte“.

          Um in dem Bild mit dem Zweithirn zu bleiben, das von einer unbestimmten Anzahl omnipotenter Aufzeichnungs-Brillen bedient wird, zu bleiben:

          Durch die beliebige und wertneutrale Erfassung von Daten zu jedem Individuum, die dann in der Cloud des Zweithirns gespeichert und abrufbereit gestellt werden, finden sich zu jedem Individuum zwangsläufig umfangreiche Informationen. Diese fallen aufgrund der sehr unterschiedlichen Umstände, in denen sich die Aufgezeichneten befunden haben, höchst variabel aus, sodass sie sogar widersprüchlich werden:
          – Man stelle sich jemanden vor, der in dem einen Fall bei rot über die Ampel geht, das andere mal bei grün; und diese Szenarien halten sich die Waage: Ist das dann ein notorischer Rechtsbrecher?
          – Oder was ist mit dem, der in dem einen Gespräch zum Thema X eine ablehnende Haltung einnimmt, später aber aufgrund geänderter Meinung oder lediglich als Replikator fremder Meinungen die gegenteilige Haltung präsentiert?
          – Dritte Fallgruppe: Äußerungen basierend auf Emotionen (Wut, Liebe, verzweiflung, Freudentaumel) weichen von Äußerungen unter höchst kontrollierten Umständen (vorbereiteter Vortrag, Sprechrolle, Prüfungssituation, Bewerbungsgespräch) anders aus.

          Die Szenarien lassen sich beliebig ausdehnen.

          Daraus ergibt sich, dass auch die Auswertung von zu viel Wissen Probleme bereitet.

          Solche Auswertungen stellen die Essenz „bekannter Inhalte“ dar; durch die Auswertung werden eingerechnete Redundanzen, „Unerhebliches“ oder „Irrelevantes“ ausgefiltert oder herausgerechnet, womit die Auswertung selbst Halbwissen wird. Denn sie gibt nicht alles wider, was ausgewertet worden ist.

          Daraus ergeben sich zum Beispiel diese Folgefragen: Wurde richtig ausgewertet? Welche Maßstäbe legen der jeweiligen Auswertung zu Grunde? Ist diese Auswertung überhaupt in dem Szenario, in welches sie einfließen soll, anwendbar? Und wie stark ist das Bewusstsein über möglicherweise aufgrund der Auswertunge entfallende Elemente?

          Kurzum: Auswertungen auf diesem Niveau reduzieren die Persönlichkeit auf Formeln und „formelhaft“ anerkanntes „richtiges und falsches“ Verhalten. Der individuelle Mensch und seine Persönlichkeit werden in hohem Maße reduziert und verdinglicht.

          Ergo: Auch das ist gefährlich. Denn wer wird sich die Mühe machen, jede Auswertung auf ihre Authentizität und Plausibilität im eigenen Kontext zu überprüfen? Die Statistik-Gläubigkeit und Anwendung von Statistiken im Alltag legen Zeugnis darüber ab, wie beliebig mit Auswertungen gearbeitet wird. Auch darin liegt eine erhebliche Gefahr.

          • manU schreibt:

            Ergo: Alles ist Halbwissen…

            Wir finden uns als menschliche Beobachter der „Realität“ alle in dem Gleichnis der Blinden wieder, die den Elefant betasten…

            http://en.wikipedia.org/wiki/Anekantavada#Parable_of_the_blind_men_and_elephant

            >> Anekāntavāda (Devanagari: अनेकान्तवाद) is one of the most important and fundamental doctrines of Jainism. It refers to the principles of pluralism and multiplicity of viewpoints, the notion that truth and reality are perceived differently from diverse points of view, and that no single point of view is the complete truth.[1][2]
            Jains contrast all attempts to proclaim absolute truth with adhgajanyāyah, which can be illustrated through the parable of the „blind men and an elephant“. <<

            Nur durch die flüssige, freie und ideologisch möglichst unbelastete Kommunikation nähern wir uns einem Konsens von „Wahrheit“ oder „Wirklichkeit“ gemeinsam an!

            Vernetzung erhält die geistige und psychische Gesundheit im „Zweithirn“… oder unsere Gesundheit im Umgang mit dem „Zweithirn“.

            // lies‘ Dir doch weiter unten einmal meine Ausführungen bezüglich der (exemplarischen) Recherche zur Person „Jörg Tauss“ durch…

            Dass ich dieses Thema hier in den Thread gezerrt habe mag einigen bereits obszön erscheinen…

            Allerdings wollte ich damit eine Methode der Betrachtung herausstellen, in der ich mich bewusst nicht auf eine singuläre Meinung oder Sichtweise beziehe… Natürlich kommt man nicht umher sich eine Meinung zu bilden, aber man kann die Fakten – die das „Zweithirn“ bereithält – zumindest sachlich und dialektisch in einen plausiblen Zusammenhang bringen. Hier im Netz hat dann darüber hinaus auch die gesamte interessierte oder involvierte Öffentlichkeit die Möglichkeit direkt auf meine Ausführungen zu reagieren und dazu Stellung zu beziehen.

            Das ist doch ein Approach zum Umgang mit der erhöhten Transparenz, in der wir uns nun ja bereits schon aktuell im Netz begegnen.

  9. Jörg Tauss schreibt:

    Also irgendwann kommt eventuell das beschriebene Zweithirn. Und darum ginge es bei der Debatte. A ja. Wenn ich ein Problem nicht beschreiben kann, muss ich es erfinden. In Hinblick auf dieses tolle Gerät in 100 oder 10 Jahren höre ich auf zu denken und diskreditiere jene, die über den Erhalt von Privatsphäre heute nachdenken.

