From tante with datalove

Lieber Herr Weichert,

im Streit mit dem Heise Verlag bzgl. der Einbettung von SocialMedia Buttons gehts in die zweite Runde. Nachdem Sie zuerst den Einbettern solcher Buttons (Facebook’s Like, Google’s +1 und viele andere) mit Verfolgung und finanziellen Strafen drohten, stellte der Heise Verlag eine, wie ich und eine Menge anderer Netzexperten finden, sehr gelungene Lösung vor: „2 Klicks für mehr Datenschutz.„.

Die Heise Mitarbeiter schlagen vor, die echte Einbettung (und damit das Übertragen der Daten, die hier ausreichend klar dargestellt werden), von einem vorgelagerten Zustimmungsklick abhängig zu machen: Die Nutzer haben also weiterhin die Möglichkeit, ganz bewusst Social Media einzusetzen ohne dabei ohne ihre Einwilligung Daten von sich preis zu geben.

Nun stellt sich heraus, dass Ihnen das nicht reicht. Ihr Argument ist, dass Nutzer gar nicht zustimmen können, denn:

„Zudem setzt eine wirksame Einwilligung voraus, dass Nutzende wissen, worin sie einwilligen. Da Facebook aber bisher nicht offenlegt, was es mit den Nutzerdaten macht, fehlt es weiterhin an der nötigen Information.“(zu lesen hier)

Herr Weichert, ich bin leider nicht mehr in der Lage abzuschätzen, wie genau sie sich ein weiterhin nutzbares Internet vorstellen, würde das aber gerne verstehen. Deshalb beschreibe ich einfach mal ein Szenario und sie erklären mir, wie das geht, OK?

Nehmen wir mal an, dass das Internet, diese wundervolle Erfindung, die uns alle jeden Tag näher zusammenbringt, erstmal erhalten bleiben soll. Wir gehen weiterhin (rein pragmatisch) davon aus, dass wir nicht mal eben alle Infrastruktur wegwerfen und wir weiterhin HTTP über TCP/IP auf dem Transport Layer einsetzen.

Szenario:
Ich habe ein Webangebot mit Inhalten, nehmen wir einfach mal Katzenbilder, unter denen ich Social Media Buttons einblenden will: Einen Like von Facebook, ein +1 von Google und als kleine Abwechslung einen Flattr Button. Wie realisiere ich diese Knöpfe ihrer Meinung nach richtig?

Anmerkungen:
Eine Entfernung der Knöpfe ist nicht sinnvoll, weil das einen massiven Einschnitt in die Nutzbarkeit des Webangebotes bedeuten würde, da ich dann von jedem Besucher deutlich mehr Computernutzungswissen („wie kopiere ich eine URL und teile die auf Facebook“) voraussetzen müsste als ich will. Beim Teilen von Katzenbildern soll niemand ausgegrenzt werden.

Ich freue mich auf Ihre Antwort,

tante

Advertisements

Über tante

Chimpanzee that!
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu From tante with datalove

  1. Dirk Basquiat schreibt:

    hmm – also ich wahr persönlich schon bei der 2Klicklösung skeptisch.

    was wenn ich ein Blog direkt bei WordPress.com habe und gar keine Plugins installieren kann? was wenn ich einen Mix aus deutsch- und englisch Sprachigen Blogs lese. wo zweites sich vor allem einen feuchten Kericht kümmern?
    was mit all den Links, die ich quasi blind via Twitter / google+ klicke und auch nicht vorher weis wo ich da lande?

    Ich find es insgesamt grotesk. Beim JMSTV war man sich noch einig und hat sich dagegen vor allem mit dem Argument ausgesprochen, dass dieser eine enorme Rechtsunsicherheit für Blogger und Co bedeutet. Naja irgendwie haben wir die immer noch. Vielleicht momentan nicht beim Jugendschutz im Zweifelsfall mehr im Urheberrecht. Hier wird eine weitere Unsicherheit aufgebaut.

    mfg Dirk aus Dresden 😀

    • tante schreibt:

      Nunja, dass es immer mal Implementierungsprobleme gibt wie dass ich keine Plugins installieren kann lassen wir gerade mal der Einfachheit halber beiseite.
      Heise entwickelt was, dokumentiert wie das geht, wie es das Problem löst und setzt es um. Was will er noch? Wo ist das Problem? Wie soll es funktionieren? Ich sehs einfach nicht. Vielleicht reicht meine Phantasie auch einfach nicht aus. 😦

      • Dirk Basquiat schreibt:

        vor allem – wenn ich es „richtig“ verstanden habe – es würde unglaublich unpraktisch werden. Ich möchte nicht jedes mal ein Popup bekommen, welches mir ins Gesicht donnert.

        naja – schau mer mal wie sich die Story weiter entwickelt^

        • kju (@kju) schreibt:

          Ich meinte gerade schon im Chat: Wir müssen wohl Pflichtkurse zum Thema Privacy einführen. Da kommt dann ein Gesandter Weicherts der drei Stunden lang den Leuten erklärt, wie böse das doch alles ist. Und wer dann immer noch will, darf danach Fatzebuch & Co. verwenden.

  2. kju (@kju) schreibt:

    Sehr guter Beitrag. Ich habe lange den guten Herr Weichert zu schätzen gewusst, weil er sich als einer der wenigen Landesbeauftragten wirklich mal gekümmert hat. Aber irgendwas muss passiert sein, denn er schiesst seit einiger Zeit massiv übers Ziel hinaus.

