Herausforderungen der Informationsfreiheit

oder: Warum eine gute Sache verdammt anstrengend wird.

Eine der zentralen Fragen unserer Zeit ist die des Konfliktes von Informationskontrolle vs. Informationsfreiheit. Man könnte darüber alleine schon einen Vortrag halten. Das ist aber nicht der Inhalt dieses Textes. Ich beschränke mich hier bei der Feststellung, dass ich mit Kristian Köhntopp übereinstimme, das es auf folgende Frage hinaus läuft:

Hier ist die Wahl. Sie ist die einzige Wahl. Sie ist digital, wie das
Medium, das die Wahl erzwingt:
1. Kopieren hinnehmen.
2. jede Kommunikation von Jedermann mit jedem anderen immer auf ihre Legalität hin untersuchen und filtern.
Wenn Fall 2 nicht stattfindet, bildet sich sofort ein Overlay-Netzwerk und Fall 1 tritt ein.

Wir alle erleben gerade selbst, mehr oder weniger am eigenen Leibe, welche Grundrechte und Freiheiten die Verteidiger der Informationskontrolle zum Erhalt eben jener zu opfern bereit sind.

Dieses ist nicht hinnehmbar, weshalb ich mich entschieden auf die Seite der Informationsfreiheit stelle. Doch was bedeutet Informationsfreiheit für mich?

Eine Definition der Informationsfreiheit

Ich benutze hier Informationsfreiheit für die Beschreibung eines Zustandes in dem annähernd alle Informationen direkt nach Ihrer Entstehung und jederzeit von überall zur Verfügung stehen. Dies ist als gesellschaftliches Ideal zu verstehen, welches sich aber auch als polistische Forderung eignet.
Ihr steht die Informationskontrolle in Reinform als Extrempunkt gegenüber.

Zur Erläuterung:

Mit „annähernd alle“ bezeichne ich alle Informationen von Individuen und Organisationen, die im Laufe Ihrer Existenz anfallen bzw. von diesen erzeugt werden. Die Einschränkung resultiert daraus, dass Individuen Ihre Möglichkeit nutzen, gesonderte Informationen nicht fest zu halten, bzw. nur mit einen ausgewählten  Kreis zu teilen.
Mensch muss sich allerdings bewusst sein, dass jede geschriebene/festgehaltene Information potenziell und auf jeden Fall so gut wie öffentlich ist.

Es ist extrem wichtig, dass Informationen möglichst zeitnah nach Ihrer Entstehung ge- und verteilt werden, da sie andernfalls von den Leuten, die Ihre Freigabe verzögern, kontrolliert werden. Des weiteren bin ich der Meinung, dass der Zugang zu Informationen allen Menschen möglichst unkompliziert und ohne Schranken ermöglicht werden muss.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man durch ein breite Beteiligung und Plattformneutralität die aktuellen Probleme lösen können wird.

Was sind die Herausforderungen?

Während die vorrausgehenden Überlegungen, bzw. die aus Ihnen resultierenden Forderungen, noch öfters anzutreffen sind, fehlt eine Diskussion Ihrer Konsequenzen weitesgehend.

Ein Kampf für die Informationsfreiheit ohne dabei zu bedenken, welche sozialen Herausforderungen diese mit sich bringt kann, meine Meinung nach, nur katastrophal enden.

Diese Problematik lässt sich sehr gut anhand der Rolle ihres Gegenparts in unserer aktuellen Gesellschaft aufzeigen.

Macht basiert auf Informationskontrolle

Die mächtigste Partei in einem Konflikt ist heutzutage stets die, die sich der meisten Informationen, bzw. ihrer Nutzungsrechte, ermächtig und so der Gegenseite den Zugang zu eben jenen verwehren/verzögern kann.

Im Wirtschaftsystem kann man dies recht gut beobachten. Zum einem an dem Patentwahnsinn, der mit der Lizensierung von Genen und Algorithmen in den letzten Jahren die wildesten Blüten trieb. Zum anderen basiert jegliche Form des Handels auf Informationskontrolle oder profitiert zumindest entscheidend von ihr. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass dies ein zentrales Monument des Kapitalismusses darstellt.