    • Georg schreibt:

      Das „Zweithirn“ wird nicht plötzlich mit einem Fingerschnips kommen, einzelne Technologien davon werden aber nach und nach den Alltag erobern. Vielleicht wird die Biometrie schon in kurzer Zeit soweit sein, dass man mit einem Foto von einer Demonstration alle anwesenden Teilnehmer biometrisch erfassen kann und bei Google Images nach deren Namen suchen kann. Werden Datenschützer dann raten, keinerlei Fotos von sich online zu haben bzw. nicht auf Demonstrationen zu gehen?

      Wenn nicht, müssen wir Wege finden, dass es für die Leute eben nicht von Nachteil ist, wenn Informationen über sie verfügbar sind. Und es ist m.E. auch eine viel bessere Utopie, wenn ich tatsächlich die Wahl habe, Privates von mir offenzulegen, als wenn ich sie nicht habe.

    • Chräcker schreibt:

      Oder man diskreditiert diejenigen, die erst einmal wissen möchten, was überhaupt „Privatsphäre“ bedeutet, was wirklich dann noch existiert und existieren kann, wie man mit neuen Lebensgewohnheiten, auch bedingt durch die faktische Existenz von Techniken, umgeht und somit nicht sklavisch etwas erhalten möchte, was es vielleicht sogar noch nicht mal so gab. (Denn manche Privatsphäre wird ja erst erfunden, wie die Privatsphäre einer Hausfassade als Beispiel… )

      Etwas „für alle“ erhalten, ohne das es da überhaupt einen Konsens gibt, und dazu Gesetze erschaffen, ist in meinen Augen nicht der richtige Angang. (Alles abtrennen an Gemeinregeln, nur weil wir die technische Möglichkeit haben, auch nicht, klar!)

    • manU schreibt:

      Es handelt sich tatsächlich nicht um ein „Problem“, das an den Haaren herbeigezogen oder erfunden werden müsste…

      Das Zweithirn funktioniert doch heute schon ganz gut.

      Und ich bestreite sogar, dass es sich dabei überhaupt um ein faktisches Problem handelt.

      Außerdem soll hier Niemand aufhören zu denken!
      … das Denken fängt hier gerade erst an.

      Ich schildere im Folgenden nun zunächst nur möglichst sachlich und wertfrei den aktuellen Umgang mit dem *Zweithirn*, das uns heute zur Verfügung steht und versuche in diesen Ausführungen auch auf technologische Optionen, soziologische Konsequenzen, Bedenken und Chancen hinzuweisen.

      Gerade in politischen Diskussion, die recht kontrovers verlaufen können recherchiere ich ab und zu doch gerne ein paar Fakten, Zahlen und Namen, die mir Aufschluss zu Information geben, die für mich nicht unmittelbar im „Ersthirn“ verfügbar sind…

      Im Falle dieses Postings ist mir der Name des Verfassers aufgefallen.

      Jemand der den Namen „Jörg Tauss“ trägt oder als Pseudonym angenommen hat (!?), der sollte zumindest Bescheid wissen, dass das Zweithirn eine höchst aktuelle Realität ist, deer wir uns kaum entziehen können…

      Ich will unter keinen Umständen unsachliche Reaktionen provozieren und kann nicht ausschließen, dass es sich dabei um ein Pseudonym, eine zufällige Namensgleichheit oder anderweitig um ein Mißverständis handelt, aber aus dieser Begebenheit ergibt sich zumindest eine interessante Anekdote im Hinblick auf die Auflösung der Privatsphäre.

      Ich hatte die Fakten im Einzelnen verdrängt und ich will auch nicht zu sehr auf die haarsträubenden Einzelheiten eingehen… Jedenfalls hat mir das *Zweithirn* gerade verraten, dass es einen Abgeordneten mit dem Namen „Jörg Tauss“ gibt, der im Mai letzten Jahres in einem Aufsehen erregenden Prozess zu einer Bewährungstrafe verurteilt worden ist.

      Bevor ich jetzt als Denunziant verschrieen werde möchte ich noch einmal betonen, dass ich diese Fakten wertfrei zitiere, meine eigene Meinung dabei möglichst zurückhalten möchte und Niemanden öffentlich diskreditieren will.

      Demzufolge sollte aber zumindest geklärt sein, dass das „Zweithirn“ KEINE UTOPIE ist.

      Selbst, wenn dieser Herr „Tauss“ nichts mit dem Abgeordneten zu tun haben sollte, dürfte es JETZT deutlich klar sein, dass wir über eine technologische Realität sprechen, mit der wir umgehen lernen sollten… NICHT über ScienceFiction oder hypothetische Probleme!

    • manU schreibt:

      Die durchaus recht dramatische Geschichte des zuvor bereits erwähnten Abgeordneten „Jörg Tauss“ (JT) zeigt – ironischer Weise – einige plakative Illustrationen für fatale Verstrickungen, Ungeschicklichkeit(?) bzw. drastisches (methodisches oder moralisches?) Fehlverhalten bei der „Observation“(?) verdächtiger Gruppen oder Individuen… Zumindest sieht man wie dünn die vermeintliche „Privatsphäre“ ist, wenn man betrachtet, dass Behörden bei Bedarf ganz einfach den Schleier heben können, der unsere „Heimlichkeiten“ verhüllen soll. (-> „Operation Steppenwolf“)

      Eventuell war der Schleier der Heimlichkeit sogar Tauss‘ ärgste Verfehlung.