    Die Heise-Lösung finde ich super, aber Herrn Weichert darf man wohl den kleinen Finger nicht reichen.

  3. xwolf schreibt:

    Das Problem ist eigentlich ein anderes: Selbst wenn Facebook (oder Google oder IVW oder eTracker oder Adobe oder Microsoft oder ….) erklären und beschreiben was sie übertragen, dann bedeutet dies nichts; Denn immer noch kann und wird ein Datenschützer einfach aus eigener subjektiver Meinungsbildung und Voreingenommenheit bei dem einen entscheiden der Aussage zu glauben, bei der anderen aber nicht.
    Und allein auf Grundlage des eigenen Vertrauens oder des eigenen Argwohns wird dann die offiziell angehauchte Stellungsnahme verkündet, daß ein Dienst illeal ist oder nicht.
    Um echte, nachweisbare Fakten geht es da genausowenig, wie um die Lebenswirklichkeit der Nutzer oder um das was heutzutage State of the Art ist. Und am allerwenigsten geht es um den tatsächlichen Schutz von Daten.

  4. sofias. schreibt:

    die idee ließe sich weiterspinnen indem ma die 2-klick-variante auf die clientseite verlagert, per browsererweiterung, die alle trackingbuttons defaultmäßig blockt und wie bei heise platz halter anzeigt. oder komlett ausgeblendert wenn

    andererseits muss ich tante in einem punkt widersprechen:
    die buttons zu entfernen ist keine schlechte idee, sondern würde den missstand beheben das nur buttons größerer social networks verwendet werden, und trotzdem niemand alle diese buttons braucht.
    für soetwas hat uns gott die bookmarklets gegeben. statt dem ganzen buttonramsch könnten inhaltsanbieter (wie heise) einfach einen „Wie teile ich diesen Artikel?“ link anzeigen. hinter dem befindet sich dann eine entsprechenden erklärung und vielleicht einer vorauswahl an populären bookmarklets.

    jetzt nur noch die alten buttons (und sonstige webbugs) blocken, fertig! RequestPolicy z.b. macht das ganz exezellent.

    sollte es Thilo Weichert wirklich darum gehen das menschen kontrolle darüber haben welche daten sie anderen mitteilen, kann er genannte technologien popularisieren oder sogar finanziell unterstützen. vielleicht auch ein paar Tor-exitnodes betreiben! oder er ballert noch ein bischen mit seinem datenrevolver.

    • tante schreibt:

      So eine Erweiterung in Browser zu bauen ist ja schön und gut (Mozilla hat ja an sowas mal mit F1 gearbeitet). Aber was ist mit all den Leuten, die gar nicht wissen, dass sie Erweiterungen installieren können, geschweige denn Bookmarklets? Was ist mit mobilen Browsern? Und was ist mit convenience?

      Deine Lösung ist nicht falsch für Dich oder mich oder sehr technisch interessierte, aber auf dem Niveau sind eben viele nicht und ich möchte trotzdem, dass sie das Internet nutzen und Inhalte teilen können.

      • sofias. schreibt:

        das installieren eines bookmarklets ist sehr einfach: drag+drop in die bookmark-leiste, fertig.
        der convenience-vorteil besteht darin das ma den like-button nicht erst suchen muss, da das er nicht einmal da sein muss…

        außerdem erweist du den usern einen bärendienst wenn du sie per default behandelst als könnten sie das web niemals selbstkontrolliert benutzten. das ist elitär und kurzsichtig.

  5. Dirk Hillbrecht schreibt:

    Hi,

    du machst den grundsätzlichen Fehler, anzunehmen, du könntest mit Herrn Weichert rational argumentieren. Nach dieser 2-Klick-ist-auch-böse-Aktion wird mir endgültig klar, dass es ihm nicht im Geringsten um echten „Datenschutz“ geht, sondern darum, seiner mit übersteigertem Geltungsbedürfnis gepaarten mittelschweren Paranoia Bahn zu brechen.

    Thilo Weichert hat sich für mich endgültig für jedweden sachorientierten Diskurs disqualifiziert. Es ist schlicht vertane Zeit.

    Ciao, Dirk

  6. Pingback: Datenschutztheater | Die datenschutzkritische Spackeria

  7. Pingback: Datenschutztheater | tante's blog

  8. Vollstrecker schreibt:

    langweilige Seite und langweilige Ansichten… Unerfahrenheit pur – verwöhnte Wohlstandsgören hier!

  9. Nils schreibt:

    „Social Media Buttons einblenden will“ – aha, ich will, ich will, ich will

    Als ich 14 war wollte ich unbedingt Auto fahren. Durfte ich aber nicht. Irgendwie war das verboten. Das war echt doof. Blödes Gesetz – die haben ja alle keine Ahnung, dachte ich. Ich hatte schliesslich alle Formel 1 Rennen in dem Jahr gesehen – also war ich ein Experte!

    „wie ich und eine Menge anderer Netzexperten“

  10. Tobias schreibt:

    Die Internetnutzer werden also für zu Blöd gehalten einen Einen Link zu Kopieren, weshalb es unbedingt
    „Social Media Share Buttons“ statt Aufklärung geben muss.

    Das Teilen hat 20 Jahre OHNE Share-Buttons Funktioniert. Es ist also anzunehmen das die Verdummung der Nutzer mit dem Social-Web begonnen hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s