Aber es betrifft nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte:

Informationskontrolle ist auch ein zentrales Element unsere Kultur. Konzepte wie Kindheit, Altersfreigaben oder auch Privatsphäre wären ohne sie nicht umzusetzen. Das interessante bei dieser Betrachtung ist allerdings, dass diese Konzepte alle relativ jung sind.

Sind sie doch gerade mal 2-300 Jahre alt, und stellen ein festes Fundament der bürgerlichen Kultur dar. Mit deren Hilfe das Bürgertum den Adel im Anschluß an die Revolutionen des 18. und 19.en Jahrhunderts in seiner Vormachtstellung verdrängte.

Wie können wir diesen Herausforderungen entgegen treten?

Ebenso wichtig wie das reine anlysieren und erkennen der Problematik ist die Erörterung bzw. Erarbeitung von Lösungsansätzen für unsere Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die näher an der Informationsfreiheit liegt als an der Informationskontrolle verlangt von Ihren Mitgliedern automatisch ab, sich mit dem unweigerlich entstehenden Strom von Informationen auseinander setzen zu können.

Wir alle müssen lernen uns widerstrebende Ideen, Werte & Normen als solche zu akzeptieren. Ich sage hier ausdrücklich akzeptieren, da ein reines tolerieren von widerstrebenden Informationen bzw. Gedanken die tolerierenden Menschen von der wichtigen Aufgabe der Auseinandersetzung befreit und somit der absichtlichen und isolierenden Ignoranz den Raum frei macht.

Des weiteren ist es aber auch nötig, dass die Menschen dieser Gesellschaft auch die Zeit haben um sich mit dieser Flut an Gedanken anderer Menschen auseinanderzusetzen. Weshalb ich der Meinung bin, dass ein Kampf für die Informationsfreiheit auch immer ein Kampf für die soziale Gleichstellung aller Menschen darstellt. Im übrigen verlangt der Erhalt unseres unsäglichen Geldsystemes selbst nach Konzepten wie dem garantierten Grundeinkommen – doch auch dieses ist ein Thema für einen weiteren Artikel.

Regulierung über die Gemeinschaft und nicht über Gesetze

Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass positive wie negative Sanktionierung des Umgangs mit Informationen anderer über gesonderte Organe zum einen aufgrund des exponentiell steigenden Informationsflusses ab einem gewissen Zeitpunkt schlicht und einfach nicht mehr zu realisieren sein wird.

Zum anderen kann dieses für eine Gesellschaft auf lange Sicht auch nicht wünschenswert sein, ergibt sich doch das Problem der Überwachung der Überwacher. Also der Elitenbildung und den daraus resultierenden Machtmissbrauch der Überwacher.

Schlußendlich kann eine Beeinflußung des sozialen Verhaltens der Mitglieder einer Gesellschaft, die nicht aus der Mitte eben jener kommt sich nie so schnell entwickeln wie sich neue Formen des sozialen Zusammenlebens heraus kristallisieren.

Dies alles verlangt von jedem einzelnen ein viel größeres Maß der selbst geleisteten Kontrolle über Emotionen und Verhalten ab als wir es momentan gewöhnt sind. Der Mensch in der Informationsfreiheit muss die Selbstdisziplin aufweisen können, von sich heraus die Gedanken und Lebensweisen anderer offen anzuerkennen und zu respektieren.

Man mag diese Überlegung als wirr oder wahnsinnig betrachten. Da sich die Informationsfreiheit und die Informationskontrolle gegenüberstehen ist dies auch nur logisch, dass ein Wandel von einer Gesellschaft der Informationskontrolle zu einer der Informationsfreiheit einen radikalen Paradigmenwechsel erfordert.

Unabhängig von meinen Schlüssen bestehen die eingangs beschriebenen Probleme in unserer Gesellschaft und wir werden eine Lösung finden müssen. Es liegt an uns, zu entscheiden und erkämpfen, wie diese aussehen sollen.