      Es wäre nun wohl auch feige von mir, wenn ich an dieser Stelle nicht wenigstens sachlich auf den besagten Fall eingehe…

      Schon deshalb, weil sich daraus exemplarisch auch weitere wichtige Beispiele und Ideen im Umgang mit der im besagten „Zweithirn“ verfügbaren Information und den Informationskanälen darin ableiten lassen.

      Niemand wird ernsthaft leugnen, dass wir – besonders hier im Netz – eine offenbar recht drastische qualitative und quantitative Zunahme der Optionen und Möglichkeiten einer „Beobachtung zweiter Ordnung“ erleben (/ beobachten;)…

      Diese zunehmend einfache, direkte, inhaltlich ergiebige, übersichtliche und dynamische(!) Beobachtung zweiter Ordnung (oder „Beobachtung von Beobachtungen“) ist meiner Ansicht nach das Hauptmerkmal der (schleichenden?) Implementation des „Zweithirns“!

      // Die Frage ob es Subjekte oder Gruppen gibt, deren Handlungen oder Motive genügend unreif, unmoralisch oder gefährlich zu sein scheinen, um eine gewisse Verdächtigung oder Überwachung zu rechtfertigen beantwortet sich leicht: *Ja.* – leider gibt es diese Verdachtsituationen, die eine Observation im Einzelfall rechtfertigen.;

      // Und ich scheue mich auch hier nicht zu behaupten:
      Je weniger Transparenz und Offenheit in der Gesellschaft (individuell und kollektiv) praktiziert und gelebt wird, desto mehr unbegründeten Vorurteilen und gegenstandslosen Vorwürfen und Verdächtigungen werden wir uns (wohl oder übel) stellen müssen. !!!

      Im Falle des Abgeordneten JT geht es nun (vordergründig) sowieso um das Thema Überwachung/Kontrolle/Forensik(?), sowie insbesondere auch um das Verhältnis zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit

      – Laut eigener Aussagen hat sich der Bundestagsabgeordnete
      JT im Rahmen seiner amtlichen Tätigkeit (damals noch bei der SPD) der Aufgabe gewidmet (objektive/ sachdienliche?) „Recherchen“ in der Pädophilen-Szene vorzunehmen.

      JT hat sich demnach also – Kraft seines Amtes – verantwortlich gefühlt, einen Alleingang der Observation Verdächtiger (Gruppen) in Sachen Kinderpornografie zu unternehmen.

      So gesehen ein durchaus bemerkenswerter, mutiger und gewagter Schritt – der allerdings wohlüberlegt sein sollte, da er unweigerlich über das Glatteis einer juristischen und moralischen Grauzone führt!

      Tatsächlich wurde am Donnerstag, den 5. März 2009 eine beachtliche Menge an pornografischem Material mit Minderjährigen in der Privatwohnung von JT gefunden. Er stand also selbst bereits im Licht der Observation durch Behörden. Mir leuchtet hier auch nicht ein, warum nicht von vorne herein eine offene Zusammenarbeit mit dem BKA oder der Staatsanwaltschaft zur Observation der Pädophilen möglich war… !?
      ______________________________________________
      Es stellen sich dabei nun (rein objektiv) einige wesentliche Fragen:

      (1.) Wer oder welche Instanz (a) sollte und darf in welchem Rahmen (b) welche Maßnahmen (c) zur Kontrolle und Überwachung verdächtiger Dritter ausführen?

      -> Tja?! ~ sollte oder darf man das einfach selber tun ..? Auf eigene Faust?
      Wer darf oder sollte (wen) überwachen? Wie? Wann? Und warum?..
      bzw.:
      Wer darf oder sollte (wen) NICHT überwachen? Wie, wann und warum NICHT?..

      (2.) Wem oder welcher Instanz (a) sollen oder dürfen – zu welchem Zeitpunkt (b) – welche Informationen (c) zur Verfügung gestellt werden oder vorenthalten werden?

      -> Kann Öffentlichkeit und Transparenz nicht sogar ein Schutz vor Verleumdung sein? Wieso hat JT es nicht gewagt seine Recherchen, die er unter einem Decknamen durchgeführt hat publik zu machen?! Damit hätte er sich doch im Falle seiner moralischen Unschuld über etwaige Verdächtigungen erhaben gemacht…
      Langjährige Kollegen waren überrascht erst im Verlauf des Prozesses davon zu erfahren… Anscheinend wusste nicht einmal seine Frau von seinem „Kreuzzug gegen die Kinderpornografie“. Ist das nicht seltsam? Wenn man sich dermaßen weit aus dem Fenster lehnt, sollte man sich doch zumindest von einigen Vertrauten festhalten und stützen lassen, um nicht herab zu stürzen (wenn man geschubst wird?)! Wenn JT also – wie er behauptet – moralisch nicht tangiert war, dann war die Heimlichkeit seines Vorgehens der wohl bedauernswerteste Fehler… 😦 Ergebnisse seiner Recherche? Aufdeckungen?! Wenigstens Protokolle und Aufzeichnungen seiner Beobachtungen sollte es geben… auch davon hört man nichts… Scheinbar waren die Observationen also auch gewissermaßen „ergebnisoffen“..?

      Er hat sich eben kaum jemanden anvertraut…
      … extrem ungeschickt eigentlich! ~

      Die meines Wissens nach einzige faktisch entlastende Aussage stammt vom Direktor der Stuttgarter Stiftung für Kommunikationsforschung, mit dem er 2008 offenbar auf das Thema Kinderpornografie zu sprechen gekommen ist.
      JT hätte ihm gesagt: „Seien sie froh, dass sie sich dieses Zeug nicht angucken müssen, da geht es nicht um Lolitas, sondern um scheußlichere Dinge.“

      (3.) Wie kann und soll die Autorität, die Öffentlichkeit und die Betroffenen mit Informationen und Resultaten umgehen, die sich aus einer Observation ergeben..?

      -> Eines muss klar sein: Vorverurteilungen sollten wir in jedem Fall vermeiden! Der Vorwurf, dass jemand kinderpornografisches Material sammelt, um sich daran sexuell zu stimulieren, ist zu widerlich und abstoßend, um das Irgendjemandem zu unterstellen, ohne dafür ausreichend überzeugende Beweise zu haben. Eine derartig niedere Perversion ruft in mir vor allem tiefstes Bedauern und sogar beinahe ein gewisses Mitleid für die kranken Geister hervor, die sich in dieser Obsession verrannt haben. Mein Mitleid relativiert sich aber auch an der emotionalen Kälte, die notwendig ist, um das Leid derer zu verdrängen, die sexuell missbraucht werden, um das Material herzustellen, auf die sich die fragliche Obsession richtet. :((

      JT ist nun vor etwa einem Jahr rechtsgültig überführt und verurteilt worden, im Besitz „kinderpornografischer Schriften“ (in 102 Fällen) gewesen zu sein… Der Besitz dieser DVDs, Filmchen und Bilder wurde von ihm auch niemals bestritten.
      Am 28. Mai jährt sich nun seine gerichtliche Verurteilung für dieses Vergehen. Trotzdem argumentierte seine Verteidigung, dass es sich um eine „soziale Exekution“ gehandelt habe.

      Bis heute leugnet JT, das Material zur sexuellen Stimulation verwendet zu haben. http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=989

      Eben hier endet aber auch die Grenze der Beweisbarkeit…
      Hinter die psychologischen Hintergründe und Motive kann unser „Zweithirn“ (noch?) nicht blicken…

      „Denkbar ist, dass er sich schlicht aus Neugier in der Kinderporno-Szene bewegte“ konzedierte letztlich sogar das Gericht.

      Wenn Herr „JT“ nun in dieser Hinsicht unschuldig sein sollte, so sollte er sich eigentlich wünschen, dass ein „Zweithirn“ erfunden wird, das unsere Motive und Gedanken zweifelsfrei ermitteln, nachvollziehen und überprüfen kann.

      Dann wäre er ja (moralisch) aus dem Schneider… oder?

      Mehr Transparenz (absolute Transparenz?) trägt meiner Meinung nach immer zum Schutz derer bei, die sich aufrichtig und ehrlich verhalten.
      So seh‘ ich das… 🙂

    • Fred Krug schreibt:

      Zweithirne dieser Tage (Beispielkataloge): Facebook, Google-Anwendungen und -Apps, Apple-Infrastrukturen, Cookies für Marketingstrategien, Suchmaschinen-Systeme …

  10. Anonym schreibt:

    Entschuldigen Sie bitte, aber so ein Blöde Idee kann man nicht vorstell.
    Die Privatsphäre ist ein Grundrecht und ich werde dafür kämpfen wenn mir jemand diesen Recht entzieht!!!!

    • manU schreibt:

      Wie definierst Du „Privatsphäre“ für Dich..?

      So wie ich es verstehe ist „Anonymität“ und „Privatsphäre“ kein faktischer Vorteil, sondern eher ein halbherziger Kompromiss/ eine Flucht vor der Herausforderung eine wahrhaft liberale und tolerante Welt zu schaffen – eine blenderische Illusion, die wir abstreifen sollten, um zu einer reifen und aufrichtigen Gesellschaft zu gelangen, in der Werte ehrlich und direkt in einer interessierten und engagierten Öffentlichkeit ausgehandelt werden… Ich will mich für nichts schämen oder verstecken (müssen!)… Darum geht es mir in dieser Debatte… Nicht darum, andere bloß zu stellen… Vertuschungen und Geheimnisse widern mich an, weil sie mir im Grunde nur meine eigenen Unzulänglichkeiten oder mangelnde Toleranz meines Umfeldes ermahnen.

      Der Kampf für die Wahrung der „Anonymität“ und „Privatsphäre“ mag streckenweise zweckdienlich sein… Auf lange Sicht ist es ein Kampf gegen Windmühlen, der im Grunde schon lange verloren ist…

      Rechte sollte uns überhaupt Niemand entziehen dürfen!

      Wir sollten uns aber Fragen, welches Recht wir im Grunde einfordern können und sollten… Ich will faire Transparenz/ Zugang zu Informationen, die mich persönlich oder mein Umfeld betreffen… Transparenz als Recht für Alle, nicht nur für Wenige, die uns auch heute schon problemlos in die Karten schauen (können).

      Denk‘ darüber nach… 🙂

      • Fred Krug schreibt:

        Ich halte diese Ausführung für letztlich inkonsequent, ManU.

        Du schreibst einerseits davon, das die Rechte Niemanden entzogen werden dürften; gleichzeitig wünschst Du freie Informationen für Dein persönliches oder näheres Umfeld. Was ist denn „Dein persönliches oder näheres Umfeld“?

        Damit schränkst Du nämlich bereits ein, denn Du verwendest offene Begriffe, deren „Grenzen“ oder besser: „Reichweiten“ unklar sind.