Viele der vorangehenden Überlegungen müssen Mitgliedern unserer heutigen Kultur zwangsläufig als leichtfertig und gefährlich erscheinen.

Doch dies zeigt nur umsomehr die Dringlichkeit der Diskussion auf.

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Über acid

rides the information tide
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12 Antworten zu Herausforderungen der Informationsfreiheit

  1. Thorsten schreibt:

    Grundsätzlich gebe ich Dir Recht — dieses Ideal haben (hatten?) wir ja eigentlich auch …. bisher in der Form „Eine Zensur findet nicht statt.“. Ich sehe auch, dass dieses Konzept stellenweise untergraben wird, so sind z.B. die Entwicklungen im Patentbereich mit grösstem Misstrauen zu betrachten, denn „Erfindungen“ sind zwangsläufig mit fortschreitender Entwicklung immer stärker „nur noch“ neue Kombinationen von bereits Vorhandenem — man stelle sich vor, Gutenberg hätte sich mit den Patentinhabern von Tinte, Papier, flachen Holzplatten oder der Schraubenpresse (!) auseinandersetzen müssen.

    Allerdings fehlt mir bei Deinem Beitrag ein konkreter Vorschlag oder der vielzitierte „nächste Schritt“, um die Diskussion wirklich entscheidend anzuregen.

    Wo siehst Du die grössten Probleme oder Bedrohungen für das Konzept einer freien Informationsgesellschaft (informationell freien Gesellschaft oder wie auch immer man es griffig benennen will)? Wo den dringendsten Handlungsbedarf? Wie kann ein Weg dorthin aussehen?

    Wichtig finde ich auch die Einordnung des Themas „Datenschutz“ in dieses Gesamtbild — einerseits kann man wohl getrost sagen, dass viele Datenschützer in aktuellen Diskussionen (siehe Facebook, ULD etc.) einem meiner Ansicht nach falschen und veralteten Konzept hinterher rennen und mit an Fanatismus grenzendem Eifer eher Schaden anrichten als etwas Sinnvolles beizutragen — andererseits gibt es durchaus „intime“ oder „persönliche“ Daten, die zumindest solange noch geschützt werden müssen, bis die gesellschaftlich-kulturellen Verhältnisse sich so entwickelt haben, dass ihr Schutz im allgemeinen als nicht mehr notwendig angesehen wird.

    • acid schreibt:

      Exakt, ich würde sogar in Frage stellen, ob neue Ideen jemals wirklich etwas anderes gewesen sind.

      Den nächsten Schritt sehe ich da, wo es am schwersten ist: Bei uns selbst. Wir müssen alle uns selbst darauf trainieren kooperativer und akzeptierender zu denken & zu handeln. Nur so können wir langsam bestehende Repressionsmechanismen wie Sexismus, Rassismus oder die Ausgrenzung von Andersartigen Menschen beseitigen.

      Aber ich sah es nicht wirklich als Aufgabe dieses Textes an, direkt über den nächsten Schritt zu schreiben, da der Text auf einem Vortrag für die #om11 basiert. Werde das aber als Anregung aufnehmen, mal einen solchen Text zu schreiben.

      Die größte Bedrohung sehe ich darin, dass die Mächtigen des letzten Jahrhunderts verzweifelt versuchen ihre Macht gegen den Medienwandel hinweg zu sichern. Der dringenste Handlungsbedarf besteht bei der Verteidigung der Netzneutralität und dem Aufrechthalten/Verbreiten der Diskussionen rund um Informationsfreiheit und soziale Teilhabe im digitalen Zeitalter.
      (Ach ja und Umweltschutz, aber das verlässt den Rahmen dieses Blogs. Das Thema ist gerade untergegangen, wird aber die selbst produzierte Vernichtung unseres Lebensraumes bestimmt in den nächsten Jahrzehnten wieder mehr auf den Tisch kommen).

      Nuja, Datenschutz wäre in diesem Gebilde ein aufrechthalten der persönlichen Informationskontrolle. Da wir uns aber immer mehr zur Informationsfreiheit bewegen verliert er halt immer mehr an Substanz.