        Jemand, der sein Leben individuell gestaltet, tut dies aufgrund seiner individuellen Interessen, Vorlieben einerseits und Abneigungen und Ablehnungen andererseits. Diese höchst individuellen Informationen über sich selbst verwendet jemand in seinem Verhalten mit anderen. Er „sucht“ sich seinesgleichen aus oder wählt die bewusste Konfrontation mit „den anderen“.

        Über die Zeit ändern sich Vorlieben und Interessen. Man eröffnet sich neue Kreise oder sucht bewusst nach neuen Gemeinschaften. Verlagert man sich dann? Vergrößert oder verschiebt sich das „persönliche Umfeld“ oder die „nähere Umgebung“?

        Und wie ungleich schwerer wird es, sich zu verändern, sich neuen Gruppen anzuschließen? Man denke nur an jemanden, der in jungen Jahren ungestüme Positionen verfolgt hat; dieser müsste sich immer wieder neu beweisen, erklären oder rechtfertigen, um in anderen Kreisen (als „Mitglied“ im weitesten Sinne?) angenommen zu werden.

        In vollumfänglicher Informationsfreiheit liegt damit keine Ideallösung, zumal dies zu einer Verlagerung von Eigen- zu Fremdbestimmtheit führt. Dass beide Faktoren in jedem individuellen Leben Rollen spielen, steht außer Frage. Außer Frage steht auch, dass jede und jeder mehr oder weniger eigen- und demensprechend mehr oder weniger fremdbestimmt handelt. Für jede/n gilt aber ebenso, dass dies auf eine entsprechende Entscheidung zurückzuführen ist – und wenn es nur die Selbstaufgabe ist, sich dem Diktat anderer zu unterwerfen.

        Daraus ergibt sich im Übrigen auch, dass die Begriffe des „persönlichen Umfelds“ und des „näheren Umfelds“ höchst individuell ausgestaltet werden.

        Vielleicht ist es das, was „Anonym“ meinte? Ich weiß es nicht.

        Was mir nur scheinbar entgegen meiner Äußerungen aber plausibel erscheint, ist, dass der offenere Umgang mit individuellen Informationen zu einem verbesserten oder verstärkten Umgang miteinander führen kann; diese Offenheit darf aber meines Erachtens nicht geeignet sind, zur Diskriminierung des sich Öffnenden zu führen. Und das ist typisch und normal für das Verhalten „der Öffentlichkeit“ … Mit anderen Worten: Die vollumfängliche Öffnung seiner selbst kann nur dann funktionieren, wenn es zu keiner Diskriminierung führen kann; in einer vielschichtigen Gesellschaft mit unterschiedlichen politischen, ökonomischen und ethisch-moralischen Strömungen ist das aber nicht möglich.

        • manU schreibt:

          >> „in einer vielschichtigen Gesellschaft mit unterschiedlichen politischen, ökonomischen und ethisch-moralischen Strömungen ist“ die Öffnung ist „nicht möglich“?.. weil eine „Diskriminierung des sich Öffnenden […] typisch und normal für das Verhalten ‚der Öffentlichkeit'“ ist? <<

          Diese Ansicht halte ich für fatalen (oder fatalistischen) Pessimismus.

          Ich sage auch nicht, dass ich jemandem das Recht auf einen Rückzug in’s Private vergönne…

          Für mich ist das im Grunde EHRENSACHE.

          Wenn ich jemanden zu nahe trete, indem ich mich zum „Spanner“, „Lauscher“ oder „Spitzel“ mache… dann verspiele ich im Zweifelsfall meine Glaubwürdigkeit, mein Ansehen und meine Würde.

          In einer „vollumfänglich“ transparenten Öffentlichkeit unterliegt meine Einmischung ja auch der Kritik der Öffentlichkeit.

          Ich finde, dass sich bei den meisten Kritikern eine gewisse „Hysterie“ um einen Kontrollverlust offenbart.

          Dabei wird jedoch oft übersehen, dass auch die Übertretung und die Bespitzelung (rekursiv) viel einfacher observiert werden kann.

          Also ist auch der, der mir meine (natürlichen) Rechte auf den privaten Rückzug entziehen möchte viel mehr in Erklärungsnot vor der kritischen Öffentlichkeit!

          Ich denke, dass sich die Welt zur Aufrichtigkeit und Toleranz entwickeln muss…

          Es gibt keine plausible Alternative.
          Kein Gesetz der Welt kann diese Entwicklung zu Nähe und Offenheit auf lange Sicht eindämmen.

          Ich erlaube mir sogar an dieser Stelle zu behaupten, dass es gewissermaßen eine evolutionäre Tendenz zur Vernetzung gibt, der wir uns nicht entziehen können, ohne uns an uns selbst zu versündigen.

          Die Würde des Menschen ist unantastbar.

          Und das bleibt sie auch in der Transparenz!
          Vielleicht viel eher, als in dieser Welt der Mauern, Gitter, Schleier und Hinterzimmer.

          Wir werden uns einander annähern.
          Auch wenn viele noch ängstlich sind und befürchten ihre Integrität zu verlieren.

          Die Gesellschaft entwickelt sich seit dem Mittelalter rapide von der Verklemmtheit und Verschwiegenheit zur Vernetzung und zur Offenheit.

          Um diese Offenheit möglichst konfliktfrei leben zu können sollten wir uns darauf besinnen unsere soziale Vernetzung nach Kriterien der Gemeinsamkeiten, und Sympathien souverän und verbindlich zu wählen.

          Genau das geschieht ja gerade im Rahmen des *Social Networking* im Web ganz aktuell…
          Das Phänomen „FACEBOOK & CO“ erklärt sich für mich in einer gewissen natürlichen Tendenz sich seinen gesellschaftlichen Horizont, in den man sich freiwillig integrieren möchte bewusst auszuwählen.

          Gesellschaft wird darin immer mehr zu einer souveränen Entscheidung.

          In dieser Entwicklung sehe ich auch große Chancen zu einer konstruktiven gesellschaftlichen Transformation, die eine Transparenz und Offenheit völlig mit einem gewissen Selbstverständnis akzeptiert und fordert.

          Ich gehe auch nicht davon aus, dass uns jemand unsere „Privatsphäre“ und „Anonymität“ gewaltsam entziehen möchte… heute wird sie uns heimlich entzogen… In einer transparenten Gesellschaft erschließt man sich die Welt, die Gesellschaft (und die Märkte) indem man sich öffnet. Umgekehrt grenzt man sich aus, wenn man sich in Heimlichkeiten verbarrikadiert.

          Wer würde (beispielsweise) denn heute noch Eier kaufen, die nicht markiert sind..?
          Wir hatten den fall erst an Ostern… bemalte Eier, deren Herkunft nicht nachvollziehbar war, bleiben im Regal liegen.

          Wir sind schon so sehr an Transparenz gewohnt…
          Und das ist auch richtig so!

          Wir sollten und wir werden irgendwann keine verhüllte Welt mehr akzeptieren…

          Weder in unserer Verbraucherentscheidung, noch in der Politik… und genauso wenig in unserem alltäglichen sozialen Umfeld…

          Offenheit entspricht unserer menschlichen Natur.
          Und wir sollten (und werden) damit entsprechend natürlich umgehen (lernen). 🙂

          • Fred Krug schreibt:

            Das Zitat habe ich nicht eingekürzt, da ich ansonsten den Sinnzusammenhang zerreißen würde; das möchte ich nicht:

            „In einer „vollumfänglich“ transparenten Öffentlichkeit unterliegt meine Einmischung ja auch der Kritik der Öffentlichkeit.

            Ich finde, dass sich bei den meisten Kritikern eine gewisse „Hysterie“ um einen Kontrollverlust offenbart.

            Dabei wird jedoch oft übersehen, dass auch die Übertretung und die Bespitzelung (rekursiv) viel einfacher observiert werden kann.

            Also ist auch der, der mir meine (natürlichen) Rechte auf den privaten Rückzug entziehen möchte viel mehr in Erklärungsnot vor der kritischen Öffentlichkeit!

            Ich denke, dass sich die Welt zur Aufrichtigkeit und Toleranz entwickeln muss…“
            Zitat Ende

            Dem ist nichts hinzuzufügen … zumindest, wenn es um das „Zeichnen eines idealen Bildes oder idealisierten Bildes“ geht. Vor allem der Gedanke, dass die, die eben ihre Neugierde überstrapazieren, sich erklären müssen, ist von fundamentaler Bedeutung. Augehend von dem Grundkonzept, dass letztlich jede einzelne Person für sich individuelle Entscheidungen über „Sich Öffnen“ und „Sich Verschließen“, und zwar insgesamt oder in Teilen, das höchste Gut ist*, ist es selbstredend, dass jede andere Person sich erklären muss müssen, um insbesondere in den verschlossenen Bereich hineinhören zu dürfen. Daraus ergibt sich, dass auch die idealtypische Vorstellung Grenzen kennt. Und Grenzen begründen automatisch Regeln.

            *Damit sind wir dann wieder bei den Fragen, wo die Privatsphäre ist und wie sich diese möglicherweise in einen Kernbereich, eine Individualsphäre und eine Sozialsphäre unterscheiden lässt.

            Ganz gewiss kann ich eine fatalistische Sicht über meine tendenziell pessimistische Haltung gegenüber unserer Gesellschaft ausschließen; dazu halte ich jedes noch so komplexe Gebilde, das letztlich nur auf Willen basiert ist, für wandelbar genug, um nicht einer fatalistischen Vorprägung zum Opfer zu fallen.

            Ob meine Sicht eine fatale ist, wenn ich in dem Pluralismus unserer Gesellschaft gleichzeitig die Quelle für die automatische Diskriminierung aufgrund gegensätzlicher Strömungen sehe, mag ich ausschließen. Dadurch, dass unser vielschichtiges System eben automatisierte Mechanismen kennt und verwendet, welches individuelle Verpflichtungen zur Erklärung von „Schnüffeln“ aufhebt, ist es systemimmanent und eine systemische Eigenart, dass Diskriminierung des Individuums eine zwangsläufige und logische Konsequenz ist, wenn es sich öffnet. Beispiele hierfür sind exemplarisch folgende:

            – Wenn ich mich gegen Netzsperren ausspreche, werden meine Betrachtungen automatisch den Kreisen rechts-populistischer oder sogar rechts-radikaler Gruppierungen und/oder Pädophiler zugeordnet (Dein Tauss-Gedankenspiel).
            – Wenn ich mich gegen Zensus2011, Vorratsdatenspeicherung, erhöhte staatliche Kontrolle, elektronischer Personalausweis etc. ausspreche, steht mir der Vorwurf entgegen, dass jemand, der nichts zu verbergen habe, auch nichts zu befürchten habe; warum also verweigere ich mich dann solchen Systemen?
            – Wenn ich mich kritisch zu weiblichen Gleichstellungsbeauftragten äußere oder ich Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer mit Widerwort begegne, bin ich ein ewiggestriger Sexist.
            – Äußere ich kritische Andeutungen zu internationalen Handlungen und Politentscheidungen nahöstlicher Staaten, bin ich automatisch ein Feind einer großen Weltreligion; oder krasser formuliert: Äußere ich mich gegen Israel, bin ich automatisch ein Judenfeind.