      • xyz schreibt:

        Naja, klingt eher nach „begeisterte Facebooker versuchen schwafelnd Gesellschaft herbeizubeten, in der alle so handeln sollen wie sie und Facebooks PR-Abteilung es wollen“. Ich möchte aber weder mit euch noch mit Zuckerberg irgendwelche Daten „sharen“, und wüsste auch nicht, was das mit transparenter Politik zu tun haben soll.

        Und wer sowieso nichts zu verbergen hat und spackeriamässig die Privatsphäre gerne aufgeben möchte, braucht doch auch nicht rumzuheulen, wenn sein Internetverkehr nach Gesetzesverstößen durchschnüffelt wird. Was soll denn eigentlich so schlimm daran sein? Oder lädst du dir gratis Dinge herunter, die Andere in harter Arbeit mit ihrer Kreativität erstellt haben und nicht gratis verteilen wollten? Selbst dann lebst du in einem Rechtsstaat, und kannst dir einen Anwalt nehmen. Oder berührt dir das nur zu sehr deine Privatsphäre? Ach, na sowas.

        • acid schreibt:

          Drei Sachen:
          a) Auf theoretische und offensichtlich utopische Überlegungen mit der Realität antworten hilft niemanden weiter.
          b) Frage ich mich, ob du den Artikel gelesen hast, ich kann da zu mindest keinen Bezug zu finden.
          c) Ich bin nicht bei Facebook und habe auch kein Interesse, mich in dieses Netzwerk zu begeben ;P

  2. svenmw schreibt:

    Ich finde den Text insofern schwierig als das gleich zu beginn eine Definition völlig frei konstruiert wird, ohne die bestehende grundrechtliche Definition von Informationsfreiheit heranzuziehen. Entweder muss man in einem solchen Fall das Wording etwas abwandeln oder auf die bestehende Definition eingehen und erklären warum man diese ändert. Es ist wenig zielführend, einen sehr freien Blogbeitrag ohne Bezug auf die grundrechtlichen Aspekte zu schreiben, argumentativ kommt man aber nur mit diesem Bezug weiter da einem ansonsten sehr schnell die eigenen Argumente um die Ohren fliegen. Im luftleeren Raum zu diskutieren darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss immer wieder zurück kommen zu bestehenden Strukturen. Geht man davon aus, dass das Grundgesetzt nicht von Null neu formuliert wird und in diesem ein völlig anderer Informationsfreiheitsbegriff enthalten sein wird, können alle Forderungen diesbezüglich nur eine Weiterentwicklung sein.

    • acid schreibt:

      Ich finde an deinen Kommentar insofern schwierig, dass du eine Behauptung aufstellst ohne zu begründen warum sie denn gelten sollte. Das Begriffe je nach Kontext unterschiedlich verwendet werden ist nun wirklich nicht neu.

      • svenmw schreibt:

        Wenn man über Informationsfreiheit schreibt kann man nicht einfach sagen, der Kontext ist ein anderer. Der Kontext ist unsere Gesellschaft, die sich unter anderem durch das GG ein normatives Fundament gegeben hat. Du beziehst dich doch sogar auf Regulierung und Gemeinschaft. Versteh mich nicht falsch, ich finde viele Ideen sehr klug aber man kann einfach nicht über IF diskuttieren und den IF Begriff des GG einfach beiseite schieben. Wäre es nicht möglich zu sagen, er muss sich weiterentwickeln und dafür muss das und das geändert/neu-interpretiert werden? Fände ich auch eine spannende Frage.

    • Thorsten schreibt:

      Ich finde vor allem schwierig, dass Du hier von einer „grundrechtlichen Definition“ sprichst, die es in dieser Form in Deutschland ja gar nicht gibt. Art. 5 GG kommt noch am nächsten heran, ansonsten eben Artikel 11 der EU Charta — beide treffen aber das Wesen der informationellen Selbstbestimmung nicht vollständig, da „informationelle Selbstbestimmung“ meist einfach mit „Datenschutz“ gleichgesetzt wird, was ja aber nicht das Ziel ist — im Gegenteil: Aus „Datenschutz“ wird in der Praxis allzu oft „Datenverhinderung“, was deutlich kontraproduktiv ist.