            Alles das ist leider traurige Realität. Sie würde nicht bestehen, wenn jede und jeder mit allen verfügbaren Informationen unbefangen umgehen würde. Aber statt die Positionen zu hinterfragen und anstatt die eigene Reaktion zu erklären, werden solche, die sich wie oben aufgezählt verhalten, automatisch in ein falsches Licht gerückt. Sie werden diskriminiert, da mit Gedankenregimen gegen sie gearbeitet wird, die aufgrund ihrer ethischen und moralischen Brisanz ohne jede weitere Erklärung akzeptiert werden und ihrerseits keine Widerworte erwarten brauchen.

            Um Zweifel vorzubeugen: Kinderschänder, Sexualstraftäter, (Neo)Nazis und andere Randgruppen, die in hohem Maße ethisch und moralisch unvertretbare Handlungen unternehmen, bedürfen definitiv einem gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Diskurs. Aber ohne Frage sind Gesinnungs-Rhetoriker ebenfalls verpflichtet, die hohen Maßstäbe, die sie gegen andere geltend machen, selbst einzuhalten. Hier aber liegt das Problem: Es wird von den Allermeisten stets mit unterschiedlichem Maß gemessen. Das führt zu schnellen Reaktionen, Überreaktionen und Vorverurteilungen, die ein aufgeklärtes und idealtypisches, vom unbefangenen Intellekt getragenes Verhalten im gegenseitigen Miteinander vermissen lassen.

            Daran knüpft meine Skepsis an.

            Sie ist nicht fatal, weil ich gerne an das bessere Szenario glauben möchte; ich möchte ihm zu gerne vertrauen; allein die bisherigen Lebenserfahrungen und Beobachtungen zeigen, dass es – vergleichbar übrigens mit dem Rousseauschen contract social – nur in kleinen Gesellschaften funktionieren kann.

            Um damit auf die Grundfrage zurückzukehren:

            Die technische Entwicklung ermöglicht einen neuen, intensiveren und freieren Umgang mit persönlichen Daten und Informationen. Und ohne Frage zieht das die Bewertung nach sich, wie Privatsphäre angesichts solcher Entwicklungen zu bewerten ist. Und daraus schließlich ergibt sich das Wie, wie mit dem Spannungsverhältnis Datenverarbeitung Privatsphäre umgegangen werden muss. Das geht aber nur, wenn im Diskurs um die Privatsphäre die realitischen bzw. evidenten Mechanismen der Gesellschaft und ihr zuzuordnenden „Gruppierungen“ wie Politikregimen, Wirtschaftsmodellen und letztlich Rechtsdogmen berücksichtigt werden. Lediglich von Idealtypen auszugehen, unter denen weit mehr möglich ist, halte ich für problematisch und vor allem nicht zielführend. Das war und ist das Problem solcher Bewegungen wie zum Beispiel die der Hippies oder der Umweltbewegungen. Daraus müssen Lehren abgeleitet werden, die auf die neuen Technologien angewendet werden können.

          • metaplanet schreibt:

            eine systemische Eigenart, dass Diskriminierung des Individuums eine zwangsläufige und logische Konsequenz ist, wenn es sich öffnet.

            Das ist – objektiv – eine sowohl pessimistische, wie auch höchst fatalistische Aussage.

            Zumindest ist die Herleitung der Schlussfolgerung induktiv.
            Wenn Diskriminierung als „systeminhärente“ Eigenschaft (menschlichen Verhaltens im Pluralismus) beschrieben werden soll, dann müsste der systemische Zusammenhang klar beschrieben werden (können).

            Ich glaube nicht, dass Diskriminierung eine zwangsläufige Folge der Kommunikation unter Menschen mit unterschiedlichen Meinungen ist oder „systembedingt“ auftritt.

            Wenn jemand in einer Diskussion polemisiert oder andere diskriminiert, dann ist auch dieses Verhalten als Methode zu entlarven.

            -> eben so, wie Du es oben getan hast! 🙂

            Außerdem gibt es meiner Ansicht nach überhaupt keine plausible Alternative zum Idealismus.

            Schon der alte Goethe hat das erkannt:

            >>“Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten,und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.“ <<

            Wir können die einfachen psychologischen Muster des Fehlverhaltens alle erkennen und herausstellen. In jedem Fall lässt sich dadurch ein entsprechend konstruktiver Umgang mit Fehlverhalten herausstellen.

            Außer: Das Fehlverhalten bleibt obskur, verdeckt, verschleiert und geschieht heimlich…

            Eine offenere/ transparente Gesellschaft wird unweigerlich und unausweichlich eine Läuterung unserer Verhaltensmuster und Motive mit sich ziehen.

            Wir werden aufeinanderprallen mit unseren Wertesystemen und Meinungen… vielleicht öfter und heftiger als heute… Im Licht dieser Offenheit und Transparenz werden sich aber letztendlich nur noch die wirklich ‚konsensfähigen‘ und aufrichtigen Werte durchsetzen, die in der pluralistischen Öffentlichkeit widerspruchsfrei erklärt und vereinbart werden können.

            Es geht um einen ehrlichen und offenen Prozess der Kulturbildung. Eine ständige Evaluation und Evolution unserer Wertesysteme…

            Das bedeutet Vernetzung!

            Erst in diesem differenzierten Wertediskurs können wir unsere wahren gemeinsamen Nenner finden und Meinungen bilden, die nicht durch Lügen und Unklarheiten verzerrt sind.

            Die meisten radikalisierten und dogmatisierten Gruppen Schöpfen ihre Macht eben leider aus Unklarheiten und Missinformation.

            Dort wo vertuscht und verschleiert wird gibt es Platz für Dogmen und Vorurteile.

            In der Transparenz werden auch diejenigen bloßgestellt, die Versuchen pauschale Vorurteile zu etablieren…

            Außerdem gibt es glücklicherweise immer Menschen, die sich nicht leicht in pauschale Kategorien verfrachten lassen… die sozusagen in gewisser Hinsicht immun gegen typische polemische Diskriminierung sind… beispielsweise auch muslimische Kritiker des Fundamentalismus im Islam oder jüdische Kritiker der israelischen Besatzung im Westjordanland (Noam Chumsky)… etc…

          • metaplanet schreibt:

            -> metaplanet … das bin ich, manU … // nur um nicht den Eindruck einer Doppelmoral zu erwecken 😉 („metaplanet“ ist ein Projekt von mir, das im Zusammenhang mit den Darlegungen hier steht… dazu hab‘ ich auch meinen Blog reaktiviert… und werde in naher Zukunft ein paar konkrete soziologische und technologische Ideen/ Visionen, Betrachtungen reinpacken. )

            +++ schade, dass man die comments hier überhaupt nicht editieren kann… selbst, wenn man in wordpress angemeldet ist…

            OBEN nach dem ersten Abschnitt ENDET ein Zitat! da müsste eventuell jemand das

            -Tag schliessen, wenn möglich!

            ;Danke!

          • fasel schreibt:

            @metaplanet: es scheint leider keine Option zu geben, das Editieren zu erlauben.
            Und welchen Tag in welchem Kommentar meinst du genau? Du schreibst so viel 🙂

    • Fred Krug schreibt:

      Zitat:
      Entschuldigen Sie bitte, aber so ein Blöde Idee kann man nicht vorstell.
      Zitat Ende

      Diese „Blöde Idee“ ist wenigstens als Vorstufe bereits grauer Alltag. Zwar sind die verwendeten Systeme mit mehreren Hundert Millionen Mitgliedern (noch) nicht interoperabel; aber die Schritte in diese Richtung sind aber nur kleine. Und mit der wachsenden Zahl von Smartphones und WiFi-/G4/G3/G2-fähigen Tablet-PCs und Netbooks sind solche Gedankenspiele auch nicht (mehr) akademischer Natur.

      Klein ist das Stichwort: Die „Zweithirn-Modelle“ funktionieren bereits im individuellen Internetverhalten über die gezielte Steuerung von Werbung aufgrund der Auswertung von Cookies sowie des Suchmaschinen-Verhaltens.

      Daraus ergibt sich, dass Daten von jedem Nutzer „irgendwo“ (je nach Szenario auf dem eigenen Rechner, nicht selten auf fremden Rechnersystemen) gespeichert, verarbeitet (ausgewertet) und verwendet werden, ohne dass der jeweilige Nutzer dies (noch) beeinflussen kann. Spätestens die Informationen, die von Dritten gespeichert, verarbeitet, weitergegeben und verwendet werden, welche dann von Vierten gespeicher, verarbeitet, weitergegeben und verwendet werden, die dann von Fünften …

      Ich denke, der Punkt ist klar geworden, oder?

  11. manU schreibt:

    »Die Bedrohung des Menschen kommt nicht erst von
    den möglicherweise tödlich wirkenden Maschinen
    und Apparaturen der Technik. Die eigentliche Bedrohung
    hat den Menschen bereits in seinem Wesen
    angegangen. Die Herrschaft des [Brillen-?]Gestells droht mit
    der Möglichkeit, daß dem Menschen versagt sein
    könnte, in ein ursprünglicheres Entbergen einzukehren
    und so den Zuspruch einer anfänglicheren Wahrheit
    zu erfahren.«

    Martin Heidegger, »Die Frage nach der Technik«

    Zitiert von Francis Fukuyama in seinem Buch
    „Das Ende des Menschen“ (1. Kapitel)
    http://bilder.buecher.de/zusatz/10/10607/10607056_lese_1.pdf


    http://heideggerqts.blogspot.com/2009/07/quotes-from-question-concerning.html

  12. Pingback: Linkschau, die Sechste. | Die datenschutzkritische Spackeria

  13. Fred Krug schreibt:

    Hallo.

    Das Sendungsformat „elektrischer Reporter“ betrachtet das Netz von Morgen ebenfalls. Gerade in der Pilot-Sendung wurde die Entwicklung von Privatheit und Netz betrachtet:

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1291562/Elektrischer-Reporter-%5BPilot-Folge%5D

    An und für sich bin ich kein Fan von Sendungsformaten, die beim ZDF laufen; dieses Format jedoch bricht erfrischend aus. Eine eigene Stellungnahme möchte ich noch nicht vornehmen.

    Fred

  14. Pingback: Technik frisst Privatsphäre? | Zweithirn für Spackos?! « deLIBERATION_FRONT!

  15. Pingback: Technik frisst Ersthirn #Datenschutz #spackeria « Differentia

  16. Tichodroma schreibt:

    Der korrekte Umgang mit dem sog. Zweithirn:

    1. Es nicht selbst verwenden.

    2. Seine Verwender mit Verachtung strafen.

    Punkt 2 gilt übrigens heute schon für alle Leute, die z. B. ohne Genehmigung auf Fotos Leute identifizieren.

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