      • svenmw schreibt:

        Es gibt eine Mischung aus herrschender Meinung, verfassungsgerichtlichen Entscheidungen und Rechtsprechung. Eine Arbeitsdefinition als Ausgang eines solchen Textes sollte auf dem Aufbauen, was allgemein als Informationsfreiheit verstanden wird. „Das Grundrecht der Informationsfreiheit gewährleistet das Recht, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, wäre so ein Ansatzpunkt. Über Datenschutz hab ich keinen einzigen Satz verloren. Nur weil ich die Methode der Argumentation kritisiere bin ich nicht automatisch anderer Meinung. Und bevor mir jetzt einer blöd kommt mit, dann mach doch selber. Ich hab nie gesagt sowas ist leicht oder ich könnte das. Aber es wäre schön wenn solche klugen Beiträge manchmal ein wenig Hand und Fuß hätten und nicht im luftleeren Raum dahinschweben.

        • rolleyes schreibt:

          „Das Grundrecht der Informationsfreiheit gewährleistet das Recht, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“

          Richtig, so stehts da. Und zukünftig oder auch schon derzeit läuft es darauf hinaus, dass alles politische, Dokumente, Verträge, öffentliche Angelegenheiten und Staatshandeln, zu solchen allgemein zugänglichen Quellen werden sollen, wo sie es nicht schon sind. Res publica, die öffentlichen Angelegenheiten, Politik. Nicht, ob der Fritzi was mit der Mimmi hat, nicht, wie der Bernd letztens auf dieser Party an der Bong saugt und später kotzt, nicht, was die Franzi für Firmen mag und welche Produkte sie kauft, oder ob der Typ auf dem Foto da nicht der Hansi ist, der hat doch gesagt er liegt krank im Bett.

          Res publica. Insofern finde ich da einen Zsammenhang zu den üblichen Kontrollverlust-wirkönnendochnichtsmachen-diebeiFaebooksindtotalnettundnurderdemokratischeStaatistvollschlimm-Spackeria-Themen hier sehr herbeikonstruiert. Aber wahrscheinlich werde ich jetzt dafür auch irgendwie angepflaumt und hab den Text „nicht gelesen“ oder „nicht verstanden“, rolleyes.

  3. Pingback: Nicht Urheberrecht ist das Kernthema - Die wunderbare Welt von Isotopp

  4. BrunoC schreibt:

    Wenn die Entscheidung zwischen „Informationsfreiheit“ und „Informationskontrolle“ tatsächlich so alternativlos, quasi „binär“ wäre, wie in der eingangs festgelegten Prämisse (wofür nichts spricht), und ich Deiner Definition von Informationsfreiheit folge, dann schlage ich mich ohne großes Zögern auf die reaktionäre Seite der Informationskontrolle. Der im Artikel prognostizierte oder geforderte (?) „radikale Paradigmenwechsel“ der Gesellschaft und jedes Einzelnen ist nicht nur „wirr oder wahnsinnig“ sondern vor allem totalitär.
    Wie im Artikel richtig erkannt, stellt die „Privatsphäre“ eine bürgerliche Errungenschaft dar, die nicht zuletzt eine entscheidende Voraussetzung für Demokratie war und ist. Nun haben die revolutionären Bemühungen im 20. Jahrhundert, das Bürgertum zu überwinden, neben vielem anderem Unappetitlichem vor allem eines gezeigt: es lässt sich im humanistischem Sinn kein gesellschaftlicher Fortschritt erzielen, wenn man versucht, diese demokratischen Errungenschaften zu negieren.
    Eine Gesellschaft mit Deiner Definition von „Informationsfreiheit“ als Ideal wäre unter allen Umständen zu verhindern! Freiheit ist die Möglichkeit, sich zwischen mehreren Alternativen zu wählen, Deine Definition beschreibt keine Informationsfreiheit sondern im Grunde einen Informationszwang.

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